Christliche Themen für jede Altersgruppe

Verstärkung für die Gemeinde

GROSSALTDORF (Dekanat Schwäbisch Hall) – Dass Pfarrer im Ruhestand Vertretungen übernehmen, ist nicht ungewöhnlich. Bei Pfarrer Hans-Gerhard Hammer  ist der Umfang der Aufgaben jedoch bemerkenswert. Und er bleibt nicht nur kurzfristig, sondern fünf Jahre in Großaltdorf. Angesichts der abnehmenden Pfarrerzahlen ein Modell, das bald noch öfter Schule machen dürfte. 


Hans-Gerhard Hammer mit seiner Frau Elisabeth: Der Mietvertrag für das Ehepaar läuft fünf Jahre.
(Foto: Sigrid Bauer)

Wohin im Ruhestand? Das war die Frage, die sich dem Ehepaar Hammer vor zwei Jahren stellte. 35 Jahre waren die beiden in Brettheim tätig. Hammer hatte dort das Haus der Musik und Begegnung gegründet und mit Leben erfüllt. Es fiel ihm nicht leicht, wegzugehen. Wenigstens wollte er in der Gegend bleiben. Neu war ihm der Gedanke nicht, im Ruhestand in ein leeres Pfarrhaus zu ziehen und der Gemeinde seine Mitarbeit anzubieten. Seine Mutter hatte es vorgelebt: Nach dem Tod ihres Mannes, einem Pfarrer, wollte sie sich weiter engagieren, bezog mit ihren Kindern ein Pfarrhaus in Weiler an der Zaber und übernahm die Rolle des Seelsorgers.

„Pfarrer Adler aus Vellberg wusste von unserer Musikalität. Er hatte die Idee mit Großaltdorf“, erinnert sich Hans-Gerhard Hammer. Dort ist die Pfarrstelle nach dem Wegzug von Pfarrer Bernd Hofmann halbiert worden. „Deshalb hatten die Großaltdorfer keine wirkliche Chance, einen regulären Pfarrer zu bekommen und freuen sich jetzt darüber, dass im Pfarrhaus wieder Licht brennt“, meint der Pfarrer „im Unruhestand“.

In der Gemeinde Großaltdorf haben er und seine nicht weniger musikalische Frau sich sofort wohl gefühlt. „Ich meine manchmal, ich bin in Brettheim“, sagt Hammer, der für die Wohnung im Pfarrhaus Miete zahlt. Wie in Brettheim gibt es in Großaltdorf mehrere Chöre. Einmal im Jahr studieren ehrenamtliche Kirchenmitarbeiter mit Kindern ein Musical nach einer biblischen Geschichte ein und führen es auf. Auch Hammer hat in Brettheim jedes Jahr ein Singspiel komponiert. Mit dem Brettheimer Kinderchor hat er ganz Deutschland bereist und das Stück  aufgeführt. Das ist seine Art der Mission, denn „Mission gehört für mich zur Gemeinde“, erklärt er.

Die Großaltdorfer Gemeinde ist sehr aktiv, es gibt Jungschargruppen, eine gut funktionierende Kinderkirche. „Ich habe mich gefragt, wozu die uns überhaupt brauchen. Es läuft doch alles“, erzählt der 66-Jährige. Im Gespräch mit den Kirchengemeinderäten bekam er die Antwort: Es  gebe hier starke Gruppen, aber es fehle der Blick zur Mitte, jemand, der alles zusammenführt. „Meine Aufgabe ist also, die Mitte mit Blick auf Jesus zu stärken. Ich übernehme seelsorgerische Dienste und versuche den Menschen zu helfen, wenn sie bei mir klingeln und Rat suchen“, schildert der passionierte Seelsorger, Prediger und Musiker. Auch die Leiter der Kindersingtage unterstützt er gern, wenn sie ihn anfragen. Es kämen zunehmend Menschen, die ihn um die Beerdigung eines Angehörigen bitten.

Hammer scheint den Menschen die Nähe zu geben, die sie brauchen. Der gebürtige Bad Friedrichshaller ist froh, dass Pfarrer Johannes Albrecht von Oberaspach und gleichzeitig  geschäftsführender Pfarrer in Großaltdorf, ihm so viel Freiheit gewährt.

Gedanken macht sich Hammer darum, was er darf und was nicht. Kathrin Nothacker, Personalreferentin der Landeskirche in Stuttgart stellt klar: „Ein Pfarrer im Ruhestand behält seine Ordinationsrechte, er darf alle Gottesdienste halten und auch taufen und das Abendmahl austeilen. Er behält weiter seine Rechte und Pflichten.“ An den Pfarrer-Dienstbesprechungen des Kirchenbezirks nimmt Hammer teil. Und zum monatlichen Treffen der Pfarrer sei er sofort eingeladen worden, erzählt er und zeigt seine Freude darüber.

Auf fünf Jahre läuft der Mietvertrag für das Ehepaar. „Die Kirchengemeinderäte wollten uns für diese Zeit Wohnungssicherheit geben. Wenn wir für die Gemeindearbeit dann mal nichts mehr einbringen können, soll die Pfarrwohnung nicht blockiert sein. Aber ich habe schon mitbekommen, dass sie es so genau mit den fünf Jahren doch nicht nehmen wollen“, meint er und schmunzelt.

Laut Kathrin Nothacker ist es ein großes Glück und weit verbreitet, dass Pfarrer im Ruhestand Kollegen im Urlaub oder bei Krankheit vertreten, meist nur punktuell, etwa für die Gottesdienste. Manchmal bitte der Dekan den Kollegen, auch Ansprechpartner in einer vakanten Stelle zu sein. „Das sind dann weit reichendere Aufgaben“, sagt sie. In diesem Rahmen sehe sie Pfarrer Hammer.

Angesichts abnehmender Pfarrerzahlen, werde die Mitarbeit von Pfarrern im Ruhestand ganz sicher weiter an Gewicht gewinnen. „Die Landeskirche sieht diese Kollegen als wertvolle Ressource. Das ist ein ganz wertvoller Dienst, den wir sehr schätzen“, stellt sie fest.