Christliche Themen für jede Altersgruppe

Eine Kirche der armen Leute - Stadtkirche St. Veit in Waldenbuch

Eine Führung durch die örtliche Kirche gehört zu jedem Glaubensweg. Für den Digitalen Glaubensweg ließ sich ein Team des Evangelischen Medienhauses von Pfarrer i. R. Siegfried Schulz die Geheimnisse der Stadtkirche St. Veit zeigen.

Die Stadtkirche St. Veit ist der Blickfang am Ort. Foto: Dieter Skubski Die Stadtkirche St. Veit ist der Blickfang am Ort. Foto: Dieter Skubski

Warum befindet sich am südwestlichen Eck des Kirchenschiffs der Stadtkirche St. Veit kein rechter Winkel? Wieso hat die Empore keine Stützen von unten? Und was hat es mit dem Handlauf auf sich, der nicht so recht zum Rest der Kanzel zu passen scheint?

Die Waldenbucher Stadtkirche wirft Fragen auf. Fragen, die Siegfried Schulz, Pfarrer und Studiendirektor im Ruhestand, in seinen Kirchenführungen beantwortet – oder zu denen er wenigstens Vermutungen äußert. Normalerweise führt Schulz dabei eine Gruppe um und durch die Kirche und geht an Ort und Stelle auf die Geheimnisse des Kirchengebäudes ein.

An diesem Montag im Juli allerdings spricht Schulz in der Kirche zur Kamera, das Publikum besteht aus einem kleinen Team des Evangelischen Medienhauses und des Evangelischen Gemeindeblatts. Aus den Erläuterungen von Schulz schneiden sie später kurze Videos, die beim Digitalen Glaubensweg des Gemeindeblatts zusammen mit großformatigen Fotos der Kirche und Hörbeispielen von Orgel und Glocken eine multimediale Kirchenführung ergeben sollen. Für alle, die sich als Teil des Glaubenswegs von zuhause aus die Waldenbucher Stadtkirche ansehen wollen.

Stadtkirche St. Veit - Ostgiebel als Zeichen der Herrschaft

Zu verschiedenen Themen gibt Schulz in den Videos Erläuterungen ab. Da geht es zum einen um den Ostgiebel – unbestritten der prachtvollste Teil der Waldenbucher Stadtkirche. „Da flippen Kunsthistoriker aus, wenn Sie den Renaissance-Giebel sehen“, sagt Schulz. Er erzählt, dass Herzog Friedrich von Württemberg – häufig im benachbarten Schloss zugegen – die Kirche zwischen 1605 und 1607 errichten ließ. In diesem Zeitalter der Gegenreformation wollte der Herzog mit dem Ostgiebel offenbar zeigen, dass auch eine protestantische Kirche eine prunkvolle Fassade haben kann.

Während hier Pracht vorherrscht, wirken manche Stellen im Inneren erstaunlich lieblos. Dies zeige, dass die Waldenbucher Kirche auch „eine Kirche der armen Leute“ gewesen sei, sagt Schulz. In vielen Fällen hätten die Menschen damals zum Bau eben genommen, was verfügbar war. So besteht der Handlauf zur Kanzel aus einem bearbeiteten Stein, der wohl irgendwo gefunden wurde. Auch an den Brüstungen der Emporen wurde nicht immer sauber gearbeitet. Und die Bilder in der Kirche sind so versteckt, dass sie vielen gar nicht auffallen.

Neben diesen „Lieblosigkeiten“ aber stehen die architektonischen Höhepunkte der Waldenbucher Stadtkirche St. Veit. Allen voran der Dachstuhl, den der Baumeister Elias Gunzenhäuser entworfen hat. Die beeindruckende Konstruktion diente nicht nur dazu, Getreide aufzubewahren, sondern sie hält bis heute die oberen Emporen der Stadtkirche. Daher haben diese keine Stützen von unten.

„Es gibt noch mehr Geheimnisse“, sagt Siegfried Schulz am Ende eines Videos. Sie werden teils gelüftet beim Digitalen Glaubensweg – darunter auch das eingangs genannte Geheimnis des fehlenden rechten Winkels.

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◼ Eine Führung zum Dachstuhl der Stadtkirche St. Veit mit Siegfried Schulz und dem Gunzenhäuser-Experten Nikolai Ziegler gibt es am 26. September, 15 Uhr.

Anmeldung unter Telefon 07157-20304.

 

 

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