Christliche Themen für jede Altersgruppe

Vom Lehramt ins Pfarramt

Angehende Religionslehrer besuchen im Theologiestudium in Tübingen größtenteils die gleichen Veranstaltungen wie künftige Pfarrer. Da liegt es nahe, auch Lehramts-Absolventen den Zugang zum Vikariat zu ermöglichen. Lorenz Kohl ist diesen ungewöhnlichen Weg gegangen. Der 30-Jährige ist inzwischen Vikar in der Kirchengemeinde in Bönnigheim.

Lorenz Kohl gefällt das Vikariat in seiner Gemeinde in Bönnigheim. Foto: PrivatLorenz Kohl gefällt das Vikariat in seiner Gemeinde in Bönnigheim. Foto: Privat

Seine Entscheidung, Evangelische Religion und Geschichte auf Lehramt zu studieren, bereut Lorenz Kohl nicht: „Beide Fächer haben mir extrem viel Spaß gemacht“, sagt er. Auch wenn der 30-Jährige nun einen anderen Weg eingeschlagen hat. Statt Lehrer zu werden, ist Lorenz Kohl Vikar in Bönnigheim und bereitet sich auf den Pfarrberuf vor. Als Schüler hatte sich Lorenz Kohl sowohl für Geschichte als auch für Theologie begeistert. Dass er dann in Tübingen beide Fächer auf Lehramt studierte, war nur folgerichtig. Erste Zweifel am Lehrerberuf kamen ihm in seinem Praxissemester in einer Schule in Ulm im Winter 2013. Das habe ihm zwar schon Spaß gemacht, aber er hätte sich auch gefragt: „Will ich in diesem Beruf 30 Jahre immer jedes Jahr neu anfangen?“ Jedes Jahr wieder neu mit Klassen arbeiten? Als Pfarrer habe er das Unterrichten zwar auch, aber eben nicht nur. Es gebe „viel mehr unterschiedliche Aufgaben, mehr Dinge, in die man sich reindenken muss“.

Bis zu seiner endgültigen Entscheidung verging noch einige Zeit. Erst einmal standen für Lorenz Kohl andere Aufgaben im Vordergrund. Er war für ein Studienjahr in Rom und konzipierte danach für das Reformationsjubiläum in Ulm eine Ausstellung zum Thema „Religiöse Fluchtbewegungen“.

Zusätzlich Hebräisch lernen

Mitte 2017 entdeckte er dann einen Aushang im Evangelischen Stift in Tübingen. Darauf: Informationen für Lehramtsstudierende zu einer möglichen Aufnahme ins Vikariat. „Ich hatte ein Aufnahmegespräch beim Prüfungsamt. Dort wurde mir gesagt, was ich bis zu welchem Zeitpunkt liefern müsste, um Vikar werden zu können.“ Zugute kam ihm, dass beim Theologiestudium in Tübingen die Lehramtsstudenten die gleichen Prüfungsleistungen erbringen müssen wie die, die auf Pfarramt studieren. Ausnahme dabei sind Kurse in Homiletik, in der Predigtlehre.

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Als wichtigste zusätzliche Leistung musste Lorenz Kohl Hebräisch lernen, was er in einem achtwöchigen Ferienkurs im fränkischen Neuendettelsau tat. Außerdem musste er eine homiletische Arbeit schreiben und ein zusätzliches Seminar zum Alten Testament besuchen. Das tat er parallel zu seinem Lehramts-Examen. Denn das musste er in beiden Fächern – also auch in Geschichte – bestehen. Nur mit diesem vollständigen Abschluss konnte er dann Vikar werden.

Das Vikariat in Bönnigheim macht Lorenz Kohl Freude, auch der Austausch in seinem Vikarsjahrgang. Er hat nicht das Gefühl, dass ihm gegenüber anderen Vikaren etwas fehlt. Und es gibt natürlich einen Bereich, in dem er deutlich im Vorteil ist: „Auf jeden Fall im Schulunterricht. Ich war eben im Studium doch schon ein halbes Jahr in der Schule.“ Gerade in Corona-Zeiten, wo normales Unterrichten in der Schule selten möglich sei, komme ihm seine Erfahrung zugute.

So wenig, wie er seine Entscheidung für das Lehramts-Studium bereut, bereut Lorenz Kohl seine Entscheidung für den Pfarrdienst. Sollte er eines Tages doch voll zurück in die Schule wollen, könnte er das auch als Pfarrer tun. Und vielleicht ist die Schule dann ja ganz froh, zusätzlich einen studierten Geschichtslehrer zu bekommen.