Christliche Themen für jede Altersgruppe

Kraft für den Alltag schöpfen

SCHWAIGERN-STETTEN (Dekanat Brackenheim) – Familien mit schwerstkranken Kindern leben in körperlicher und seelischer Dauerbelastung. Auszeiten sind kaum möglich. Mit ihrer „Familienherberge Lebensweg“ will Karin Eckstein einen Ort der Ruhe schaffen – Betreuung inbegriffen. 

Karin Eckstein möchte, dass mit Hilfe der Familienherberge die Eltern schwerstkranker Kinder Entlastung finden. (Foto: Astrid Link)


Daniel (Name geändert) kann sich nicht selbst bewegen, weder sprechen noch schlucken. Er bekommt krampfartige Anfälle, die zum Atemstillstand führen können. Auch die Nächte sind dadurch sehr unruhig. Alle drei Stunden wird er umgelagert, gedehnt, zwischendurch in ein Stehbrett geschnallt, damit der Körper sich aufrichten kann. Er braucht ständig Medikamente, Inhalationen und Sauerstoff.

Die Ernährung erfolgt über eine Magensonde. Der Zugang in der Bauchdecke muss vor Entzündungen geschützt werden. Der Mund trocknet ohne Nahrung aus, benötigt eine spezielle Pflege. Daniel darf nicht schwitzen oder frieren, weil er sofort einen Infekt bekommt. Immer wieder wird die Medikamentengabe über Blutbilder kontrolliert. Seine Geschwister müssen zurückstecken.

Die Eltern können nur erahnen, was Daniel gerade braucht. Sie sind einer ständigen körperlichen und seelischen Belastung ausgesetzt. Wie alle Eltern schwerstkranker Kinder, von denen es in Baden-Württemberg etwa 3000 gibt. Wobei kein Krankheitsbild dem anderen gleicht. Dass diese Familien dringend eine Möglichkeit zur Erholung brauchen, um wieder Kraft für den Alltag zu schöpfen, erlebt Karin Eckstein täglich. Die erfahrene Kinderkrankenschwester, Gesundheitspädagogin und begleitende Seelsorgerin aus Stetten kennt die Probleme und Wünsche der Eltern aus ihrem Berufsalltag.

Seit drei Jahren baut sie ihr Projekt „Familienherberge Lebensweg“ auf, das in Baden-Württemberg einmalig ist. „Es gibt ambulante Hilfen für schwerkranke Kinder und Kurzzeitpflege ohne Eltern, was immer für alle Stress bedeutet. Ich möchte eine stationäre, überregionale Einrichtung schaffen, die die ganze Familie kostenlos aufnimmt und für Entlastung sorgt“, erklärt Karin Eckstein. Dafür hat sie ihre Festanstellung aufgegeben und arbeitet freiberuflich.

Mit viel Engagement und Optimismus baut sie ein Netzwerk auf. Die Kontakte aus ihrer Zeit als Pfarramtssekretärin und Kirchengemeinderätin in Stetten sind dabei hilfreich. Ihre Heimatgemeinde Schützingen bei Pforzheim unterstützt sie ebenfalls.

Seitdem sich der Pforzheimer Startenor Jay Alexander als Botschafter engagiert, geht es finanziell vorwärts. Überregionale Medien berichteten über das Projekt. „Ich musste Förderer und Sponsoren finden. Seitdem ich an die Öffentlichkeit gegangen bin, kommen nur positive Reaktionen. Gerade auch von Ärzten und Pflegepersonal. Die Eltern warten, dass es endlich losgeht“, erzählt die engagierte Mutter dreier Kinder.

2012 gründete sie in Schützingen mit ihrem Vater Walter Oehrle die „Lebensweg gGmbH“ als Träger der stationären Herberge. Der im gleichen Jahr entstandene Förderverein kümmert sich um die Mitgliederwerbung und sucht Sponsoren. In Güglingen, Kreis Heilbronn, entsteht eine Zweigstelle, die für die Öffentlichkeitsarbeit in der Region Heilbronn-Franken zuständig ist. Juristische und bürokratische Abläufe regeln ehrenamtlich arbeitende Fachleute. Medizinisches Personal steht auch bereit.

Dass ein passendes Gebäude existiert, ist ein Glücksfall. Karin Ecksteins Elternhaus, ein ehemaliger Bauernhof in Illingen-Schützingen, soll entsprechend umgebaut werden. Die Kooperation mit einem regionalen, ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst besteht bereits. Jetzt fehlt noch das nötige Startkapital für den Baubeginn. „Kranken- und Pflegekassen übernehmen höchstens ein Drittel. Für die Bauplanung werden 2,1 Millionen Euro benötigt. Dazu kommen Ausstattung, medizinische Geräte, Marketing und Anlaufkosten für das erste Jahr“, erläutert Karin Eckstein.

Sie hofft, dass 2015 mit dem ersten Bauabschnitt für sechs Kurzzeitpflegeplätze begonnen werden kann. Damit Kinder wie Daniel mit ihrer Familie die dringend nötige Erholung bekommen.



  • Informationsveranstaltung am 16. Mai, 19 Uhr, Festhalle Schützingen. Kontakt: Lebensweg e.V., Hinter dem Dorf 50, 75428 Illingen-Schützingen, Telefon 0170-6044372, www.lebens weg-herberge.de