Christliche Themen für jede Altersgruppe

Ein Lächeln schenken - Smileys auf Baumstämmen und Holz

FREUDENSTADT/BAIERSBRONN – Smileys auf Baumstämmen und Holz- scheiben, mitten im Wald oder am Straßenrand, sind stille Aufmunterer – gerade jetzt, in der Corona-Krise.

Smileys aus der Werktstatt von Karin Raisch. Foto: Bärbel Altendorf-JehleSmileys aus der Werktstatt von Karin Raisch. Foto: Bärbel Altendorf-Jehle

Erst traten sie vereinzelt am Straßenrand von Musbach, Kälberbronn bis hinunter nach Klosterreichen-bach auf oder begegneten einem beim Waldspaziergang: Smileys, lachende Gesichter auf runden Holzscheiben. Dann wurden es immer mehr.

Seit 2018 wurde gerätselt, wer wohl dahintersteckt. Jetzt hat Karin Raisch, Vorsitzende des Sportver-eins Musbach und Sängerin im Shalomchor der evangelischen Kirche in Pfalzgrafenweiler, das Geheim-nis gelüftet und sich als Künstlerin zu erkennen gegeben.

Ihre Kunstaktion hatte einen traurigen Auslöser. In ihrem Wohnort Kälberbronn waren kurz hinter-einander zwei junge Frauen gestorben. „Irgendwie war der ganze Ort in Trauer und Hoffnungslosigkeit verfallen“, sagt Karin Raisch. Dem wollte sie ein hoffnungsvolles Lächeln entgegensetzten.

Die 52-Jährige liebt die Natur, läuft regelmäßig weite Strecken im Wald ab, sammelt Müll auf, den andere achtlos wegwerfen, und setzt mit ihren Smileys Zeichen. Die Scheiben sind dick und manchmal schwer, so fährt sie ab und an mit dem Auto in den Wald, um sie an einem Wanderweg abzusetzen. Einmal erwischte sie dabei der Förster. „Das war mir schon peinlich“, sagt Raisch. Aber der Förster fand die Idee mit den Smileys gut und drückte beide Augen zu. Denn so ganz legal ist die Sache nicht. Karin Raisch war diesbezüglich schon bei den Ordnungsämtern und der Forstverwaltung. Das Problem wird in keinem Gesetz behandelt. „Klar, ich hole Holzscheiben aus dem Wald, das ist eigentlich verboten“, sagt Karin Raisch. „Aber ich bringe sie, wenn auch an anderer Stelle und leicht verändert, ja wieder zurück.“ Das leuchtete auch den Entscheidungsträgern ein, und so darf Raisch weiter wichteln.

Freudenstadt/Baiersbronn: Karin Baisch in ihrer Werkstatt. Foto: Bärbel Altendorf-JehleUmgekehrt hatte sie Probleme mit einem Zeitgenossen, der die Smileys umstieß, ins Gebüsch warf oder entwendete. Von Nachbarn erfuhr Karin Raisch von einem weißen Auto mit Calwer Kennzeichen, das immer wieder gesichtet wurde. Sie entdeckte das Auto, fuhr ihm unerschrocken auch im Wald nach und erwischte den Mann, der Kind und Frau im Auto sitzen hatte, auf frischer Tat. Er redete sich heraus, sie konnte nichts ausrichten.

Daraufhin bat sie einen befreundeten Polizeibeamten um Rat. Doch auch dieses „Delikt“ ist neu. Es ist grundsätzlich nicht verboten, im Wald Holzscheiben, die jemand hingestellt hat, um- oder wegzuwerfen. Der Polizist half aber ganz unbürokratisch, rief den Mann an und redete ihm ins Gewissen. Seitdem ist Ruhe.

Karin Raisch hat mittlerweile ihre künstlerische Ader entdeckt. Sie sammelt nun auch Äste aus dem Wald und verkeilt sie so ineinander, dass kleine Tipis, also Zelte, entstehen: „Sieht doch schöner aus, als wenn die Äste einfach so auf dem Boden liegen.“

Freudenstadt/Baiersbronn: Karin Baisch in ihrer
Werkstatt.
Foto: Bärbel Altendorf-Jehle

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Ev. Gemeindeblatt 14/2020 | Von Nicole Marten

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