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Luther und der Schwan

BRETTACH (Dekanat Neuenstadt) – Schon allein ihr Ursprung als Wehrkirche macht die Brettacher Kirche sehenswert. Berühmt ist das Gotteshaus im Langenbrettacher Ortsteil aber wegen des wohl ältesten Luther-Wandgemäldes von Württemberg. Das Bild stammt vermutlich aus dem Jahr 1591 und wäre damit auch die früheste Darstellung des Reformators mit Schwan in Deutschland.

Der Lindenhof von 1498 als eines der ältesten Häuser im Ort. Das malerische Chanofsky-Schlössle, heute Sitz der Stadtverwaltung. Das Pfarrhaus mit historischer Fachwerkfassade – der Ortskern von Brettach steckt voller historischer Kostbarkeiten. Doch den größten Schatz des Ortsteils beherbergt die evangelische Kirche: Dort befindet sich das wohl älteste Luther-Wandbild von Württemberg.

Der mächtige Turm, der noch heute erkennbare Graben um die Kirche und der Gaden, ein Fluchtlagerhäuschen innerhalb der Kirchhofmauer, machen es deutlich: Das um 1000 errichtete Gotteshaus war ursprünglich eine Wehrkirche. „Sie heißt Sankt Peter und Paul“, erklärt Wolfgang Gebhard, ehemaliger Vorsitzender des Heimatgeschichtlichen Vereins Langenbrettach. Hartnäckig halte sich jedoch das Gerücht, die Kirche sei nach dem heiligen Ägidius benannt.

Die Kirche hatte bereits eine rund 500-jährige Geschichte hinter sich, als Herzog Ulrich ab 1534 die Reformation in Württemberg einführte. Bald darauf entstand in Brettach die eindrucksvolle Darstellung des Reformators: Wer die Kirche betritt, dem fällt das lebensgroße Luther-Wandgemälde über der Empore sofort ins Auge.

Der Reformator ist im schwarzen Gewand auf einem Podest stehend abgebildet. In seinen Händen hält Luther die Bibel, zu seinen Füßen ist ein Schwan erkennbar. Der Schriftzug „D. Martin Luther“ über dem Bild beseitigt letzte Zweifel, wen man vor sich sieht. Vermutlich 1591 vom Neuenstadter Maler David Ebermann angefertigt, wäre das Brettacher Wandgemälde sechs Jahre vor einem ähnlichen Gemälde in Braunschweig entstanden und damit das älteste Bild von Luther mit Schwan in ganz Deutschland.

Warum wurde der Reformator in frühen Darstellungen oft mit einem Schwan abgebildet? Dazu gibt es zwei Theorien: Nach der einen bezeichnete Luther den Schwan als Zeichen der echten Kirche, weil er breitbeinig an Seen und Sümpfen einen harten Lebenskampf führe. Die andere Theorie geht auf Jan Hus zurück. Der böhmische Reformator habe 1415 vor seiner Hinrichtung – in Anspielung auf seinen Namen, der auf Deutsch „Gans“ bedeutet, – gesagt: „Sie werden jetzt eine arme Gans braten, aber in 100 Jahren werden sie einen Schwan singen hören, den sollen sie leiden.“ Luther wiederum habe Hus‘ Weissagung mehr als 100 Jahre später auf seine eigene Person bezogen und sich dadurch mit dem Schwan identifiziert.

In prominenter Gesellschaft befindet sich Martin Luther in der Brettacher Kirche: Links von ihm ist Johannes der Täufer zu sehen: „Hier wird wieder auf Jesus Christus verwiesen“, erklärt Pfarrer Christoph Heinritz. Neben Johannes folgen Wandbilder der vier Evangelisten. „Früher war über dem Altar das Weltgericht dargestellt, und an den Wänden gegenüber vom Luther-Wandbild waren die zwölf Apostel zu sehen“, sagt Heinritz. Doch die Kunstwerke wurden vermutlich 1843 bei Renovierungsarbeiten zerstört. Der Luther-Darstellung blieb dieses Schicksal erspart: Das Gemälde war schon 1681 im Zuge der Gegenreformation übermalt worden. Erst 1955 wurde es wiederentdeckt und restauriert.

Welche Bedeutung haben Martin Luther und sein Bildnis heute für Brettach? Natürlich zieht das wahrscheinlich älteste Luther-Wandgemälde Württembergs Touristen an. Wolfgang Gebhard: „Ort und Kirche sind aus einer von Mauern und Graben umgebenen Wehrkirche hervorgegangen. Das ist einmalig in der Umgebung, und solche Emporenbilder findet man nicht überall.“

Zudem scheinen der Reformator und sein Lebenswerk in der Gemeinde fest verankert. „Die Kirchengemeinde lebt auf gut lutherischem Boden und eine große Wertschätzung vom lutherischen Erbe ist da“, berichtet Heinritz. Gut verwurzelt sei die Kirche im Ort: „Es gibt einen regen Gottesdienstbesuch und eine große Identifikation mit der Kirche – besonders bei den älteren eingesessenen Bewohnern."

Die Kirche kann sonntags von 11 bis 18 Uhr besichtigt werden. Informationen unter Telefon 07139-1342.

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