Christliche Themen für jede Altersgruppe

Erfolgreiche Hausbesuche - Aufsuchende Bildungsarbeit

MÜNSINGEN – Geflüchtete Frauen fassen oft schwer Fuß. Das Projekt „Aufsuchende Bildungsarbeit für Frauen im ländlichen Raum“ hat manche in den vergangenen zweieinhalb Jahren unterstützt. Jetzt ist es ausgelaufen und hinterlässt eine Lücke.

Heidi Meyer hat Frauen zuhause getroffen und die Frühstückstreffen organisiert. Fotos: Pressebilder/ Diakonische BezirksstelleFrühstückstreffen organisiert. Fotos: Pressebilder/ Diakonische Bezirksstelle Heidi Meyer hat Frauen zuhause getroffen und die Frühstückstreffen organisiert. Fotos: Pressebilder/ Diakonische Bezirksstelle

Sie kamen entweder selbst als Geflüchtete nach Deutschland oder folgten im Rahmen des Familiennachzugs ihren geflüchteten Männern. Sprache, Mentalität, Kultur und die Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt – alles eine Herausforderung. Die erlernten Berufe von Flüchtlingen werden oft nicht anerkannt, es fehlt an Kontakten und an Möglichkeiten, eine Ausbildung oder einen Job zu bekommen.

Im Sommer 2019 hat die Evangelische Bildung Reutlingen mit dem Diakonieverband Reutlingen das Projekt „Aufsuchende Bildungsarbeit für Frauen im ländlichen Raum“ gestartet. Gefördert vom Kultusministerium und der Kirchlichen Landesarbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung.

Bei der Diakonischen Bezirksstelle Münsingen wurde für Projektleiterin Heidi Meyer eine 50-Prozent-Stelle eingerichtet. Sie hat die zugewanderten Frauen zu Hause aufgesucht. „Jedes Mal traf ich auf offene und freundliche Frauen, die mir viel erzählt haben. Ich habe sie in ihren Alltagssituationen erlebt“, berichtet sie. Um sich verständigen zu können, habe man Online-Übersetzungen genutzt oder Englisch miteinander gesprochen. „Zunächst war meine Hilfe bei bürokratischen Dingen gefragt. Dann habe ich Sprachkurse organisiert und die Frauen für ein wöchentliches Frühstück zusammengebracht.“ Jetzt ist das Projekt zu Ende.

Für Ina Kinkelin-Naegelsbach von der Diakonischen Bezirksstelle ist das sehr bedauerlich. „Wir brauchen dieses Aufsuchende, weil die Frauen den Weg von sich aus zu uns oder zu Weiterbildungskursen nicht finden“, ist ihre Erfahrung. So sei dieses Projekt eine gute Ergänzung zu den bereits bestehenden Angeboten gewesen. „Wenn es Heidi Meyer nicht gegeben hätte, würden viele Frauen nicht einmal Sprachkurse besuchen.“

Geflüchtete Frauen hätten in ihrer Familie oft eine aktive Rolle. Doch ihre eigenen Bedürfnisse stünden hinten an. „Wir haben ihnen gezeigt, was sie in ihrer jeweiligen Situation für ihr Leben in Deutschland selbst unternehmen können“, sagt Ina Kinkelin-Naegelsbach. So hat eine Frau aus Afghanistan eine Arbeit als Reinigungskraft gefunden. Frauen zu integrieren habe Priorität, weil sie als Anker in der Familie die Teilhabe für alle anderen ermöglichen. Das Aufsuchen in den eigenen vier Wänden, so Heidi Meyers Erfahrung, hilft nicht nur den Frauen mit Migrationshintergrund, sondern der ganzen Familie.

Heidi Meyer hat es geschafft, einige Frauen aus dem auslaufenden Projekt in einem Folgeprojekt für hauswirtschaftliche Weiterbildung unterzubringen. „Der Erfolgsschlüssel für eine bessere Integration ist ganz klar der aufsuchende Besuch zu Hause und die direkte Frage an die Frauen, was sie für sich brauchen“, sagt Frieder Leube von der Evangelischen Bildung Reutlingen. Die aufsuchende Bildungsberatung auf der Alb sei ein Kompass gewesen, der den Frauen Orientierung gegeben habe. Es sei dabei aber nicht nur um Angebote zur beruflichen Bildung gegangen, sondern auch um Persönlichkeitsbildung.

Fruehstueck. Foto: pexels, pixabayFrühstück. Foto: pexels, pixabay

Dazu hat das wöchentlich stattfindende Frühstück beigetragen. Heidi Meyer hat es ins Leben gerufen, künftig wird es von einer Teilnehmerin weitergeführt. „Eigentlich sollten auch deutsche Frauen dazukommen, aber daraus ist leider nie was geworden“, bedauert Meyer. Wie wichtig Projekte in der Integrationsarbeit sind, macht Ina Kinkelin-Naegelsbach deutlich. Es schmerze jedes Mal, wenn ein Projekt wie nun „Aufsuchende Bildungsarbeit für Frauen im ländlichen Raum“ nach einer erfolgreichen Zeit auslaufe. □

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