Christliche Themen für jede Altersgruppe

Wo soll Kirche künftig stehen? - Das meinen die Bewerber

Viola Schrenk, Ernst-Wilhelm Gohl und Gottfried Heinzmann stellen sich am 17. März zur Wahl. Sie möchten Landesbischof oder Landesbischöfin werden. Erstmals ist dieses Amt in Württemberg auf zehn Jahre beschränkt. Was denken die drei darüber? Und wie wollen sie wahrgenommen werden?

 

Finden Sie die Amtszeit-Beschränkung gut? Wo soll die Landeskirche in zehn Jahren stehen?

Wie wollen Sie als Bischöfin oder Bischof von der Öffentlichkeit wahrgenommen werden?

 

 

Viola Schrenk:

Ich finde die Amtszeitbegrenzung gut. Sie nötigt zu zeitnaher selbstkritischer Reflexion der eigenen Arbeit und macht es leichter, den Platz auch wieder frei zu machen.

Zu meiner Vision von unserer Kirche in zehn Jahren gehört: Es ist attraktiv, in der Kirche mitarbeiten zu können – sowohl ehrenamtlich als auch hauptamtlich. Mitarbeitende werden geschätzt. Die Gemeinden haben sich stärker vernetzt. Das Gute und die Erfolge will man teilen: Kooperation statt Konkurrenz. Dazu gehört auch: Frauen und Männer leiten Kirche gemeinsam auf Augenhöhe. Die Bedeutung der Landeskirche in unserer Gesellschaft wurde durch konstruktives Mitwirken an aktuellen Fragen und Themen gestärkt.

Ich möchte als eine Landesbischöfin wahrgenommen werden, die den Blick sowohl auf die innerkirchlichen Belange richtet, als auch auf gesellschaftliche und globale Themen. Ich verstehe mich als Gesprächspartnerin – in Begegnungen vor Ort oder digital beziehungsweise medial. Als evangelische Christin mit Leitungsverantwortung spreche ich von der mutmachenden Hoffnung, die uns im Glauben gegeben ist. Damit verbindet sich auch die Aufgabe, an einem Zusammenleben mitzuwirken, das sich mehr und mehr solidarisch-sozial und ökologisch-nachhaltig versteht und entwickelt. Dafür stehe ich und möchte unseren kirchlichen Beitrag als wichtige Stimme im Zusammenspiel Vieler in unserer Gesellschaft zu Gehör bringen.

 

 

Ernst-Wilhelm Gohl:

Amtszeitbefristungen sind sinnvoll. Sie helfen Bilanz zu ziehen und zu schauen, ob man selbst noch an diesem Platz sein will. Das zeigen die Befristungen der Dekanatsstellen. Ich wünsche mir, dass in zehn Jahren die nötigen Entscheidungen in einem guten Miteinander getroffen und umgesetzt sind – auf allen Ebenen. Maßstab muss dabei sein, möglichst gute Rahmenbedingungen für die Weitergabe des Evangeliums zu schaffen. Dabei werden wir auch Fehler machen. Aber die Kirche wird bunter, beweglicher und hoffentlich fehlerfreundlicher sein. Nicht die Angst wird sie bestimmen, sondern die Freude, Dinge einfach auszuprobieren. Im Wissen, dass Gott „auch auf krummen Wegen gerade schreibt“.

Dass sich die Öffentlichkeit interessiert, ist eine Chance, die ich für die Kirche nutzen würde. Dabei muss auch die Dimension der weltweiten Kirche im Blick sein. Mir liegt am Dialog auf Augenhöhe. Zuhören ist dafür die Voraussetzung. Dies ermöglicht, dass auch Kritisches zur Sprache kommen kann und Lösungen gesucht werden können. In den Begegnungen möchte ich als Mensch kenntlich bleiben – mit meinen Fähigkeiten und meinen Grenzen, als einer, der sich nicht vorenthält und der dabei von Gottes Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit bewegt ist.

 

 

Gottfried Heinzmann:

Zum ersten Teil: ein klares Ja. Zur Kirche 2032 – ich hätte Lust, das in einem Strategieprozess zu erarbeiten. Meine Ideen, wie wir in zehn Jahren sind: Eine vom Evangelium begeisterte Kirche, die auf Jesus Christus ausgerichtet ist. Eine vitale Kirche, die relevant für die Lebensfragen der Menschen und der Gesellschaft ist. Eine diakonische Kirche, die durch ihre Angebote das Leben im Sozialraum mitgestaltet. Eine einfache Kirche mit schlanken Strukturen und einem konzentrierten Immobilienbestand. Eine nachhaltige Kirche, die glaubwürdig für Klimaschutz einsteht. Eine innovative Kirche, die durch neue, auch digitale, Ausdrucksformen die kirchlichen Angebote in der Fläche ergänzt.

Als Bischof, der nahbar ist, aufmerksam zuhört und Menschen wahrnimmt. Als Bischof, dem man abspürt, dass der Glaube an Jesus Christus für ihn persönlich wichtig ist, der diesen Glauben begeistert und authentisch lebt. Als Bischof, der auf Ergänzung und Unterstützung angewiesen ist und Leitung als gemeinsame Aufgabe versteht. Als Bischof, der Fehler machen und zu diesen Fehlern stehen kann. Als Bischof, der Probleme nicht aufschiebt, sondern konsequent einer Lösung zuführt. Als Bischof, der mit anderen die Landeskirche durch Veränderungen und Krisen hindurch geistlich leitet. Als Bischof, der seinen Teil dazu beiträgt, dass Kirche mutig und zuversichtlich in die Zukunft geht.

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