Christliche Themen für jede Altersgruppe

Das Läuten sammeln

HEILBRONN – Alles beginnt an einem Novembersamstag im Jahr 2009. Ursprünglich hat Volker Carle nichts anderes vor, als auf den Turm der Heilbronner Kilianskirche zu steigen. Zufällig ist er genau zu der Zeit im Turmtreppenhaus, als der Sonntag eingeläutet wird – die Geburtsstunde einer persönlichen Sammelleidenschaft, mit der der 40-Jährige inzwischen vielen Leuten Freude macht.

Volker Carle vor dem Turm der Heilbronner Kilianskirche – wo alles begann.
(Foto: Franziska Feinäugle)

Das beeindruckende Geläut in seiner Kombination aus schwingenden Glocken und Klang zieht den Heilbronner sofort in seinen Bann. „Zum Spaß“ filmt er alles mit seinem Handy mit, später lädt er den Film vom Geläut auf seinem persönlichen Kanal auf der Internet-Filmplattform „Youtube“ hoch. Wenig später merkte er: „Die Klicks gingen nach oben.“ Auffallend viele Internetnutzer hatten Interesse daran, sich das Heilbronner Kiliansgeläut zuhause an ihrem Computer anzusehen und zu hören.

Seither sammelt Volker Carle Geläute, für sich selbst und um andere teilhaben zu lassen. Die Geläute der Stadt Heilbronn samt Stadtteilen hat er bis auf die Michaelskirche Neckargartach komplett, und auch im Landkreis Heilbronn „gibt es nur wenige weiße Flecken“: Die katholischen Kirchen von Neckarsulm fehlen ihm noch, die evangelische Kirche von Schwaigern, beide Kirchen von Gemmingen – und aus Heinsheim (bei Bad Rappenau) wartet er noch auf Nachricht, denn die Kirche wird renoviert.

Für die Lücken in der Sammlung gibt es zweierlei Gründe. Entweder Renovierungen – oder Missverständnisse, wie Volker Carle vermutet. In Schwaigern antwortete man nämlich auf seine freundliche Anfrage sinngemäß: „Nein danke, nicht nötig.“ Vielleicht sei sein Anliegen falsch verstanden worden, mutmaßt der 40-jährige Heilbronner: In vielen Pfarrämtern muss er  den Irrtum ausräumen, er habe etwas Kostenpflichtiges vor. Dabei ist es umgekehrt: „Das kostet die Gemeinde nichts – sie bekommen ihr Geläut von mir sogar auf CD.“ Und jeder, ob Gemeindemitglied oder nicht, kann das Geläut hinterher im Internet anklicken – fürs heimische Wohnzimmer gewissermaßen.

Mehr als 500 Videos umfasst seine öffentliche Sammlung inzwischen – in den besten Fällen darf er zuerst jede Glocke einzeln hören und filmen, danach dann das ganze Geläut. In der katholischen Kirche Johannes der Täufer in Oberkessach bei Schöntal hat man für ihn „mal geschwind eine Dreiviertelstunde lang den Ort beschallt“, freut sich Volker Carle über das Entgegenkommen.

Weil so ein Hobby schnell wochenendfüllend werden kann, bemüht sich der 40-Jährige, mit einer Fahrt „mehrere Kirchen zusammenzufassen“. So wie kürzlich im Hohenlohekreis, auf den er seine Geläutsammlung mittlerweile erweitert hat: Dort hat ihn der Pfarrer mit dem Auto zu drei Kirchen begleitet und ihm mit Begeisterung assistiert. Denn Volker Carle filmt nicht nur, er entziffert auch, was auf den einzelnen Glocken steht, misst sie mit einem Meterstab und schätzt ihr Gewicht. Die Informationen zu den Glocken blendet er dann auf seinen Internetvideos ein.  

Bei dieser Gelegenheit ist ihm aufgefallen, „dass über die Glocken in den meisten Kirchenführern nur wenig steht“, was er natürlich bedauert. Denn das Geläut, findet er, ist „neben dem Turm das Wichtigste von der ganzen Kirche: Man kann es kilometerweit hören“. Als kleiner Junge hat er in der evangelischen Kirche seiner Kindheit im Landkreis Heilbronn immer wieder gern der Mesnerin läuten geholfen – allerdings nicht in direktem Kontakt mit den Glocken. „Ich habe den Hebel umgelegt.“

Jetzt kommt er den Glocken gerne so nah wie möglich. Wenn er die Geläute des Hohenlohekreises im Kasten hat, will er sich „von Heilbronn aus in den Süden vorarbeiten“, Richtung Ludwigsburg, schwebt ihm vor. An seinem Expertentum sollen auch die evangelische Landeskirche und die katholische Diözese teilhaben: Volker Carle plant Fahrten zum Oberkirchenrat nach Stuttgart und zur Diözese nach Rottenburg. Dort will er den beiden Glockensachverständigen, die ihn unterstützt haben, „alle Videos abliefern“.


Information
So findet man die Geläute, die Volker Carle bisher gesammelt hat, im Internet: Auf der Videoplattform www.youtube.de in der Suchmaske den Namen seines Kanals eingeben – er heißt 74starrider. Über 500 Videos sind dort hochgeladen, von Geläuten und Glocken, aus dem Stadt- und Landkreis Heilbronn und aus Hohenlohe. Das Einstiegsvideo vom Geläut der Heilbronner Kilianskirche ist mehr als 15.000 Mal aufgerufen worden. Insgesamt verzeichnet sein Geläut-Kanal mehr als 278.000 Besuche.