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Trost der guten Nachricht - Interview mit Prälat Ralf Albrecht

HEILBRONN – Ralf Albrecht setzt sich als neuer Regionalbischof der Prälatur Heilbronn stark für Digitalisierung ein. Gleichzeitig ist es ihm wichtig, als Repräsentant der Kirche auch vor Ort zu sein. Dafür hat er coronataugliche Wege gefunden. Im Gespräch mit Nico Bähr blickt der 56-Jährige auf das erste halbe Jahr als Prälat in Heilbronn zurück.

Regionalbischof Ralf Albrecht möchte das Evangelium zu den Menschen bringen. Foto: Rolf SeidelRegionalbischof Ralf Albrecht möchte das Evangelium zu den Menschen bringen. Foto: Rolf Seidel

Herr Albrecht, was ist Ihrer Meinung nach charakteristisch für die Prälatur Heilbronn? Was macht sie besonders?

Ralf Albrecht: Die Region ist traditionell kernevangelisch. Wir haben sehr viele starke, geistlich relevante diakonische Träger. Das Gebiet hat eine ungewöhnliche Sichelform und wir sind zu guten Teilen – wenn wir Heilbronn ausklammern – im ländlichen Raum. Weinbau ist hier wichtig – das gefällt mir als Ehemann einer Weingärtner-Tochter natürlich. Aufgrund der Weitläufigkeit des Gebiets bin ich viel unterwegs. Denn als Prälat ist es ja nicht entscheidend zu sagen: Wen bestelle ich in die Prälatur ein? Sondern Repräsentant von Kirche auch in der Fläche zu sein.

Direkt vor Ort zu sein ist unter Corona-Bedingungen bestimmt nicht immer ganz einfach.

Ralf Albrecht: Klar, das verändert die Art, wie wir unterwegs sind. Ganz viel findet per Videoschalte statt. Zudem ist eine meiner Haupttätigkeiten gerade, etwa wenn es um Wiederbesetzungssitzungen von Pfarrstellen geht, ausgefeilte Hygienekonzepte zu entwickeln. Ich habe zum Beispiel ein kleines Gerät dabei, das den CO2-Gehalt in der Raumluft misst. Wenn der Wert über eine bestimmte Grenze geht, dann wird gelüftet. Und es werden immer wieder Schnelltests gemacht. Das ist in diesen Zeiten sehr wichtig, um andere – aber auch mich – zu schützen.

Was sind – neben Hygienekonzepten – noch Ihre Hauptaufgaben als Prälat?

Ralf Albrecht: Als Prälat repräsentiere ich die Kirche, schaue mir bei Visitationen die Bezirks- und Gemeindearbeit vor Ort näher an, leite Wiederbesetzungssitzungen für Pfarrstellen und bin Mitglied des Oberkirchenrats. Ich bin so etwas wie ein Scharnier zwischen der Kirchenleitung und den Gemeinden. Und das gilt in beiderlei Hinsicht. Ich höre zu und gebe die Probleme der Gemeinden im Oberkirchenrat weiter und kann vor Ort helfen, indem ich erkläre, was Zukunftsprozesse in der Landeskirche an Schwierigkeiten, aber auch an Chancen und Wachstumspotential mit sich bringen.

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Welche Schwerpunkte wollen Sie in Ihrer Amtszeit setzen?

Ralf Albrecht: Das sind drei Punkte: zum einen die Mitgliederentwicklung. Ich möchte mit anderen ergründen, warum die Kirche kleiner wird und wo wir aktiv werden können, um das Evangelium zu den Menschen zu bringen. Deshalb frage ich zum Beispiel bei meinen Begegnungen: „Was erwarten Sie von der Kirche?“ Am Ende würde ich gerne ein repräsentatives Gesamtbild zusammen-bekommen. Außerdem sind mir innovative Strukturen wichtig: Was brauchen wir, um missionarisch und diakonisch noch relevant und effizient zu sein? Und der dritte Punkt: die Digitalisierung.

Das merkt man. Sie sind ja in der Digitalisierungskommission der Landeskirche und auch privat sehr aktiv im Internet. Auf Facebook haben Sie rund 5000 Abonnenten und veröffentlichen zum Beispiel Video-Andachten …

Ralf Albrecht: Ja, genau. Kürzlich ist noch ein Video-Blog auf Youtube dazugekommen: „Bei Dir“. Gerade im Shutdown müssen die Menschen merken: Kirche ist für sie da.

Was gilt es bei digitalen Kirchenangeboten zu beachten?

Ralf Albrecht: Das Allerwichtigste ist, dass wir nicht einfach hochladen, was wir sonst analog machen. Die Frage ist: Was brauchen Menschen, die in dieser digitalen Welt unterwegs sind? Digitalisierung muss die Arbeitsabläufe und Strukturen in unserer Verwaltung effizienter und einfacher machen. Egal wie kompliziert es hinter den Kulissen ist: Die Menschen sollten einfach und mit wenigen Klicks das bekommen, was sie servicemäßig brauchen. Auch in der digitalen Welt geht es um Qualität. Es gibt im Internet so viele Angebote, dass wir uns klar erkennbar machen müssen. Dabei braucht Kirche nicht an jeder Stelle das sagen und wiederholen, was andere tun, sondern sollte zeigen, wofür wir speziell da sind: Der Trost der guten Nachricht Gottes und seelsorgerliche Angebote helfen gerade in Krisenzeiten, wie wir sie zurzeit erleben.

Blick auf Heilbronn mit seiner Kilianskirche. Die Prälatur Heilbronn umfasst 14 Kirchenbezirke. Foto: Werner KuhnleBlick auf Heilbronn mit seiner Kilianskirche. Die Prälatur Heilbronn umfasst 14 Kirchenbezirke. Foto: Werner Kuhnle

Was stimmt Sie zuversichtlich für Ihre Amtszeit?

Ralf Albrecht: Die Begegnungen, die ich hatte. Es ist unfassbar, wie viel Potential in verschiedensten Menschen, in Kirchengemeinden und Einrichtungen steckt. Menschen sind natürlich vor Ort ganz nah dran und damit manchmal „betriebsblind“ und sehen zunächst die Konflikte und Schwierigkeiten, das kann ich gut verstehen. Ich sehe die Potentiale. Ich bin froh über die Menschen, mit denen ich zusammenarbeiten darf. Der Oberkirchenrat ist viel besser als sein Ruf und meine Dienststelle hier in Heilbronn ist ein Traum. Außerdem sind da schlicht und einfach die Verheißungen Gottes: Die Zuversicht, die aus dem Glauben wächst, stimmt mich absolut hoffnungsvoll.

◼ Der Video-Blog „Bei Dir“ ist abrufbar auf Youtube, Stichworte „Ralf Albrecht“ und „Bei Dir“. Mehr unter Telefon 07131-161116

Ralf Albrecht ist in Höfingen bei Leonberg aufgewachsen. Sein Vikariat absolvierte er in Hausen/Zaber. 1994 wurde er Studienassistent im Albrecht-Bengel-Haus in Tübingen. Danach arbeitete er zehn Jahre lang als Gemeindepfarrer in Rielingshausen (Dekanat Marbach). Vor seinem Amtsantritt als Prälat in Heilbronn war er 13 Jahre lang Dekan an der Stadtkirche in Nagold. Der 56-Jährige ist mit einer Pfarrerin verheiratet und hat drei Kinder.