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Hoffnung, trotz allem - Predigt gegen den Krieg

Der Erzbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Russland, Dietrich Brauer, ist mit seiner Familie nach Württemberg geflohen. Zuvor hatte der 39-Jährige in Moskau eine Predigt gegen den Krieg gehalten. In Deutschland äußerte er sich unter anderem im ZDF-Fernsehgottesdienst.

Dietrich Brauer am 18. März beim Friedensgebet im Berliner Dom. Foto: epd-bild/ Christian DitschDietrich Brauer am 18. März beim Friedensgebet im Berliner Dom. Foto: epd-bild/ Christian Ditsch

Der lutherische Bischof Dietrich Brauer aus Russland will die Hoffnung auf Frieden im Ukrainekrieg trotz seiner eigenen Flucht nicht aufgeben. Ihm mache Mut, dass die Menschen sagten, der Hass dürfe nicht herrschen. Dafür sei er dankbar, sagt er in einem Interview für die Internetseite der Evangelischen Landeskirche in Württemberg (www.elk-wue.de).

Dietrich Brauer (39) ist seit 2011 Bischof der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland (ELKER) und seit 2014 Erzbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Russland (ELKR). Der russische Theologe hatte Verantwortung für 170 Kirchengemeinden und 50 Pfarrerinnen und Pfarrer.

In seiner Predigt am 27. Februar in der lutherischen Kathedrale in Moskau über Markus 8,31-38 hatte Brauer über die Ohnmacht der Menschen im Krieg gesprochen. „Ich war nicht politisch, aber ich war klar“, sagt er im Interview über diese Predigt. Wenige Tage später floh Brauer mit seiner Familie über Dubai nach Deutschland und ist in Württemberg untergekommen. Zuvor habe es „eine klare Forderung des Präsidialamtes“ an alle religiösen Führer in Russland gegeben, sich zu äußern und den Krieg zu unterstützen. „Die meisten haben es getan“, sagt Brauer. Er berichtet, dass die Kirchen in Russland nicht vom Krieg sprechen, nicht für den Frieden beten und keinen Kontakt zu ihren ukrainischen Gemeinden aufnehmen dürfen.

„Ich wünsche uns einen gerechten Frieden, den wir ernst meinen“, sagt Brauer im Interview. Aktuell sei das Leid der Menschen vorherrschend. „Für dieses Leid haben wir keine Worte. Das ist Passionsgeschichte“, sagt er. Und weiter: „Aber auch in dieser Hölle ist eine Hoffnung auf Frieden.“

Er fürchte allerdings die Folgen einer inneren Zerrissenheit von russischen und ukrainischen Menschen infolge der Fakten, die der Krieg schafft. „Russen und Ukrainer, verschiedene Konfessionen haben friedlich miteinander gelebt. Aber jetzt? Wenn sie die Toten sehen und Panzer. Was sollen sie denken?“, fragt der Bischof.

Auf die Frage, was andere Kirchen für die Menschen im Kriegsgebiet tun könnten, sagt er, er habe darauf im Augenblick keine passende Antwort. Er versuche, verschiedene Szenarien zu überlegen: „Sollte es noch schlimmer kommen, sollte ein größerer Krieg ausbrechen, müssen wir versuchen, Menschen zu evakuieren.“ Eine andere Möglichkeit sei, dass alles länger dauert. „Und das bedeutet, wir können keine Pläne machen.“

Brauer hat seit seiner Ankunft in Deutschland schon mehrere öffentliche Termine wahrgenommen, um sich für den Frieden zu engagieren. Am 18. März nahm er an einem ökumenischen Friedensgebet im Berliner Dom teil. Dort nannte er den Krieg in der Ukraine eine bittere Erfahrung: „Am 24. Februar sind wir in einer neuen Realität erwacht“, sagte Brauer mit Blick auf den Beginn des russischen Angriffs.

Außerdem beteiligte sich Brauer am 20. März am ZDF-Fernsehgottesdienst im hessischen Eltville-Erbach. In einer Fürbitte dort sagte er: „Herr, wir bitten Dich für die Menschen in der Ukraine. Aber auch in Russland, Weißrussland und anderen Staaten. Schütze uns und erlöse uns von der Macht des Bösen. Stärke diejenigen, die Leidenden, Fliehenden, Sterbenden helfen. Ermutige unsere Pastorinnen und Pastoren, Deine unmissverständliche Wahrheit zu bezeugen. Gib Kräfte, durch dieses finstre Tal zu gehen. Hab Erbarmen mit uns und tränke Du uns alle mit dem lebendigen Wasser deines Friedens.“

gb/epd

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