Christliche Themen für jede Altersgruppe

Reformation und Ökumene

CRAILSHEIM – Der Reformationsweg in Crailsheim ist etwas ganz Besonderes und sehr Ökumenisches: Sogar die katholische Kirchengemeinde beteiligt sich an ihm finanziell. Jetzt war sogar ein Weihbischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart vor Ort, um eine neue Station zu eröffnen.



Weihbischof Johannes Kreidler am reformationsweg: Die neue Stele ist ein Sinnbild für beide Kirchen. (Foto: Ute Schäfer)


„Ich weiß es sehr zu schätzen, auch in seiner ökumenischen Zeichensetzung, dass ich eine Stele einweihen darf in der Stadt Crailsheim, die den Titel Reformationsstadt Europas trägt“, sagte der katholische Weihbischof Johannes Kreidler bei seinem Besuch.

Ein starkes Zeichen der Ökumene ist das fürwahr. Doch was entsteht da in Crailsheim, dass es sogar ein katholischer Bischof „hochinteressant“ findet, und so wichtig, dass er extra anreist? Es geht um einen Reformationsweg – ein Rundgang durch die Stadt zu ausgewählten Stellen, an denen die Reformation ihre Spuren hinterlassen hat.

Diese Spuren können ganz unterschiedlich sein. An der Lateinschule wird zum Beispiel von der Bedeutung berichtet, die die Reformation für die Schulbildung hatte. Die Station an der ehemaligen Synagoge thematisiert den Judenhass des alten Luther.

Die Reformation ist überhaupt ein Pfund, mit dem Crailsheim wuchern kann. Die Stadt wurde extrem früh reformiert – der Crailsheimer Reformator Adam Weiß predigte hier schon 1522 im evangelischen Sinne. An seiner Wirkungsstätte, der Johanneskirche, und an seinem Wohnhaus mit Bibliothek, der „Liberei“, beginnt der Reformationsweg deshalb auch.

Doch warum bringt das einen katholischen Weihbischof in die Stadt? Weil der Reformationsweg eine durch und durch ökumenische Angelegenheit ist. „Wir haben kein Problem mit der Reformation“, sagten die Mitglieder der katholischen Gemeinde in Crailsheim. Reformbewegungen habe es schon vor und auch nach Luther gegeben.

Das Konzil von Trient kurz nach dem Thesenanschlag (1517) handelte ja nicht im luftleeren Raum. Im Konzil wurde der Ablassmissbrauch abgeschafft und die Priesterausbildung verbessert. Und dies war nicht das letzte Konzil, das der Kirche Impulse gab. Mit anderen Worten: Die katholische Kirche der Renaissance-Päpste ist schon lange nicht mehr die von heute.

Auch aus diesem Grund war es der katholischen Gemeinde Crailsheims immer klar, sich am Reformationsweg auch finanziell zu beteiligen. Diskussionen oder gar Unruhe hat es laut Diakon Werner Branke nicht gegeben.

Es gibt noch mehr, was den Reformationsweg ökumenisch macht. Es sind die Kunstwerke, die jede der Stationen zieren. Sie stammen von dem katholischen Künstler, Rudolf Kurz, von den Benediktinern in Scheyern erzogen. Er ist es, der dem Reformationsweg ein unverwechselbares Gesicht gibt. Rudolf Kurz stammt aus Stimpfach und hat Ökumene schon als Kind erlebt. Ihm ging es bei seinen Stelen nie das Trennende, sondern eher um das Einende – und nicht zuletzt „um die Grundwerte des christlichen Abendlandes“.

Die „katholische“ Stele, die vor der St. Bonifatiuskirche steht, hat er aus einem großen Marmorblock gehauen. Er hat die beiden Crailsheimer Kirchen dargestellt, die katholische Bonifatiuskirche und die evangelische Johanneskirche. Dekan Winfried Dalferth beschreibt die Stele so: „Wenn zwei Kirchen friedlich beieinander stehen, umgeben von einem breiten Halt, dann gelingt der Durchblick besser.“ „Tatsächlich kann man die Kirchen fast als Einheit sehen“, sagte Bildhauer Kurz. Und doch ist der Marmor nicht einheitlich. Denn unterschiedliche Marmorierungen oder „Denklinien“ müsse es überall geben.

Sie spielen auf das Thema Toleranz an, das die Station thematisiert. Für Weihbischof Johannes Kreidler ist Toleranz eine „Haltung des Respekts, die bereit ist, den anderen in seiner Andersartigkeit anzuerkennen“. Entsprechendes gelte für die Ökumene. Tolerant könne man nur jemandem gegenüber sein, der einem nicht gleichgültig ist. Kreidler warnte davor, „das Feuer aus der Ökumene herauszunehmen. Ich glaube, dass wir neues Feuer und neue Aufbrüche brauchen.“