Christliche Themen für jede Altersgruppe

Für eine Welt mit Seele

ERLENBACH (Dekanat Neuenstadt am Kocher) – Das Reformationsjahr ist zu Ende. Damit endete auch ein besonderes Projekt der Kirchengemeinde Erlenbach: Die Menschen waren dazu aufgerufen, ihr ­persönliches „Gebot der Stunde“ aufzuschreiben und auf einen Holzbalken zu hämmern. Fazit: Über 500 solcher Gebote wurden gehämmert – und das weit über Erlenbach hinaus. 


An verschiedenen Plätzen und Ecken der landeskirche beteiligten sich Menschen an dem Projekt. (Foto: Evi Böhringer-Kerner/Kirchengemeinde Erlenbach)

„Es ist wichtig und richtig, angesichts von Umweltkatastrophen, Kriegen, Mobbing und mehr, dass die Kirche ein Zeichen setzt, den Mund aufmacht und nicht nur zuschaut.“ Mit diesen Worten begründet Bernd Gailing, Kirchengemeinderatsvorsitzender der Christuskirche in Erlenbach, die Unterstützung des Gremiums für ein Projekt, das ihrem Pfarrer Jürgen Stauffert sehr am Herzen lag.

Gemeinsam mit der Künstlerin Evi Böhringer-Kerner hatte er sich die Aktion „Hämmern für eine Welt mit Seele“ ausgedacht. „Wir wollten hören, was die Menschen umtreibt“, sagt er. Erste Gedanken in den Köpfen führen zu Veränderungen, das habe in der evangelischen Kirche Tradition. Wo immer Stauffert hinging, immer hatte er ein Paket dabei, um die Idee weiter zu verbreiten. „Wir waren überzeugt davon, dass es ein guter Weg ist, um miteinander ins Gespräch zu kommen.“

Mit Erfolg. Gedacht, geschrieben und gehämmert haben Menschen unter anderem in der Christus- und St. Martinuskirche sowie im Rathaus Erlenbach. In der Kilianskirche Heilbronn, in der Evangelischen Tagungsstätte Löwenstein, beim Konfi-Cup in Erlenbach, im Schloss Beilstein. Bei einer Buchvorstellung von Aiman Mazyek, dem Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime, im Atelier von Böhringer-Kerner, in der evangelischen Kirche in Heilbronn-Horkheim. In der Erlöserkirche in Bad Friedrichshall-Jagstfeld, im Studienhaus der Evangelischen Kirche in Stuttgart-Birkach, bei „Das Festival“ in Stuttgart auf dem Schlossplatz – und sogar im Bundestag. Eine stolze Bilanz.

Ein Höhepunkt für Stauffert und Gailing war die Präsentation des Projekts bei der württembergischen Landessynode im Frühjahr in Stuttgart. „Das war schon ein besonderes Geschenk“, meint Gailing. Auch Landesbischof Frank Otfried July brachte seine Gedanken an den Balken: „Du sollst weiterhin dem Gebot folgen: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Unsere Gesellschaft braucht das. Du sollst keine Fakenews und Hass-Emails senden. (Erst denken, dann posten)“.

Gailing ist überrascht, welche Kreise die Idee gezogen hat. „Ich wurde sogar in meinem Prädikantenkurs darauf angesprochen, wie toll das Ganze sei“, freut er sich. Wenn es nach Stauffert gegangen wäre, hätte es sogar noch weitergehen sollen. „Unsere Vision war das Brandenburger Tor, aber da fehlten dann doch die Kontakte“, gibt er zu.

Trotzdem freut er sich über die große Resonanz. Es sei gar nicht so einfach, seine Gedanken auf „Du sollst – du sollst nicht“ zu reduzieren. „Das selbstständige Formulieren von solchen Geboten verlangt eine nicht einfache Reflexion jedes Einzelnen über sein eigenes Handeln und die Zwänge, in denen er steckt. In der Gesamtheit aber bewirkt es mehr Ruhe und Besonnenheit“, erklärt Evi Böhringer-Kerner. Das Hämmern der auf Papier geschriebenen Gebote auf einen Holzbalken sei „die Bekräftigung dessen und die Beipflichtung, unsere freiheitlichen Errungenschaften schützen und unsere Demokratie erhalten zu wollen“.

In der Kirchengemeinde selber hatte sich das Thema irgendwann totgelaufen. „Wenn man das wöchentlich erwähnt, kann es auch zu viel werden“, musste Stauffert feststellen. Es werde einfach normal. Andernorts sei die Aktion vielleicht mehr geschätzt worden.

Bleiben die Balken und die Gebotsstreifen. Das Holz wird vermutlich von den Pfadfindern verwendet, die Streifen will der Pfarrer nach und nach verteilen. Auch im örtlichen Gemeindeblatt soll dazu eingeladen werden, sich ein Gebot zu pflücken.

Ganz zu Ende ist die Geschichte aber noch nicht. Im Internet bleiben die vielen Gebote erhalten. Außerdem hat Stauffert entsprechende Pakete an die Bischöfe in Thüringen und Sachsen geschickt – in der Hoffnung, dass die Idee auch dort die Menschen zusammen bringt.

Die gehämmerten Gebote gibt es im Internet: www.gebot-der-stunde.de