Christliche Themen für jede Altersgruppe

Stille und ein offenes Ohr

HEILBRONN – Manchmal wird einem alles zu viel. Dann möchte man einfach mit jemandem reden, aber vielleicht sind Freunde oder Familie nicht die Richtigen. Nicht nur für solche Momente gibt es in der ­Kilianskirche in Heilbronn jeden Dienstag und Donnerstag zwei Stunden lang die Offene Tür. Ein ­Gesprächs- und Beratungsangebot, das von unterschiedlichen Menschen angenommen wird. 


Citypfarrerin Alexandra Winter und ihre Mitarbeiter bieten in der Kilianskirche Gespräche und Beratungen an. (Foto: Stefanie Pfäffle)

In der südlichen Vierung steht ein kleiner Tisch mit vier Stühlen. Große Rollups hier und vor der Kirche weisen auf das Angebot hin. Mechthild Heuthe, eine der ehrenamtlichen Mitarbeiter sitzt, mit Jacke und Decke gewärmt, im Gespräch mit einer Frau mittleren Alters.

Die Atmosphäre des Gotteshauses hat allein schon eine fast heilsame Wirkung – vielleicht ist es auch die Ruhe mitten in der Stadt, die die Menschen anzieht. Immer wieder kommen Besucher, bleiben ein Weilchen sitzen oder zünden eine Kerze an.

Das Handy der Frau klingelt, sie nimmt kurz an und spricht dann wieder mit Mechthild Heuthe. Man kennt sich, sie ist eine derjenigen, die regelmäßig zur Offenen Tür kommen. „Ich habe den Eindruck, wir fungieren als Teil des sozialen Netzwerks, wir sind immer da“, meint Alexandra Winter.
Die Citypfarrerin ist verantwortlich für das Projekt. Ursprünglich sind Offene Türen aus der Telefonseelsorge heraus entstanden, als niederschwelliges Beratungs- und Gesprächsangebot. Manchmal auch zur Seelsorge. Inzwischen gibt es diese im gesamten deutschsprachigen Raum. „In diesem Netzwerk sind wir vom Umfang her mit Abstand die kleinste Hausnummer, aber nicht unbedingt bei den Kontakten“, stellt sie fest. Die Kirche als Ort macht Heilbronn allerdings einmalig. „Es gibt dem Angebot in der Kilianskirche eine weitere Facette“, findet Winter.

Ein Team von derzeit neun Leuten besetzt die Termine im Wechsel. Die Menschen, die kommen, sind unterschiedlich, aber größtenteils über 50 Jahre alt. „In erster Linie kommen Leute, die das falsche Ende der Wurst erwischt haben“, drückt es die Pfarrerin bildlich aus. Aktuelle Krisen oder Dauerbelastung führen in die Kirche, aber es gibt auch viele zufällige Begegnungen. Touristen etwa, die spontan sagen, das ist genau das, was ich jetzt brauche. „Ich hatte mal eine Frau, die den falschen Zug genommen hat und dann zufällig in Heilbronn gelandet ist“, erinnert sich Heuthe. Die zog dann spontan ein Lebensresümee. Ein anderes Mal sei ein polnischer Katholik mit der Frage „Was ist evangelisch?“ bei ihr gesessen. „Wir haben heiße Debatten geführt.“ Genau diese Unterschiedlichkeit findet sie an ihrem Ehrenamt spannend.

Die meisten kommen, weil sie etwas mit sich herum tragen und jemanden suchen, der hilft, die Situation zu sortieren. Da hilft oft schon zuhören. Manchmal ist die Offene Tür auch die Vorstufe zu weiteren Hilfsangeboten, die gemeinsam gefunden werden. Winter möchte das Angebot auf die Nikolaikirche in Heilbronn ausweiten, auch mindestens einmal pro Woche auf der Bundesgartenschau 2019 anbieten.

Dafür sucht sie Leute, die sie selbst fortbilden wird. „Sie müssen nur die Gabe mitbringen, zuzuhören, ohne die Leute gleich zuzutexten“, beschreibt sie. Den Rest könne man in dem für 2018 geplanten Kurs lernen.Anonymität ist ein hohes Gebot, niemand muss seinen Namen nennen. Die Mitarbeiter sind zur Verschwiegenheit verpflichtet. Nur in der Supervision in der Gruppe werden Gespräche aufgearbeitet.
Ein Termin, den auch Mechthild Heuthe schätzt. „Ich nehme die Dinge nicht mit nach Hause, aber es tut gut, dann darüber zu sprechen“, sagt sie. „Man muss sich einfach klar sein, dass man keine Therapie anbietet.“

Eine junge Frau betritt zielgerichtet die Kirche. Alexandra Winter wendet sich sofort an sie. Nach einer kurzen Rückfrage verabschiedet sie sich, auch wenn sie gerade keinen Dienst hat. „Manche Menschen haben einfach so einen bestimmten Blick, dass sie genau jetzt reden müssen“, erklärt sie. Da der Tisch besetzt ist, geht sie mit der Frau weiter hinten in die Kirche. Es wird ein längeres Gespräch werden.

Am 16. Januar um 19 Uhr findet ein Informationsabend im Heilbronner Kilianshaus für Interessenten an einer Mitarbeit bei der Offenen Tür statt: Telefon 07131-179850.