Christliche Themen für jede Altersgruppe

Weggeworfen wird nichts - Tübinger Tafel

TÜBINGEN – Ohne die 180 Ehrenamtlichen wäre die Tübinger Tafel undenkbar. Seit zehn Jahren ist der frühere Pfarrer Reinhardt Seibert mit im Team und sorgt dafür, dass gespendete Lebensmittel im Tafelladen an bedürftige Kunden ausgegeben werden.

Reinhardt Seibert, Tafel Tübingen, Ehrenamt. Foto: Magdalena SmetanaReinhardt Seibert hilft mit, damit bei der Tübinger Tafel Bonus-Card-Besitzer gespendete Lebensmittel für wenig Geld kaufen können. Foto: Pressebilder/ Magdalena Smetana

Der Ruhestandspfarrer Reinhardt Seibert ist der erste Vorsitzende des Vereins Tübinger Tafel. „Nach dem Eintritt in den Ruhestand dachte ich, ich könnte noch irgendwie nützlich sein“, erzählt Reinhardt Seibert (75) von seinen Anfängen als Fahrer bei der Tafel. Seit zehn Jahren macht er ehrenamtlich mit. Es dauerte nicht lange, bis er weitere Aufgaben und mehr Verantwortung übernommen hat. Inzwischen ist der Laden ohne ihn nicht vorstellbar. Öffentlichkeitsarbeit, Pressemeldungen, Kontakte und Netzwerke, um all das kümmert sich Seibert.

Seit 24 Jahren besteht die Tübinger Tafel. Im ersten Jahr kamen über 600 Personen, zehn Jahre später wurden es fast doppelt so viele. Inzwischen werden etwa 1700 bedürftige Menschen versorgt. Immer wieder stand die Tafel vor großen Herausforderungen. Die wachsende Zahl von Geflüchteten, Umzug, Corona, Lebensmittelknappheit im Zuge des Ukrainekriegs. „Wir arbeiten nur mit Ehrenamtlichen und sind auf Unterstützung angewiesen“, erzählt Seibert über die vielen Menschen, die den täglichen Ablauf gewährleisten. Das sind die Fahrerinnen und Fahrer, die die Waren abholen. Das Vorbereitungsteam sieht die Lebensmittel auf ihre unbedenkliche Genießbarkeit hin durch und sortiert sie. Das Verkaufsteam gibt sie der Größe der Bedarfsgemeinschaft entsprechend aus. Es sind etwa 180 Ehrenamtliche, die für einen reibungslosen Ablauf sorgen, täglich sind bis zu 20 Personen im Einsatz.

„Unsere Kundinnen und Kunden sind sehr unterschiedlich“, erzählt einer der Ehrenamtlichen. So würden Menschen aus Russland nur weiße Champignons, Menschen aus dem Nahen Osten nur braune Champignons mitnehmen.

Nudeln und Öl sind stark geTafelladen Tübingen Backwaren. Foto: Magdalena Smetanafragt

Sie kennen es nicht anders. Manchmal bleiben Lebensmittel wie Spargel übrig, weil sie niemand kenne. Es gibt auch vegane, laktosefreie und nur für Muslime erlaubte (halal) Lebensmittel. „Die Arbeit im Verkauf ist oft auch eine Art Seelsorge“, erzählt er. Wenn Menschen merken, dass sie ernst genommen werden, öffnen sie sich. Übriggebliebene und noch genießbare Lebensmittel werden am Ende eines Tages bei der Tübinger Tafel nicht weggeworfen, sondern von Foodsharern übernommen und an verschiedenen „Fairteilern“ in der Stadt zum Abholen für alle bereitgestellt.

Etwa 80 Lieferanten überlassen der Tafel ihre Waren, Sponsoren und viele Spender unterstützen die Tafel finanziell. Die Stadt Tübingen gibt einen jährlichen Zuschuss von 10 000 Euro. „Nichtsdestotrotz ist die Situation sehr angespannt“, sagt Seibert und weist auf die drastisch gestiegene Anzahl von Kundinnen, höhere Energiekosten und die abnehmende Menge an Lebensmitteln hin. „Wir sind dankbar für jede Spende“, betont er. Insbesondere Grundnahrungsmittel wie Nudeln, Reis, Hülsenfrüchte, Mehl, Speiseöl, aber auch Babynahrung oder Hygieneprodukte für Frauen werden dringend benötigt.

Solange er kann, will Reinhardt Seibert mitmachen. „Es ist eine sinnvolle Aufgabe – Lebensmittel retten und gleichzeitig Menschen helfen“, sagt er und erzählt stolz von jungen Leuten, die sich für eine nachhaltige und ökologische Nutzung von Lebensmitteln einsetzen und im Jahr 2020 die Junge Tafel gegründet haben. Sie zeigen bei Instagram unter @jungetuebingertafel den Zusammenhang von Lebensmittelrettung und Klimaschutz auf. Das wird sicher in Zukunft immer noch wichtiger werden, meint Reinhardt Seibert.

◼ Tübinger Tafel e. V., Eisenbahnstraße 55/57, Telefon 07071-940694, www.tuebingertafel.de

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