Christliche Themen für jede Altersgruppe

Märchenhafter Einsatz

BLAUFELDEN – Julia Jedroschik ist ein außergewöhnliches Mädchen. Die elfjährige Schülerin hilft ehrenamtlich im Blaufeldener Altenzentrum der Evangelischen Heimstiftung. Und das schon seit sechs Jahren. Bereits im Alter von fünf Jahren hat sie damit angefangen. Für ihren außergewöhnlichen Einsatz ist sie jetzt von der Diakonie ausgezeichnet worden.

Gerne liest Julia Jedroschik den Bewohnern des Johannes-Brenz-Hauses vor (Foto: Ralf Garmatter)

Julia Jedroschik geht mit den alten Menschen spazieren, spielt mit ihnen und ist einfach für sie da, wenn sie etwas brauchen. Außerdem hilft sie bei vielen hauswirtschaftlichen Tätigkeiten. Sie holt Essen, deckt die Tische, räumt sie wieder ab und die Spülmaschine ein. Sie reicht auch alten Menschen das Essen, wenn sie dazu nicht mehr in der Lage sind.

Für ihren außergewöhnlichen Einsatz hat Julia Jedroschik den so genannten „Ran-ans-Leben-Star“ erhalten – das neue Ehrenamtszeichen der Diakonie für junge Menschen. Der Preis besteht aus einer Urkunde und einem silbernen Schlüsselanhänger. Er ist ein Zeichen des Dankes für mindestens 500 ehrenamtlich geleistete Stunden in diakonischen Einrichtungen.

„Etwa jeden zweiten Tag komme ich und helfe hier mit“, erzählt Julia Jedroschik über ihre Arbeit in Blaufelden. Vor allem beim Abendessen unterstützt sie die hauptamtlichen Mitarbeiter des Pflegeheims. Die Pflegekräfte sind voll des Lobes über ihre fleißige und freundliche junge Helferin. Auch die alten Menschen freuen sich über den Besuch und die Hilfe der Schülerin.

Sie spielt mit ihnen Mensch-ärgere-dich-nicht, liest Märchen vor, singt oder unterhält sich einfach mit ihnen. „Es motiviert mich, dass ich den alten Leuten eine Freude machen kann“, sagt sie. Viele Bewohner freuen sich, wenn mit ihnen jemand bastelt oder spielt. An Ostern hat sie mit den Senioren schon Eier gefärbt und die Eier als Hasen dekoriert, an Weihnachten Adventskränze gebunden und vieles andere mehr.

„Im Altenheim zu helfen“ bezeichnet die Elfjährige als ihr „wichtigstes Hobby“. Weit abgeschlagen landen Fahrrad fahren und spazieren gehen auf Platz zwei und drei. So ist es nicht verwunderlich, dass Julia später einmal Altenpflegerin werden will – am liebsten in Blaufelden. Das wäre praktisch, denn sie wohnt nur etwa 50 Meter vom Johannes-Brenz-Haus der Evangelischen Heimstiftung entfernt. Ihre Eltern und die Lehrerinnen und Lehrer an der Gemeinschaftsschule in Rot am See loben Julia für ihr ausdauerndes Engagement. Die Beschäftigung mit alten Menschen macht ihr einfach Spaß. Deshalb hat sie auch in der Schul-Projektwoche mit Senioren in Rot am See gearbeitet.

Den harten Alltag in der Altenpflege hat die Schülerin in den sechs Jahren ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit ausgiebig kennengelernt. Es mache sie traurig, wenn „die Leute sterben“, berichtet das Mädchen. Besonders schwierig sei die Arbeit mit dementen Menschen. Manche Bewohnerinnen und Bewohner schimpften dann ohne Grund mit ihr und den hauptberuflichen Pflegekräften. „Das geht bei mir inzwischen zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus“, beschreibt sie, wie sie damit umgeht.

Es macht ihr auch nichts aus, wenn die alten Menschen häufig die gleichen Geschichten erzählen. Oft gehe es dabei um Erlebnisse während des Krieges oder der Flucht aus ihrer früheren Heimat. Bei Konflikten zwischen den alten Menschen und in anderen schwierigen Situationen holt Julia erfahrene Pflegekräfte zu Hilfe. „Man muss manchmal auch streng sein“, erklärt die Elfjährige routiniert.

Den Job im Altenheim macht Julia Jedroschik, weil es ihr „einfach gut gefällt“. Und: „Ich kann es nicht sehen, wenn Menschen leiden müssen. Dann will ich helfen, damit es ihnen besser geht.“ Es macht ihr auch nicht viel aus, wenn sie in der Schule von einzelnen Mitschülern wegen ihrer Arbeit im Altenheim gehänselt wird. „Die können sich gar nicht richtig vorstellen, was ich hier mache“, meint sie.

Während der Sommerferien fährt Julia mit ihren Eltern und ihren drei Geschwistern für acht Tage zu Verwandten nach Polen. „Ich werde die alten Menschen vermissen und freue mich auf das Wiedersehen“, sagte sie einige Tage vor der Reise in den Urlaub.