Christliche Themen für jede Altersgruppe

Eine Stunde, vier geheime Orte

TÜBINGEN – Der Treffpunkt der „secret places“ bleibt bis kurz vor Beginn geheim. Aber wenn er ver­öffentlich ist, erleben junge Erwachsene an einem außergewöhnlichen Ort eine gute Zeit mit Impuls, Musik und Gemeinschaft. Der CVJM Tübingen hat mit diesem Format großen Erfolg. 

Der Musiker Jonnes aus Ludwigsburg spilet in der Lagerhalle der Dachdeckerei Peetz, rund 50 junge Erwachsene hören zu. (Foto: Kety Quadrino)

Erst zwei Stunden bevor die Veranstaltung losgeht, erfährt Markus Schwarz über eine Nachricht auf seinem Handy, wohin er muss. Bis dahin weiß er zwar, an welchen Tagen das besondere Ereignis „secret places – geheime Orte“ des CVJM Tübingens stattfindet. Die vier Termine donnerstags um 21 Uhr speichert er sich sofort im Kalender ab.

Er weiß jedoch weder den Ort, noch wer den Vortrag hält, oder die Livemusik macht. Und genau das ist für Markus Schwarz das Spannende an diesem Konzept des CVJM Tübingen für junge Erwachsene. „Es ist geheimnisvoll, man trifft Menschen an ungewöhnlichen Orten, hört tolle Livemusik, spannende Vorträge, und nach einer Stunde ist alles wieder vorbei“, erklärt er.

Sucht man im Netz nach diesem neuartigen Format der kirchlichen Jugendarbeit, so finden sich schon einige Gemeinden: Auch in Esslingen, Herrenberg oder Tuttlingen gibt es „secret places“. „Wir haben nach einem neuen Konzept für die Altersgruppe zwischen 18 und 35 Jahren gesucht“, erklärt Cyrill Schwarz, leitender Jugendreferent des CVJM Tübingens. Es gebe viel Angebote für Kinder und Jugendliche, aber kaum etwas für junge Erwachsene. „Das evangelische Jugendwerk hatte die Idee“, erzählt er. Und der Erfolg des neuen Formats gibt ihm recht. „Secret places“ hat in Tübingen bereits die dritte Staffel hinter sich. Bis zu 60 Menschen an einem Abend haben sich bisher an nicht öffentlichen Orten wie dem Sarglager eines Bestattungsinstituts, in der Tübinger Güterbahnhofshalle, im Gemeinschaftskraftwerk der Stadtwerke oder im Rektorat des Kepler-Gymnasiums getroffen.
Eine ortskundige Person erzählt etwas über die Historie des Gebäudes oder über seine Arbeit dort. Und dann tritt jeweils noch ein Sprecher auf, der thematisch zum Ort passend einen kurzen Vortrag hält, der zum Nachdenken inspiriert. Alles untermalt mit Livemusik. Alles in einer Stunde.

Markus Schwarz bekommt eine WhatsApp-Nachricht. Er soll um 21 Uhr in die Lagerhalle der Tübinger Dachdeckerfirma Peetz kommen. Rund 50 Besucher finden den Weg an diesem Abend dorthin. Sie sitzen auf Hockern zwischen Kreissägen, Firmenlaster und Holzbalken. Es gibt Fritz-Kola und Chips, Ikea-Stehlampen sorgen für schummrig-gemütliche Atmosphäre. Der Junior-Chef und Dachdeckermeister des Unternehmens erzählt von sich und seiner Firma. Theo Eißler von der Tübinger Kommunikations-Agentur „Bär Tiger Wolf“ hält mit Bezug zum Thema „Holz“ eine Rede über Freundschaft. Und der Musiker Jonnes aus Ludwigsburg spielt mit seiner Gitarre deutsche Popmusik. In dieser ganzen Stunde fällt nur ein Mal das Wort „Jesus“. „Es soll keine klassische kirchliche Veranstaltung sein, sondern eine musik-kulturelle mit Inhalt“, erklärt Jugendreferent Cyrill Schwarz.
Genau das findet eine Tübinger Studentin „cool“. „Es ist auf neutralem Boden, die Hemmschwelle zu kommen ist dadurch niedrig“, sagt die 23-Jährige. „Ich könnte hierher guten Gewissens auch Mitbewohner mitnehmen, ohne das Gefühl zu haben, ihnen die Bibel übern Kopf zu ziehen“, sagt sie. Auch eine 28-Jährige aus Reutlingen ist gekommen. „Ich bin auf der Suche nach einer neuen Gemeindegruppe“, erzählt sie. Da sei sie auf diese Veranstaltung gestoßen, die ihr sofort gut gefallen hat. „Dieser überraschende Mix aus Musik, Input, coolen Locations und schöner Atmosphäre ist toll“, findet sie. Cyrill Schwarz macht eine Trendwende in der Jugendarbeit aus. „Die jungen Leute wollen nicht mehr aktiv an den Veranstaltungen teilnehmen, sondern den Moment genießen und danach auch wieder gehen können“, sagt er. Und wer Lust hat, kann noch auf ein Getränk bleiben. „Dadurch erreichen wir Menschen, die wir sonst nicht erreichen würden.“

Information
So funktioniert „secret places“: Zwei Stunden vor Beginn erfahren Interessierte über den Nachrichtendienst WhatsApp auf ihrem Smartphone, wo die Veranstaltung für junge Erwachsene stattfindet. Dort gibt es ein Interview mit einer ortskundigen Person, einen kurzen Impuls und Live-Musik. Wer dabei sein will, speichert die Nummer 0176-4729-5672 in seinen Kontakten und schreibt eine kurze Nachricht mit dem Inhalt „SPTUE“ über WhatsApp. Die nächste Runde der „secret places“ ist für das Frühjahr 2018 geplant.