Christliche Themen für jede Altersgruppe

Der Traum vom Ironman - Lehrer für Religion und Sport

TÜBINGEN/EFFRINGEN – Samuel Böttinger hat ein ungewöhnliches Hobby: Er ist Triathlon-Profi. Der 27-Jährige möchte junge Menschen davon überzeugen, dass es sich lohnt gesund zu leben und Sport zu treiben. Innerlich stark macht ihn dabei auch der Glaube, sodass es kaum verwundert, welche Fächer der künftige Lehrer einmal unterrichten will: Religion und Sport.

Sehr sportlich unterwegs: Samuel Böttinger ist Triathlon- Profi und traniert über 20 Stunden in der Woche.Foto: Max Morlock, Christina Morlock Sehr sportlich unterwegs: Samuel Böttinger ist Triathlon- Profi und traniert über 20 Stunden in der Woche.Foto: Max Morlock, Christina Morlock

Die letzten fünf Kilometer tun meist richtig weh“, sagt Samuel Böttinger. Kein Wunder, denn dann hat er schon 1900 Meter Schwimmen, 90 Kilometer Radfahren und das Gros der 21,1 Kilometer Laufen hinter sich. Der 27-Jährige ist Leistungssportler und auf die Mittelstrecke im Triathlon, ein Rennen mit drei Disziplinen, spezialisiert. Die Langstrecke, das bekannteste Rennen, der Ironman auf Hawaii, ist doppelt so lang.

Neulich war er bei der Kirchengemeinde in Effringen zu Gast. Interessierte Gemeindemitglieder und Gäste konnten zusammen mit Samuel Böttinger zu Fuß und per Rad ihre Runden drehen. Dabei ging es nicht um herausragende Zeiten, sondern um den Spaß, denn alle wären gegen den Profi chancenlos gewesen. „Es gefällt mir einfach, junge Leute zu motivieren, gesund zu leben“, erläutert er seinen Antrieb. Ihm geht es darum, den Sport in den Alltag zu integrieren. Da können Jugendliche mit dem Fahrrad zur Schule fahren oder vor der Klassenarbeit, sofern die Zeit dafür da, eine Runde joggen, um den Kopf freizubekommen.

Der Glaube ist seineGrundlage

Vielleicht hilft es ja, wenn man sich an Vorbildern orientieren kann. Zur Kirche hat Samuel Böttinger ein enges Verhältnis, ist er doch in Hirsau und in Neuhengstett aufgewachsen und hatte dort intensiven Kontakt zur Jugendkirche Choy in Althengstett. Auch bei Kinder- und Jugendfreizeiten des Evangelischen Jugendwerks in Neuweiler-Breitenberg oder am Lago Maggiore war er als Mitarbeiter dabei. In diesem Sommer leitet er eine Studentenfreizeit der Studentenmission Deutschland (SMD) in Norwegen. Training für den Ironman. Foto: Max Morlock, Christina MorlockFoto: Max Morlock, Christina Morlock

Neben seiner Profikarriere ist der 27-Jährige glücklich verheiratet mit Sophia und Vater des ein Jahr alten Elia. Die kirchliche Trauung soll, Corona geschuldet, nun endlich im September stattfinden. Außerdem studiert er noch Theologie und Sport fürs Lehramt. Er wohnt mit seiner kleinen Familie, Sophia studiert auch noch, im Evangelischen Stift in Tübingen.

Auch daran lässt sich die Verbundenheit zu seiner Kirche erkennen. „Ich genieße es“, beschreibt er, „gerade beim Fahrradtraining 100 Kilometer durch Gottes schöne Schöpfung zu fahren.“ Für ihn hat der Glaube als Profisportler drei wichtige Komponenten: Mut, Freude und Dankbarkeit. Mut gehöre dazu, im Rennen auch etwas zu riskieren. Freude müsse man an dem haben, was man tut. Und Dankbarkeit empfinde er, weil es ein Privileg sei, Sport auf diesem Niveau treiben zu können. Seine Familie, seine Frau, seine Eltern und Großeltern unterstützten ihn dabei sehr.

Wer allerdings denkt, dass man mit Profisport im Triathlon reich werden kann, liegt völlig falsch. Die Profilizenz, die Böttinger beantragen musste, besagt im Moment nur, dass er in „einer anderen Liga“ startet. „Ich bin bei der Nationalen Antidoping Agentur gelistet, und kann jederzeit, auch im Training, zum Dopingtest aufgefordert werden.“ Das kann einem Freizeitsportler natürlich nicht passieren. Zur Zeit trainiert er 20 bis 25 Stunden wöchentlich, um sich weiter zu verbessern. 2018 war er deutscher Meister in der Altersklasse der 18- bis 24-Jährigen, was ihn dazu bewogen hatte, ins Profilager zu wechseln.

Sport hat er eigentlich schon immer gemacht, zuerst Fußball und Leichtathlethik. Er hat dann während seiner Zimmermannslehre in Österreich zwei Triathlethen kennengelernt, mit denen er trainieren konnte. Auch mental muss man topfit sein, um ein Rennen durchzuhalten. „Da trennt sich ganz schnell die Spreu vom Weizen“ ist sich Böttinger sicher. Zur Weltspitze fehlt ihm allerdings auch noch etwas, aktuell ist er eine Viertelstunde zu langsam.

„Mein großes Ziel ist, irgendwann einmal am Ironman auf Hawaii teilzunehmen“, erklärt er mit einem Lächeln. Denn Ausdauersportarten wie Triathlon kann man, entsprechende Kondition vorausgesetzt, bis ins hohe Alter praktizieren. Er will noch ein paar Jahre auf der Mittelstrecke laufen, um dann auf die Langstrecke, also die doppelte Distanz, zu wechseln. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg, aber zutrauen kann man es ihm schon.

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Ev. Gemeindeblatt 33/2022 |Von Peter Heinrich