Christliche Themen für jede Altersgruppe

Eine Woche Zeit für Abraham

SÖHNSTETTEN (Dekanat Heidenheim) – Nein, nicht das ganze Dorf ist auf den Beinen wegen der Dorf­freizeit – Söhnstetten hat 1800 Einwohner. Aber 300 Kinder, Eltern und Mitarbeiter sind es schon, die an diesem Mittwoch im August in der satten Nachmittagssonne Kindermesse feiern. 


Den großen Abschlussgottesdienst gestalten dei Gruppen mit kleinen Szenen, ihren Bildern und mit Gebeten. (Foto: Volker Pastuschik)

Die Kindermesse ist nicht, wie man erwarten könnte, ein Gottesdienst. Sondern ein Nachmittag mit Spiel und Spaß für die teilnehmenden Kinder und ihre Geschwister, Eltern, Oma und Opa. Über 30 Spielstationen sind aufgebaut, die Freizeitkinder gehen von Station zu Station, erledigen die jeweilige Aufgabe und lassen sich das auf einem Laufzettel quittieren. Schminken und Sackhüpfen zum Beispiel, Bogenschießen und Pferderennen, Geisterbahn und Goldwaschen sind auf dem Gelände zwischen Seeberghalle und Seebergschule verteilt; jede Station wird von mindestens einem Mitarbeiter betreut. Thema des Tages ist das Mittelalter, also laufen eine Königin und ein König und der Hofnarr in phantasievollem Kostüm über das Gelände, Ritterspiele und allerlei Altertümliches stimmen auf das Motto ein. An diesem Mittwoch ist „Galaabend“ mit Vorführungen, gemeinsamen Liedern, später Disco.Die ganze Woche steht in diesem Jahr unter dem Leitthema „Abraham“. An jedem Tag kommt ein neues Kapitel der Abraham-Geschichte als „Zielgedanke“ und als Aufgabe auf den Plan. Vormittags beschäftigen sich die Kinder damit, diskutieren, malen, basteln, entwickeln kleine Theaterstücke, die sie dann im Abschlussgottesdienst oder auch beim großen Fest für das ganze Dorf am Ende der Woche präsentieren. „Wir wollen hier nicht mit der Brechstange missionieren, aber eine Einladung zu Gott und Kirche soll schon sein“, sagt Manuel Sonn, Sprecher des sechsköpfigen Leitungsteams. Die Bibel und ihre Botschaft sowie ihre Geschichten sind traditionell Thema und Gegenstand der Dorffreizeit, die in Söhnstetten zum 27. Mal stattfindet. Im vergangenen Jahr war das Buch Esther das Wochenthema der Dorffreizeit.Jeder Tag beginnt um neun Uhr mit einem Anspiel, das von den Mitarbeitern zum Thema des Tages dargebracht wird. Die Kinder sind in Altersgruppen eingeteilt und nehmen die Botschaft der kurzen Andacht in die Gruppenarbeit mit. Die wird von Mitarbeitern mehr moderiert als schulmäßig geleitet, spielerische Kreativität steht im Vordergrund, kein Leistungsdruck, kein Frontalunterricht.Bis zum Mittagessen geht diese Gruppenphase an manchen Tagen. Am Dienstag beispielsweise sind aber schon am Vormittag Wasserspiele angesagt, es fliegen die Luftballonwasserbomben und triefende Schwämme, die Stimmung ist ausgelassen,  Schabernack ist Programm. Und am Nachmittag lockt die Wasserrutsche, 50 Meter lang den Hang hinab.Am Donnerstag macht sich die ganze Dorffreizeit auf nach Stuttgart. Das Leitungsteam ist in die Vollen gegangen und hat den 186 teilnehmenden Kindern neun Aktivitäten in Stuttgart zur Auswahl angeboten: Hinter den Kulissen des Musicaltheaters, auf dem Flughafen, im „Allerheiligsten“ des VfB Stuttgart – den Kabinen, in der Wilhelma, im Völkerkundemusuem, im Daimler-Museum und optimal am heißen Donnerstag auch ein Ausflug an den Max-Eyth-See. Die Gruppen werden nach exaktem Fahrplan zu ihren Zielen gebracht und pünktlich wieder abgeholt. Ein Meisterstück der Logistik, gut geplant, präzise ausgeführt.Seit Januar hat das Leitungsteam an der Dorffreizeit gearbeitet, in regelmäßigen Treffen To-Do-Listen erstellt und von Woche zu Woche abgearbeitet, hat sich berichten lassen über den Sachstand der Vorbereitungsgruppen der Einzelaktivitäten. Methodisch wirkt die Vorbereitung und die Durchführung professionell, routiniert, offen für Innovationen von Jahr zu Jahr. Die Teilnehmerzahl der Dorffreizeit wächst, die Kapazitätsgrenze ist in Sicht. „Bald wird zu wenig Platz sein“, meint Florian Junginger, einer aus dem Leitungsteam und von Beruf Banker auf der Schwelle zur Selbstständigkeit als Berater. „Und für mehr Leute gibt es auch keine Teller,“ sagt Manuel Sonn, Vater und Sozialarbeiter im nahen Heidenheim, mit einem Augenzwinkern.Manuel ist vom ersten Tag der Dorffreizeiten in Söhnstetten dabei. Sein Vater, damals Pfarrer im Ort, hat die Tradition begründet. Nach der Konfirmation wechselte Manuel wie viele andere im Mitarbeiterteam vom Teilnehmer zum Mitarbeiter. Florian hatte mit „Kirche und so“ nicht viel am Hut, wie er sagt. Seine Freundin Nadine (und spätere Frau) hatte ihn mitgebracht und die Dorffreizeit habe ihn zum christlichen Glauben und Leben gebracht, sagt Florian. Zwei Ehepaare, Katja und Manuel Sonn und Nadine und Florian Junginger sowie Schwager Volker Pastuschik, gehören zum familiären Leitungsteam.Die Dorffreizeit kommt ohne mächtige Zuschüsse durch Gemeinde oder Landeskirche aus. Die teilnehmenden Kinder zahlen 70 Euro für die ganze Woche, für den Ausflug muss ein Extra-obulus entrichtet werden. Aus dem Dorf gibt es Spenden, das örtliche Fuhrunternehmen stellt einen großen Lieferwagen zur Nutzung in der ganzen Woche zur Verfügung, die Kommune gibt einen halben Euro pro Kind und Tag, die Kollekte des Abschlussgottesdienstes kommt ins Budget.Den großen Gottesdienst am Sonntagmorgen gestalten die Gruppen mit kleinen Szenen, ihren Bildern und mit Gebeten. Der Gottesdienst wird geleitet von Pfarrerin Cornelia Schmutz, die seit einem Jahr als Pfarrerin zur Anstellung in der Gemeinde ist und scheinbar gar nicht mehr rauskommt aus dem Staunen über soviel ehrenamtliche Lebendigkeit, die die Dorffreizeit dem Gemeindeleben beschert.Internet: www.dorffreizeit.org

Tina Krehan
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