Christliche Themen für jede Altersgruppe

Bibeltexte auf Arabisch - Gottesdienst mit Übersetzung

SCHORNDORF – Einmal im Monat laden die Evangelische Allianz Schorndorf und die örtliche Stadtkirche zu einem Gottesdienst in arabischer Sprache mit deutscher Übersetzung ein. Wer kommt, ist willkommen. Viele Besucher suchen Hilfe und konkrete Unterstützung.

Mutter Sandra Abou Hamra (links) leitet den Gottesdienst, ihre Tochter Sirine Abou Hamra gestaltet ihn musikalisch. Foto: Brigitte JähnigenMutter Sandra Abou Hamra (links) leitet den Gottesdienst, ihre Tochter Sirine Abou Hamra gestaltet ihn musikalisch. Foto: Brigitte Jähnigen

Sandra Abou Hamra ist als Christin im Libanon geboren. „Doch glauben gelernt habe ich an der Missionsschule bei Diakonissen“, gesteht die herzliche Frau. Was ein fester Glaube bedeutet und welcher Trost darin zu finden ist, das hat die 62-Jährige im Krieg erlebt. Und diese Erfahrung gibt sie seit einigen Jahren an Geflüchtete weiter. Gemeinsam mit ihrer Tochter Sirine gestaltet sie Gottesdienste in arabischer Sprache mit deutscher Übersetzung.

„Wir brauchen euch in Deutschland“, hieß der Auftrag, den ihr die evangelische Karmel-Mission erteilte, als sie mit ihrer Familie noch im Libanon lebte. Das war vor mehr als drei Jahrzehnten.

Die Gottesdienste auf Arabisch sind über die Jahre auch für viele Flüchtlinge wichtig gewesen. Gerade für Menschen aus Syrien, die vor dem Bürgerkrieg geflohen sind. „Am Anfang kamen mehr Besucher zum Gottesdienst, einmal zu Weihnachten waren wir 80“, erinnert sich Sandra Abou Hamra an die Anfänge. Dass jetzt weniger kommen, hat durchaus positive Gründe. „Sie haben Arbeit gefunden, Familien gegründet, sind weggezogen“, sagt sie. Doch auch, wenn es jetzt weniger sind, die die Tageslosung hören, gemeinsam singen und beten und das Vaterunser sprechen, so braucht doch jeder Hilfe und Trost.

Gottesdienst, arabisch. Foto: Brigitte Jähnigen„Ich bin eine katholische Irakerin, zu Hause bin ich täglich in die Kirche gegangen“, sagt eine Besucherin. Dass sie in ihrer Muttersprache in ihrer jetzigen schwäbischen Heimat regelmäßig Gottesdienste besuchen kann, tröstet sie ungemein. Und bestärkt sie, gemeinsam mit Birgitta Heusen die Lesung zu halten.

Eine ebenfalls arabisch sprechende Frau ist mit zwei ihrer drei Kinder in die Stadtkirche gekommen. Konzentriert folgt sie den Gesängen und Gebeten und schaut auf die Illustrationen auf der Videowand. Ihre Kinder beschäftigen sich in der Kinderecke. Zu fünft lebt die Familie in zwei Zimmern. „Bitte helfen Sie“, wendet sie sich an andere Gottesdienstbesucher. „Ob geistlich oder sozial, die Kirche hilft“, ist die Erfahrung vieler Geflüchteter. „Manchmal geht es nur um einen Kochtopf für eine große Familie, andere brauchen eine Wohnung, aber zaubern kann ich nicht“, sagt Abou Hamra und lächelt.

Was sie immer und jederzeit aus vollem Herzen kann, ist zuhören, trösten, Hoffnung geben. „Sie spüren alle, wir sind eine gemeinsame Gruppe, die Gottes Wort teilt“, beschreibt die Libanesin ihre Motivation. Sie selbst ist seit 2000 im Kirchengemeinderat der Stadtkirche und wollte immer weitergeben, was sie selbst an Gutem erfahren hat. Wer möchte, kann kleine Bücher, Kalender, Briefblöcke mit nach Hause nehmen – alles in arabischer Sprache. Mit „Herzlich willkommen – Ahlan wasahlan“ (in arabischen Schriftzeichen) auf einer Videowand werden alle Besucher begrüßt. Dass die Technik auch funktioniert, dafür sorgt Martin Jaeger. Und auf die Frage, warum er das ehrenamtlich macht, antwortet er: „Weil man es braucht.“

Gebraucht wird auch Sirine Abou Hamra am Klavier. Sie intoniert Lieder wie „Anta adhimmu – Du bist so groß“, begleitet die Singenden und übersetzt arabische Bibeltexte. Eigentlich hat Sirine (38) Orientalistik und Germanistik studiert. Dass sie nun im Remstal lebt, findet sie „eine gute Mischung“ von Herkunft und deutschem Leben. Trotzdem vermisst sie immer mal die orientalische Lebensart, das Spontane. „Die Leute hier kommen aus dem Irak, aus Ägypten, Afghanistan, Syrien und dem Libanon, und natürlich aus Deutschland“, sagt Sandra Abou Hamra. Und dann gibt es einen sehr bewegenden Moment: Stehend wird das synchron zweisprachig gesprochene Vaterunser gebetet. □

◼ Telefon 07181-979619

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