Christliche Themen für jede Altersgruppe

In Menschen investieren - Familienzentrum Tailfingen

TAILFINGEN (Dekanat Balingen) – Nicht nur die Kinder, sondern auch ihre Eltern sind in der Evangelischen Kindertagesstätte will-kommen und werden bei Bedarf unterstützt. Das Familienzentrum Tailfingen will für alle da sein.

Familienzentrum Tailfingen. Foto: Wolfgang AlbersFamilienzentrum Tailfingen. Foto: Wolfgang AlbersFamilienzentrum Tailfingen. Foto: Wolfgang Albers

Wenn die Eltern Sorgen haben, geht es auch den Kindern oft nicht gut. Das heißt umgekehrt: Wer will, dass es den Kindern gutgeht, muss sich ebenso um die Eltern kümmern. Eigentlich banal – aber gar nicht so einfach in der Umsetzung.

Zum Beispiel in Kindergärten: Die Erzieherinnen dort sind schon mit ihrer eigentlichen Aufgabe so ausgelastet, dass für den Blick auf die Eltern wenig Zeit bleibt. Das war auch in der Evangelischen Kindertagesstätte Tailfingen so. „Es war schon immer eine hohe Kunst, das alles unter einen Hut zu bringen“, sagt Tanja Daus, die Leiterin. Dabei hat sie sogar eine Spezialistin im Team: Gabriele Maihöfer hat eine Zusatzausbildung als Elternbegleiterin. „Aber wir hatten keine Stunden dafür“, benennt die Kita-Leiterin das Dilemma.

Aber sie bekamen einen neuen Pfarrer: Im Jahr 2018 kam Johannes Hartmann zur Paulus-Kirchengemeinde. Mit ihm tüftelten die beiden Erzieherinnen einen Weg aus: „Lasst uns doch ein Familienzentrum machen.“

Der Bedarf war auch Johannes Hartmann gleich aufgefallen. Sein Blick von außen sah die Probleme, die Tailfingen hat. Wie alle Albstädter Gemeinden ist sie stark von der Industrie geprägt. Einst war der Talgang, so nennt man das Schmiecha-Tal, an dem einige Albstädter Teilorte aufgereiht sind, eine Hochburg der Textil-Industrie.

Familienzentrum Tailfingen - Die Vereine sind mit im Boot

Sie und die Nachfolgebetriebe, von denen Albstadt einige hat, haben viele Arbeits-Migranten angezogen. Früher waren das vor allem Italiener und Türken, heute kommen sie aus vielen Ländern. Auch, weil hier die Mieten noch bezahlbar sind. „Das hat sich rumgesprochen über die Türkei hinaus“, erzählt Johannes Hartmann.

Diese Menschen haben teils Probleme mit der Sprache, fühlen sich der Bürokratie gegenüber hilflos, das Geld ist knapp, sie haben eine andere Kultur. Kurz gesagt: Sie haben Probleme, die sich nicht auf die Schnelle lösen lassen. Auf eine eingespielte Sozialisation kann sie bei den Eltern ihrer 130 Kinder jedenfalls nicht setzen, sagt Tanja Daub. „Unsere Klientel ist eher nicht evangelisch.“

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Da will das Familienzentrum helfen. Wer sich jetzt zu seinem Büro und seinen Besprechungszimmern aufmacht, steht in einer Baustelle, die ehemaligen Diakonie-Station wird gerade neu gestaltet. Trotzdem gibt es das Familienzentrum schon seit zwei Jahren – in Gestalt von Tanja Daus und Gabriele Maihöfer.

Die beiden nehmen sich mehr Zeit für ihre Kita-Eltern und sie leisten praktische Hilfe etwa mit dem Verschenke-Wagen voller gebrauchter Dinge. Vor allem aber haben sie ein großes Netz mit Tailfinger Vereinen und Institutionen geknüpft. Die waren bis jetzt eher für sich unterwegs, hat Johannes Hartmann beobachtet: „Hier war vor lauter Arbeiten wenig Zeit für Anderes.“

Auf etlichen Veranstaltungen, vom Schnuppertraining im Sportverein über einen Brandschutzabend mit der Feuerwehr bis zum Erntedankfest in der Fußgängerzone, sollen Zugezogene und Tailfinger mehr in Kontakt kommen und so die Integration erleichtert werden. Was ja auch ein klassisches kirchliches Anliegen sei, sagt Johannes Hartmann: „Wir investieren nicht in Steine, sondern in die Menschen.“

Gabriele Maihöfer, Tailfingen. Foto: Wolfgang AlbersTanja Daus, Tailfingen. Foto: Wolfgang AlbersJohannes Hartmann, Tailfingen. Foto: Wolfgang Albers

 

 

 

 

 

 

Gabriele Maihöfer, Tanja Daus  und Johannes Hartmann haben das Familienzentrum vorangetrieben.
Foto: Wolfgang Albers

Investitionen auch finanzieller Art sind das schon. Die Erzieherinnen und der Pfarrer haben erfolgreich Förderanträge geschrieben, sodass zum Beispiel durch eine weitere Kita-Erzieherin Tanja Daus und Gabriele Maihöfer jetzt mehr Stunden für die Eltern-Gespräche zur Verfügung haben.

Die feste Bleibe im ehemaligen Diakonie-Gebäude ist ebenso eine Frucht der Förderung. Dazu haben viele beigetragen. Das Kultusministerium hat eine Anschubfinanzierung gegeben, die Stadt finanziert den Umbau, und auch die Landeskirche ist im Boot, sodass organisatorisch das Familienzentrum jetzt im Haushalt der Kirchengemeinde verankert ist, der Trägerin des Familienzentrums.

Worum Johannes Hartmann froh ist: „Wir sehen die Not vor Ort. Für uns ist das ein Riesenauftrag, das zu stemmen. Da tut uns die finanzielle Hilfe gut: Wir sind hier nicht alleine unterwegs.“ Auch nicht psychisch. Es gebe viel positive Resonanz aus dem Ort, sagt Tanja Daus: „Das stärkt einen. Es lohnt sich, diese Arbeit zu machen.“