Christliche Themen für jede Altersgruppe

Glaube, Glück und Gründlichkeit

LEUZENDORF (Dekanat Blaufelden) – In der Kirchengemeinde Leuzendorf und im Dekanat Blaufelden ist Ernst Weber seit vielen Jahrezehnten ein Aktivposten. 33 Jahre lang war er Kirchenpfleger in Leuzendorf, 34 Jahre lang predigte er als Lektor auf vielen Kanzeln im ganzen Kirchenbezirk. Schweren Herzens hat der 90-Jährige jetzt die Agentur des Evangelischen Gemeindeblatts abgegeben. 

Ernst Weber liest noch jede Woche das Evangelische Gemeindeblatt. (Foto: Ralf Garmatter)


Bis vor wenigen Wochen verteilte Ernst Weber das Evangelische Gemeindeblatt in der Kirchengemeinde an der nordöstlichen Landesgrenze zu Bayern. Wenn es ihm möglich ist, besucht Ernst Weber noch jeden Sonntag den Gottesdienst. Die zwei Kilometer von seinem Wohnort Schrozberg-Bossendorf nach Leuzendorf fährt er mit dem eigenen Auto.

Vor kurzem hat der pensionierte Landwirt mit seiner Familie im Gemeindezentrum Leuzendorf bei guter Gesundheit seinen 90. Geburtstag gefeiert. Seit 1963 ist Ernst Weber mit seiner Frau Marta verheiratet. Das Ehepaar hat drei Söhne und acht Enkel. Der älteste Sohn ist auch Prädikant, der jüngste spielt in einem Posaunenchor.

„Meine eigenen Eltern haben mich im christlichen Glauben erzogen. Sie haben das auch vorgelebt“, erinnert sich der rüstige Mann an seine Kindheit in Bossendorf. „Das ist dann auf mich übergesprungen. Ich bin da richtig reingewachsen“, meint er.

Ernst Weber steht für Kontinuität. Ihm übertragene Aufgaben erledigt er gewissenhaft und zuverlässig. Er wohnt heute noch in dem Haus, in dem er 1925 geboren wurde. Das Leben auf dem Land will er nicht missen. Der Strukturwandel in der Landwirtschaft spielt sich unmittelbar vor seiner eigenen Haustür ab.

Früher habe es in dem kleinen Ort Bossendorf zehn aktive Bauern gegeben, erzählt Weber. Heute sind es nur noch vier. Auch seine drei Söhne wollten nicht mehr den Beruf des Landwirts lernen. Den Hof mit acht Hektar Eigentum hat er deshalb nach seiner Pensionierung 1989 verpachtet.

Schweren Herzens hat Ernst Weber zum 1. November 2015 seine Agentur für das Evangelische Gemeindeblatt abgegeben. Fast 23 Jahre lang –

beinahe bis zu seinem 90. Geburtstag – sorgte er in der weitläufigen Kirchengemeinde Leuzendorf dafür, dass die Austräger im Hauptort und den neun Ortschaften Bossendorf, Standorf, Gemmhagen, Funkstatt, Schöngras, Obereichenrot, Spindelbach, Windischbockenfeld und Hechelein jede Woche ihr Gemeindeblatt bekamen.

Immer samstagabends legte Ernst Weber die abgezählten und beschrifteten Zeitungen auf die dafür vorgesehenen Stühle in der Leuzendorfer Kirche. Von dort nahmen die Austräger sie meist nach dem Gottesdienst mit und verteilten sie an die Abonnenten in ihren Orten. „Ich habe das immer gerne gemacht, bin aber altersbedingt doch etwas wackelig auf den Beinen“, sagt Ernst Weber. Deshalb wollte er es in diesem Winter nicht mehr machen. Anfang November 2015 hat Irmgard Baureis aus Standorf die Aufgabe übernommen.

Ernst Weber ist ein gründlicher Leser. „Ich lese das Gemeindeblatt meistens von vorne bis hinten komplett durch – auch die Annoncen“, sagt er. Eine willkommene Abwechslung ist für ihn das Kreuzworträtsel im Heft. „Manchmal bringe ich es ganz raus“, freut er sich.

Spaß und Freude hat Ernst Weber auch an seinen Hühnern. Gerne verschenkt er Eier aus eigener Produktion an Freunde, Besucher und Bekannte.

Wie viele Menschen seiner Generation beschäftigen ihn immer noch die Erlebnisse als junger Soldat im Zweiten Weltkrieg. Bis fast ans Schwarze Meer ist er als „Landser“ gekommen. Dann ging es rückwärts, über Rumänien und Ungarn bis nach Tschechien. Dort hatte er wenige Tage vor Kriegsende großes Glück, als er durch Granatsplitter verwundet wurde.

Denn auf dem Weg ins Lazarett geriet er „glücklicherweise“ in amerikanische Gefangenschaft und wurde bereits am 5. Juli 1945 nach Hause entlassen. „Viele blieben jahrelang in Gefangenschaft“, erinnert sich der freundliche alte Mann an die schlimme Kriegszeit vor über 70 Jahren.

Viel Energie benötigt der Pensionär heute für die Pflege seiner Frau Marta. Sie ist 82 Jahre alt und leidet an Parkinson. Ein Pflegedienst übernimmt die körperlich anstrengenden Arbeiten. Den Rest schafft das Ehepaar gemeinsam. „Beim Kochen trage ich meiner Frau die Sachen zu“, sagt Ernst Weber. Sie sind froh, dass sie trotz ihres hohen Alters und einiger Beschwernisse noch ihren eigenen Haushalt führen können.

Bei der Bewältigung des Alltags braucht das Ehepaar nach eigenen Angaben vor allem eines: viel Geduld. „Ich bin da sehr dankbar für die Kraft von oben“, sagt Ernst Weber. Ihr großer Trost: „Wir freuen uns darauf, einmal Gottes Herrlichkeit zu schauen.“


Meinungsumfrage

Wollen Sie die Sommer- oder die Winterzeit behalten, wenn es keine Zeitumstellung mehr gibt?

Ergebnis anzeigen