Christliche Themen für jede Altersgruppe

Als Christ im Untergrund

Milad D. lebt seit Oktober 2013 als Asylbewerber in Deutschland. Er kommt aus dem Iran. Dort konvertierte vom Islam zum Christentum, ließ sich aber aus Angst vor Strafen nicht taufen. Er floh nach Deutschland, als erste Mitglieder seines Bibelkreises verhaftet wurden. 


Milad D. lebt im Asylbewerberheim in Stuttgart-Sielmingen. (Foto: Pressestelle der Landeskirche)

Seit Mahmoud Ahmadinejad 2005 Präsident geworden ist, sei die Situation immer bedrohlicher geworden. Und auch unter Hassan Rouhani, der 2013 die Wahlen gewann, sei es nicht besser. Milad D. ist aus dem Iran geflohen, als erste Mitglieder seines Bibelkreises verhaftet wurden. „Es gibt verschiedene Gruppen, die uns einfach festnehmen können. Manche unterstehen der Regierung, andere den Moscheen. Außerhalb des eigenen Hauses muss man darum ein Muslim sein. Wir müssen uns permanent verstellen.“ Die Strafen sind hart: „Im Iran herrscht absolutes Alkoholverbot. Wenn man zum Beispiel mit Wein im Haus erwischt wird, dann erhält man 80 bis 100 Peitschenhiebe. Aber wir wollen doch Abendmahl feiern. Schlimm ist es, wenn man ins Gefängnis kommt. Was dort passiert, ist unbeschreiblich. Menschen verschwinden einfach.“ Tief sinkt Milad D. in das schwarze Sofa. Er reibt sich die Augen.

Alle persönlichen Gegenstände der drei Bewohner dieses Zimmers im Asylbewerberheim sind in den Kleiderschränken verwahrt. Es ist deutlich: Hier leben drei Männer, die sehr diszipliniert versuchen, einander nicht im Weg zu sein. „Wissen Sie, wir wollten doch nur unser Leben selbst gestalten. Aber man kann dort einfach nicht seinen eigenen Ideen und seiner eigenen Meinung treu bleiben. Ob religiös oder politisch oder wie auch immer. Denn wenn die das  herausfinden, dann…“ Milad D. spricht den Satz nicht zu Ende. Seine Hand macht eine Bewegung, als wische er eine lästige Fliege zur Seite. Wieder reibt er sich die Augen. „Das ist es, was ich an Deutschland bewundere: In dem Tafelladen, in dem ich arbeite, sind auch Muslime willkommen. Obwohl er von der Diakonie ist. Freiwillige helfen uns hier im Heim. Sie fragen nicht nach unserer Religion oder unseren politischen Ansichten. Hier sind alle einfach nur Menschen.“