Christliche Themen für jede Altersgruppe

Der Riss war nicht zu kitten

VAIHINGEN/ENZ – Die Kirchengemeinde Vaihingen/Enz hat ihr Jugendwerk aufgelöst. Dem Schritt ging ein schweres Zerwürfnis über die Frage des Verkündigungsauftrags voraus, der nach Meinung des ­Kirchengemeinderats dort schon seit langem zu kurz gekommen war. 

Die Auseinandersetzung ums Jugendwerk hat die Kirchen­gemeinde
Vaihingen/Enz erschüttert. (Foto: Werner Kuhnle)

Die Auseinandersetzung um das Evangelische Jugendwerk in Vaihingen ist nicht neu. Schon seit Jahren schwelt ein Streit um die Frage von Bibelarbeit, Verkündigung und der Anbindung der Jugendwerksarbeit an die Gemeinde. „Selbstständig im Auftrag“ lautet die Formel evangelischer Jugendarbeit in Württemberg, doch der Auftrag war nach Ansicht des Kirchengemeinderats schon lange nicht mehr erfüllt worden. „Am Ende war es auch eine Machtfrage“, sagte Dekan Reiner Zeyher, der zugab „etwas Derartiges noch nie erlebt“ zu haben.

Die Machtfrage war dabei ganz offenbar eng mit der Person des ehemaligen Jugendwerksvorsitzenden Reinhard Wahl verbunden, der nach wie vor im Hintergrund als Berater des Jugendwerks tätig war. Ein erstes großes Zerwürfnis Wahls mit der Kirchengemeinde hatte es schon 2005 gegeben: Wahl war in der Folge als Kirchengemeinderatsvorsitzender zurückgetreten, auch weil viele seinen Auffassungen über christliche Mystik und Kontemplation nicht folgen konnten, die in der Gründung des „Innenhofes Vaihingen“ ihren Niederschlag fand.

Um die Frage, in welcher Form christlicher Glaube zum Ausdruck gebracht werden soll, ging es letztlich auch bei der Arbeit des Jugendwerks. Genügt die Weitergabe der „Körpersprache des Glaubens“, das heißt die Vorbildfunktion, wie es das Jugendwerk formulierte? Oder muss das Wort Gottes in Form einer Andacht oder Bibelarbeit auch ausdrücklich vorkommen? Letzteres forderten Dekan Reiner Zeyher und der Kirchengemeinderat ausdrücklich ein – und versuchten es mit Hilfe der Jugendreferentin Erika Oettinger auch durchzusetzen.

Die stieß dabei jedoch keineswegs auf Gegenliebe, sondern musste immer wieder feststellen, dass ihre Form der Verkündigung nicht gefragt war: So hatten Mitarbeiter des Jugendwerks bei Andachten demonstrativ den Raum verlassen oder sich geweigert, die von der Gemeinde gewünschten Schwerpunkte umzusetzen. „Das kann nicht sein“, sagt Dekan Zeyher, und dass ein Arbeitgeber irgendwann auch die Pflicht habe, seine Hauptamtlichen zu schützen. Am Ende habe man keine andere Möglichkeit gesehen, als das Jugendwerk aufzulösen.

Das freilich sehen Reinhard Wahl und die Vorsitzende des Jugendwerks, Astrid Ditthard, vollkommen anders. Sie hätten sich ein Nebeneinander des Jugendwerks und der gemeindeeigenen Jugendarbeit durchaus vorstellen können und werfen dem Kirchengemeinderat nun vor, niemals wirklich auf die Bedürfnisse und Anliegen der Jugendlichen eingegangen zu sein: Von „Kirchenfunktionärsdeutsch“ ist da die Rede und dass zahlreiche Kirchengemeinderäte weder die Struktur des Jugendwerks noch die Namen der Mitarbeiter gekannt hätten.

Auch den Vorwurf, das Jugendwerk habe die Kinder und Jugendlichen nicht an die Gemeinde herangeführt, weist man zurück: Man habe, so Ditthard und Wahl, keine wirkliche Einladung zur Mitwirkung bei Ereignissen wie dem Stadtkirchenjubiläum oder der Lutherdekade bekommen. Auch sei bei der Innenrenovierung der Stadtkirche nicht nach den Vorstellungen und den Ideen der Jugendlichen gefragt worden.

Tatsache ist nun, dass es seit dem 1. Januar 2015 kein selbstständiges evangelisches Jugendwerk der Kirchengemeinde Vaihingen mehr gibt. „Das war ein Rauswurf“, sagt Reinhard Wahl, und dass das Gros der Mitarbeiter künftig auch keine Jugendarbeit mehr machen werde.

Die soll freilich weitergehen: Mit Jugendreferentin Erika Oettinger als Hauptamtliche und einer neuen Form, „die erst noch gefunden werden muss“, wie Dekan Reiner Zeyher sagt. Weiter geht auch die Arbeit des evangelischen Bezirksjugendwerks in Vaihingen: „Das ist“, so Zeyher, „von der Auflösung überhaupt nicht betroffen.“

Auch Reinhard Wahl wird trotz allen Querelen ums Jugendwerk seine Arbeit in der Kirchengemeinde fortsetzen. Um das von ihm gegründete Kirchenarchiv, die Partnerschaft mit Greußen in Thüringen und die Instandhaltung der Stadtkirche will er sich weiterhin kümmern.


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