Christliche Themen für jede Altersgruppe

Stark durch die Krise

Was hilft Menschen, Lebenskrisen unbeschadet zu überstehen? Diese Frage erforscht die Diplom-Psychologin Donya Gilan am Deutschen Resilienz Zentrum in Mainz. Eine Erkenntnis ist: Resilienz kann man erlernen – aber eine Wunderwaffe ist sie nicht. Und: Die beste Lehrmeisterin in Sachen Widerstandsfähigkeit ist die Krise selbst. Ein Gespräch über Glückstagebücher, Rituale und Eigenlob von Susanne Schröder


Stark durch die Krise - Das Thema in unserem aktuellen Heft.

Frau Gilan, was versteht man unter Resilienz?

Gilan: Der Begriff kommt aus der Materialkunde und beschreibt das Phänomen, dass Stoffe nach einer Verformung wieder in ihre Ausgangslage zurückkehren können. In der Psychologie und Medizin versteht man unter Resilienz die »seelische Widerstandskraft«. Der Begriff bezeichnet die Fähigkeit, dass Menschen ihre psychische Gesundheit trotz widriger Lebensumstände aufrechterhalten oder sie nach einer Krise zurückgewinnen. Die heutige Resilienzforschung ist das Resultat eines Paradigmenwechsels: Lange Zeit lag der Fokus auf der Ursachenforschung und Behandlung von bestehenden Krankheiten. 1978 verabschiedete die Weltgesundheitsorganisation die Deklaration »Health for all«, ein Jahr später entwarf der Medizinsoziologe Aaron Antonovsky sein Konzept der Salutogenese. Beides leitete einen Perspektivwechsel in der Medizin ein: Statt nur die Pathogenese – also die Frage, was den Menschen krank macht – ins Zentrum zu stellen, konzentrierte man sich stärker auf die Frage, was gesund hält.

Ist seelische Widerstandskraft angeboren, oder kann der Einzelne Resilienz auch erlernen?

Gilan: Die Kunst der Krisenbewältigung ist eine sehr individuelle Angelegenheit. Sie hängt von vielen Faktoren ab: Familiäre Erfahrungen gehören dazu, Freunde, Gene, Werte, Glaubensvorstellungen und die konkrete Lebenssituation. Ein Patentrezept für Resilienz gibt es also nicht. Aber wir haben Hinweise darauf, dass die Resilienz eines Menschen formbar ist. Sicherlich gibt es Menschen, denen es aufgrund ihrer genetischen Veranlagung leichter fällt, optimistisch in die Zukunft zu blicken. Die gute Nachricht für alle ist aber: Resilienz ist erlernbar. Sie entsteht durch Interaktion mit der Umwelt im wirklichen Leben, Tag für Tag. Wie reagiere ich bei Stress und in Krisen? Wie kann ich trotz großer Belastung meine Emotionen steuern? Wie bewerte ich alltägliche Stresssituationen, Misserfolge, aber auch Erfolge? Selbstwirksamkeit, Emotionsregulation und Bewältigungsstrategien sind keine Mechanismen, die man von heute auf morgen erlernt – es geht hier um einen lebenslangen Lernprozess. Noch eine gute Nachricht: Resilienz ist nicht die Ausnahme, sondern die Regel! Wir kommen alle ständig mit kleineren oder größeren Krisen zurecht.

Das vollständige Interview mit Diplom-Psychologin Donya Gilan finden Sie in unserem aktuellen THEMA Heft "Die kraft der Seele - Was uns fürs Leben stark macht".