Christliche Themen für jede Altersgruppe

Spuren aus der Backstube

SCHWÄBISCH GMÜND – Bodenständig, hoffnungsfroh, gelassen und humorvoll: Mit diesen ­Eigenschaften ist Ursula Richter ihre Stelle in Schwäbisch Gmünd angetreten. Seit rund einem Jahr ist die 58-Jährige jetzt im Amt – als erste Dekanin des Kirchenbezirks.

Wer in das Büro von Ursula Richter tritt, dem fällt sofort der eingerahmte Meisterbrief über ihrem Schreibtisch an der Wand auf: „Der stammt von meinem Vater“, sagt die Theologin und erzählt von der elterlichen Bäckerei, die ihre Kindheit nachhaltig geprägt und bis heute Spuren in ihrem Leben hinterlassen hat. „Das gibt mir eine gewisse Bodenständigkeit.“

Ebenso wie die Erfahrungen, die sie zuvor im Pfarramt gesammelt hat. Jedem Menschen auf Augenhöhe zu begegnen, das ist der gebürtigen Aalenerin wichtig. Auch ihre Predigen, sagt sie, sollen elementar sein. „Mir ist es immer wichtig, schwierige theologische Sachverhalte gut zu erklären.“

Die ersten Monate im Kirchenbezirk Schwäbisch Gmünd hat sie als „unglaublich komplex und vielfältig“ erlebt. Zu den größten Herausforderungen gehörten zum einen, die durch den Pfarrplan bedingten Änderungen in den Gemeinden nicht nur als Belastung, sondern auch als neue Chance zu vermitteln.
Keine einfache Aufgabe, denn in der zweitgrößten Stadt des Ostalbkreises sollen die fünf Teilkirchengemeinden bis 2018 zu einer Gesamtkirchengemeinde fusionieren; die fünf Pfarrstellen auf vier reduziert werden.

Veränderungen, die viel Kraft kosten, sagt Richter, die sich gewünscht hätte, „dass wir das Reformationsjubiläum unbeschwerter hätten feiern können“. Dennoch ist sie guter Hoffnung. „Man muss auch aushalten, wenn einiges im Fluss ist und Vertrauen haben, dass sich neue Wege auftun.“
Umso wichtiger ist ihr, „gemeinsam und transparent“ die Dinge voranzutreiben. Und auch positive Entwicklungen und den Reichtum einer Gemeinde wahrzunehmen. Auch sonst legt die Frau von Bernhard Richter, Pfarrer an der Stadtkirche in Aalen, Wert darauf, das Zusammengehörigkeitsgefühl im Kirchenbezirk zu stärken. „Die Gemeinden müssen durchlässiger werden und jeder muss über seinen eigenen Kirchturm hinausschauen“, fasst sie es zusammen. Und zitiert ein afrikanisches Sprichwort „Ich bin, weil du bist und du bist, weil ich bin.“ Das heißt für sie: „Nur allein auf sich zu schauen, das bringt es nicht.“

Um mit Konfliktsituationen gut umgehen zu können, hält sie drei Eigenschaften als Dekanin für grundlegend: Verständnis, Empathie und seelsorgerliche Kompetenz. Fast noch wichtiger ist für sie jedoch der Humor. „Der hilft, vieles gelassener zu sehen, auch in schwierigen Verhandlungen.“
Dass sie ihre Stelle als erste Dekanin im Kirchenbezirk Schwäbisch Gmünd antrat, was in der Öffentlichkeit genau registriert wurde, erlebt sie einerseits als positiv. Doch auch mit der problematischen Seite davon ist sie gleich zu Beginn ihrer Amtszeit konfrontiert worden: Bei einer Gedenkveranstaltung zur Pogromnacht verweigerte ihr der orthodoxe württembergische Landesrabbiner Netanel Wurmser den Handschlag. Ein Vorgang, der die Stimmung in der Presse und in der Stadt hochkochen ließ.

Ursula Richter selbst sieht den Vorgang heute ganz sachlich, auch wenn sie sagt: „Da stellt sich natürlich die Wertefrage. Das sind Dinge, die man mit Vertretern anderer Religionen diskutieren sollte.“ Ohnehin ist ihr die Ökumene ein wichtiges Anliegen. Mit viel Freude hat sie registriert, dass zum Reformationsgottesdienst in der Augustinuskirche viele katholische Besucher kamen. „Wir können nur bestehen, wenn wir uns gegenseitig in alltäglichen Dingen wie etwa der Flüchtlingsarbeit unterstützen und entlasten“, sagt sie. Auch den Jubiläumsgottesdienst zur 500-Jahr-Reformationsfeier möchte sie am liebsten ökumenisch feiern.

Über ein sichtbares Zeichen der gelungenen Ökumene vor Ort freut sie sich besonders: So sollen künftig zwei gleiche Kreuze die Räume sowohl der Augustinuskirche als auch des Münsters schmücken. Für Ursula Richter ein sichtbares Symbol „das die Grundlagen unseres gemeinsamen Glaubens miteinander verbindet“.