Christliche Themen für jede Altersgruppe

Abgelegen? Von wegen!

Die kleine Gemeinde Dapfen auf der Schwäbischen Alb begrüßt Jahr für Jahr Tausende Besucher auf dem Dapfener Eiermarkt, bei Kunstausstellungen und beim Weihnachtsspiel. Heiko Schwöbel befragt das Pfarrer-Ehepaar Bogner-Kühnle nach dem Grund für die Attraktivität der Gemeinde. Das Geheimnis: Nicht der Ort, die Menschen machen das Besondere!

Bild: privat/ Gemeinde Dapfen

Dapfen? Nie gehört! Doch kaum zu glauben: Zweimal im Jahr wird Dapfen auf der Schwäbischen Alb zum Zentrum Tausender gläubiger Menschen aus ganz Europa. Die Gemeinde mit gerade einmal 460 Einwohnern wird zur Osterzeit von über 5 000 Menschen besucht. Und nicht nur das: Die Weihnachtsgeschichte erleben Jahr für Jahr 2 000 Besucher aus der Region. Es könnten aber gut und gerne doppelt so viele sein. Nur: Der beschränkte Platz und die Zeit der Akteure lassen größere Besucherzahlen nicht zu. Nach dem Erfolgsrezept für diese  Region abseits der großen Städte und Zentren gefragt, antwortet Ursula Bogner-Kühnle schlicht: „Es sind die Menschen, die das Besondere machen – nicht die Umgebung!“

460 Einwohner – 40 Vereine

Basis für die positive Wirkung von Menschen auf ihre Umgebung ist die Freude und Verantwortung für andere, für sich und ihre Umgebung. Die Dapfener zeigen diese Freude in besonderer Weise. Sie sind in fast 40 Vereinen aktiv. Rechnerisch ist damit jeder Erwachsene in mindestens zehn Vereinen Mitglied. Auch in kirchlichen Angelegenheiten arbeiten die Dapfener eng und vertrauensvoll zusammen. Die Arbeit von Gläubigen der katholischen wie evangelischen Kirche wird bisweilen gegenseitig oder gemeinsam übernommen. Auch die Gottesdienste werden gegenseitig besucht. Pfarrer Kühnle ist davon überzeugt: „Ökumene wird an der Basis erlebt und gelebt. Sie wirkt in den Kirchen von unten nach oben und ganz nah am Menschen und seinen alltäglichen Gegebenheiten.“

10 000 Eier für den Ostermarkt

In Dapfen und Umgebung werden von den Eierfrauen für den Eiermarkt 2013 fast 10 000  Wachtel-, Hühner-, Enten-, Puten- und Gänseeier ausgeblasen, bemalt, marmoriert, beschriftet, geschmückt oder zu Kränzen zusammengefügt. Das Ergebnis sind unter anderem Aquarelleier mit Kirchen-, Blumen-, Tier- und Naturmotiven. Es gibt auch Sprucheier mit Losungen und Bibelversen. Das Besondere aber sind die Dapfener Brauchtumseier: Sie werden mit einer persönlichen Widmung versehen. Die Eierfrauen in Dapfen sind das ganze Jahr damit beschäftigt, diese kleinen Kunstwerke herzustellen. Die Pfarrersfrau übrigens auch: Ursula Bogner-Kühnle ist fast jeden Tag mit der Beschriftung und Verzierung von Eiern beschäftigt.

Der Lohn der Mühe: Die Besucher des Marktes sind begeistert. Denn seit nun mehr 21 Jahren findet dieser Ostereiermarkt statt. Und jedes Jahr kommen mehr Besucher. Die Mund-zu-Mund-Propaganda funktioniert. Die Eier sind nicht nur auf der Schwäbischen Alb beliebt und begehrt. Inzwischen werden sie bis nach Vietnam und China versendet. Der Dapfener Ostereiermarkt ist aber nicht nur Magnet und Anlass, dass sich Menschen mit dem Glauben und christlichen Fragestellungen beschäftigen. Er ist auch finanziell für die kleine Gemeinde außerordentlich erfolgreich geworden. Aus diesen Aktivitäten der Dapfener stehen der Gemeinde jedes Jahr über 27 000 Euro für die Mission und Seelsorge zusätzlich zur Verfügung – gewiss kein Pappenstiel. Der Kreis ist geschlossen: Engagement der Gemeinde lohnt. Und der Lohn kommt Bedürftigen in Mission und Seelsorge zugute.

Ausstellung: Kreuzweg-Erfahrungen

Die Martinskirche Dapfen ist fünf bis sechs Mal im Jahr Ort von Ausstellungen regionaler Künstler. Sie werden regelmäßig mit einem „Vernissagen -Gottesdienst“ eröffnet und können dann im Anschluss über fünf bis sechs Wochen in der Kirche betrachtet werden. Das Besondere hierbei ist, dass die Martinskirche jeden Tag von früh bis spät den Besuchern offen steht. Die Gemeinde schafft es so, Menschen anzusprechen, die sonst vielleicht nicht in die Kirche kommen würden. „Mir ist es wichtig, dass die Dapfener Kirche jeden Tag geöffnet ist“, sagt Pfarrer Kühnle. „Denn nur so kann Kirche als Ort des Lebens auch wirklich wahrgenommen werden.“ Besonders in der Osterzeit ist die Dapfener Kirche mit Leben erfüllt. Warum? In der Kirche wird der Wasseralfinger Kreuzweg von Sieger Köder gezeigt. Der katholische Priester hat auf besonders eindrucksvolle Weise 14 Bilder zu den Stationen des Kreuzwegs gemalt. Zu einem unvergesslichen und bewegenden Erlebnis und zur Begegnung mit Gott wird dieser Kreuzweg, wenn das Pfarrerspaar Besucher durch diesen Bilderreigen führt. Inzwischen kommen über die Hälfte der Besucher zum wiederholten Male. Sie entdecken immer wieder neue Aspekte in Glaubensfragen und sagen Sätze wie: „Es tut mir gut und wird mir immer wieder gut tun, den Weg Jesu zu betrachten und zu spüren.“ Aber nicht nur Gläubige lassen sich von diesen Bildern bewegen. Auch kirchenferne Menschen finden mit diesen Bildern und Erläuterungen einen Weg, Glauben besser zu verstehen. Über 100 Führungen begleiten Bogner-Kühnles jedes Ostern. „Sie sind eine Hilfe, mit den Menschen in Kontakt zu kommen und über den Glauben zu reden“, sagt Bogner-Kühnle.

Lebendige Bilder zur Weihnacht

Nur am dritten Advent steht die Martinskirche in Dapfen nicht im Mittelpunkt der Gemeinde. Die Gemeinde Dapfen zieht dann für einen Tag in die große Reithalle des Landgestüts Marbach um. Mit über 200 Aktiven aus Dapfen und Umgebung verwandelt sie die Halle in den Ort, an dem Jesu geboren wird. Fast 2 000 Besucher erleben in zwei Vorstellungen das Krippenspiel. Tänzer und Reiter, Hirten und Flötisten sowie ein Pianist verzaubern das Publikum. Ursula Bogner-Kühnle liest die Bibeltexte zur Weihnachtsgeschichte. Und Pater Anselm Grün spricht Engel-Meditationen. Wie in den Jahren zuvor wollten auch beim letzen Weihnachtsspiel noch viel mehr Menschen diese Feierstunden erleben, als in die Halle passten. Sie müssen sich auf das kommende Weihnachten vertrösten. „Möglich sind diese Veranstaltungen nur durch das enorme persönliche Engagement aller beteiligten Menschen und durch die großzügige und private Unterstützung in der Licht- und Ton-Technik“ sagt Ursula Bogner-Kühnle. Nicht nur für sie, sondern für alle Dapfener eine wunderbare Gelegenheit, das Evangelium einem breiten Publikum zugänglich zu machen.