Christliche Themen für jede Altersgruppe

Zeit zum Gebet

1. Timotheus 2,1–4 So ermahne ich nun, dass man vor allen Dingen tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen, für die Könige und für alle Obrigkeit, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen können in aller Frömmigkeit und Ehrbarkeit. Dies ist gut und wohlgefällig vor Gott, unserem Heiland, welcher will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.

Impuls zum Predigttext für den Sonntag Rogate: 1. Timotheus 2,1-6.  Von Karin Uhlmann

Karin Uhlmann ist Wirtschafts- und Sozial­pfarrerin beim Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt.


Eine junge Frau. Ein hellblauer Liegestuhl mit weißen Wolken darauf steht mitten in ihrem Zimmer. Gedankenverloren, das E-book in der Hand, sitzt sie in diesem Liegestuhl. „Sonntag ein Geschenk des Himmels“ ist mit großen Buchstaben auf dem Liegestuhl zu lesen. Sie nimmt es wörtlich. Der Sonntag ist ihr heilig, sonntags kann sie Dinge tun, für die sie unter der Arbeitswoche keine Zeit findet. Sonntag ist für sie ein unantastbarer Ruhetag, von diesem Grundsatz wich sie nicht einmal während ihrer Abiturvorbereitungen ab.

Arbeit und Ruhe gehören zusammen, das eine ist ohne das andere nicht denkbar. Der Sonntag hält für 24 Stunden die Geschäftigkeit an und lässt durchatmen. Er ist ein Tag der Muße und Ruhe, der Geselligkeit und Freude, des Gottesdienstes und des Gebets. Der Sonntag ist ein Geschenk des Himmels. Dieses Jahr fällt der 1. Mai, der Tag der Arbeit, auf einen Sonntag.

Dieses Geschenk des Himmels wird auch dieses Jahr an vielen Orten zusammen mit den Gewerkschaften gefeiert. Gemeinsam beten unterschiedlichste Menschen für humane Arbeitsbedingungen, gerechte Entlohnung, den Erhalt des freien Sonntags und anderes mehr. Damit sind wir in guter Tradition mit unserem Predigttext.

Seine Worte fordern die Christen in Ephesus auf, für die Obrigkeit zu beten. Dafür, dass sie sich für das gute Leben einsetzt, das die junge christliche Gemeinde sich so sehnlichst wünscht.

Es war für die Christinnen und Christen damals die einzige Möglichkeit, um auf das politische Geschehen ihrer Zeit Einfluss zu nehmen. Noch immer litten sie unter Verfolgung, und eine Teilnahme an öffentlichen Ämtern war ihnen verwehrt. Das Gebet war für sie ein politischer Akt, es schenkte ihnen Kraft, und gab ihrer Hoffnung auf ein besseres Leben Nahrung. Sie wussten Gott auf ihrer Seite, denn er will ein gutes Leben für alle.

Beten hat etwas mit gutem Leben zu tun. Das macht gerade der Sonntag Rogate – Betet! – , auf den der Tag der Arbeit, fällt deutlich. Beten und Arbeiten gehören zusammen. Auch die Bibel spricht an vielen Stellen von guter, gelingender Arbeit, sie ist Teil der Schöpfung Gottes. Als Gott seine Schöpfung vollendet hatte, sah er, dass sie „gut“ war und ruhte. Arbeit und Ruhe gehören von Anfang an zusammen. Seitdem wir Christen den Sonntag als Ruhetag feiern, beginnt unsere Arbeitswoche mit dem Auferstehungstag Christi. Als von Christus befreite Menschen sind wir gerufen, mit unserer Arbeit uns für ein „stilles und ruhiges Leben einzusetzen“. Dazu gehört der Schutz des Sonntags und des Feiertags. „Denn der Mensch kann nicht immerdar arbeiten, er muss auch seine Ruhe haben, ohne welche niemand lange ausdauern kann“, sagte schon Martin Luther.

Alles Leben ist bestimmt von den Rhythmen, die Gott seiner Schöpfung zu Grunde gelegt hat. Vom Wechsel der Jahreszeiten und Generationen, Ebbe und Flut, Tag und Nacht. Immer wieder wird ein ähnlicher Vorgang wiederholt, unser Leben wird strukturiert, eingeteilt in Wochen, Monate und Jahre. Diese immanente Zeitstruktur wurde uns als Menschen von Gott mitgegeben, sie gehört zu unserem Menschsein, unserer Ebenbildlichkeit dazu. Wird diese in uns wohnende Struktur verletzt, schadet das unserer Gesundheit, unserem sozialen Leben, unserem Bedürfnis nach Kontemplation, das Leben würde schal und inhaltsleer. Noch ist es nicht soweit, noch sind Sonntage und Feiertage die Ruhetage in der arbeitsamen Woche. Wir Christinnen und Christen sind gemeinsam mit den Gewerkschaften aufgerufen, am Sonntag Rogate, am Tag der Arbeit, für den Erhalt des festen Ruhetages in der Woche, für den freien Sonntag zu beten. Denn der Sonntag ist ein Geschenk des Himmels. Diesen Tag aufzugeben, käme dem Ausschlagen eines wunderbaren Geschenkes gleich.


Ihr Gebet

 
Gebet

Himmlischer Vater,
du hast uns den Sonntag geschenkt,
als Tag der Ruhe, der Entspannung,
des Miteinanders und des Gebets.
Dafür danken wir dir.
Heilige diesen Tag immer wieder aufs Neue,
damit dieses Geschenk niemals verloren geht.
Amen.