Christliche Themen für jede Altersgruppe

Stress lass nach!

Der Druck in Schule und Arbeitswelt hat in den letzten zehn Jahren messbar zugenommen. Immer mehr Berufstätige fehlen aufgrund psychischer Erkrankungen – auch Azubis sind stark betroffen. Das Trainingsprogramm »Stark« will Schülerinnen und Schülern Strategien vermitteln, wie sie mit Stress und Leistungsdruck besser umgehen können. Von Katharina Hamel


Verona ist unzufrieden. Mit Fragebögen und in Gruppenarbeit hat sie in der letzten halben Stunde herausgearbeitet, dass sie zwar sehr hilfsbereit ist. Aber: »Meine Hilfsbereitschaft hat mir eigentlich nie genützt«, klagt die Auszubildende nun im Stuhlkreis ihren zehn Mitschülerinnen an der Berufsschule Fürstenfeldbruck. Zusammen mit Schulpsychologin Irene Timm überlegen die Schülerinnen der Gesundheitsklasse, warum Hilfsbereitschaft trotzdem eine positive Eigenschaft ist und wie Verona sie besser einsetzen könnte.

Unbemerkte Stärken entdecken und Selbstbewusstsein tanken – das ist ein Ziel des Trainingsprogramms »Stark« der Schulewirtschaft Akademie im Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft. In insgesamt sechs Doppelstunden sollen Schülerinnen und Schüler über das Schuljahr verteilt lernen, wie sie mit Stress umgehen, sich selbst einschätzen und ihre Zeit besser einteilen. 

Seit 2016 können sich Lehrer, Sozialarbeiter und Psychologen in München schulen lassen und das Präventionsprogramm an die Berufsschulen, Mittelschulen und Gymnasien im ganzen Freistaat weitertragen. Pädagogen von mehr als 120 bayerischen Schulen haben die ein- bis zweitägige Fortbildung den Angaben zufolge bereits besucht.

Julia versucht ihre Klassenkameradin aufzumuntern: »Viele zeigen ihre Dankbarkeit nicht, freuen sich aber trotzdem über Hilfe.« Aber auch die angehende Medizinische Fachangestellte findet: »Stärken sind viel schwieriger zu beschreiben als die eigenen Schwächen.« 

Bianca hat es bei dieser Übung leichter. Sie hat herausgefunden, dass sie besonders ihre Offenherzigkeit auszeichnet. Dadurch falle es ihr leicht, neue Freunde zu finden und in der Arztpraxis mit den Patienten in Kontakt zu treten, erklärt sie.

Die Themen Stressbewältigung und gesunde Psyche sind laut Projektleiterin Christine Ringhoff von der Schulewirtschaft Akademie brandaktuell – und zwar schon bei jungen Leuten. Lernstress, Streit mit den Eltern, hohe Erwartungen von Vorgesetzten und Lehrern: Die Anforderungen an junge Menschen in Schule

und Ausbildung sind hoch. Im Beruf steigt die Belastung sogar noch: Der digitale Wandel erfordert viel Flexibilität, weil sich Arbeitsprozesse ständig verändern. Mit neuen Technologien verschmelzen Berufliches und Privates zunehmend. Und infolge des Fachkräftemangels muss ein Angestellter immer mehr Tätigkeiten ausüben.

Während manche Jugendliche mit dem Druck klarkommen, halten andere ihm nicht so gut stand. Im Gesundheitsreport 2017 der Techniker Krankenkasse heißt es, Azubis seien zwar viel kürzer, aber fast doppelt so oft krankgeschrieben wie ihre Kollegen. 

Die Fehlzeiten von Arbeitnehmern aufgrund psychischer Erkrankungen seien zudem zwischen 2006 und 2016 in allen Altersgruppen deutlich gestiegen – unter Auszubildenden jedoch um rund 100 Prozent, erklärt Ringhoff. Umso wichtiger sei es, schon in jungen Jahren Methoden zu lernen, mit schwierigen Situationen klarzukommen.

Mehr dazu finden Sie in unserem aktuellen THEMA Heft "Die kraft der Seele - Was uns fürs Leben stark macht".

 

Meinungsumfrage

Wollen Sie die Sommer- oder die Winterzeit behalten, wenn es keine Zeitumstellung mehr gibt?

Ergebnis anzeigen