Christliche Themen für jede Altersgruppe

Der Tisch ist leer - Strassenmagazin Trott-war

Das Straßenmagazin Trott-war versteht sich als Sprachrohr der Obdachlosen und sozial Benachteiligten. Trotz des Lockdowns geht der Verkauf der Zeitungen weiter: ohne Kontakt zu den Käufern und ohne Austausch untereinander. Das ist ein Problem – nicht das einzige.

Trott-war Strassenmagazin, Sprecher Thomas Schuler. Foto: Dorothee SchöpferThomas Schuler ist Sprecher der Verkäufer und hat selbst Jahre auf der Straße hinter sich. Foto: Dorothee Schöpfer

Die Kleiderkammer ist bis zum Anschlag voll. Erst kürzlich hat die Polizei eine ganze Busladung vorbeigebracht. Die Polizei, die die Ausgangssperre zu vollziehen hat und dabei auch die Obdachlosen ins Visier nimmt. Und deren Beamte gleichzeitig wissen, welche Not in der Szene herrscht. So bemühen sie sich mit privaten Spenden um Linderung.

Thomas Schuler kennt sich nicht nur in der Kleiderkammer der Geschäftsstelle der Straßenzeitung Trott-war in der Stuttgarter Falkertstraße gut aus. In Nicht-Corona-Zeiten zeigt er Interessierten die einschlägigen Treffpunkte von Obdachlosen. Er kennt sie aus eigenem Erleben. Seit sechs Jahren ist er einer von 25 Festangestellten des Sozialunternehmens, das als Verein organisiert ist. Davor hat der 55-Jährige viele Jahre auf der Straße gelebt. Jetzt ist er glücklich verheiratet, Sprecher der Verkäufer und weil es gerade keine Führungen gibt, hilft er ehrenamtlich im Vertrieb. Die Redaktion ist verwaist, die meisten arbeiten von zuhause aus. Vor den Büros stapeln sich gespendete Schlafsäcke. Später wird eine von Trott-war bezahlte Sozialarbeiterin sie verteilen.

Früh am Morgen kommen die Männer und Frauen, um die Zeitungen zu holen, die sie auf der Straße verkaufen. Dann sitzt man üblicherweise erst mal zusammen um einen großen Tisch, frühstückt und redet.

Jetzt ist der Tisch leer. Kein Krümel ist zu sehen, keine Kaffeetasse steht darauf. Es gibt kein gemeinsames Frühstück mehr. Die Verkäufer sind zu Einzelkämpfern geworden. Jeder holt für sich seinen Zeitungsstapel ab. Nur in der offenen Garage kann man noch kurz zusammenstehen. „Das fehlt am meisten: Der Austausch untereinander“, sagt Schuler.

Der Verkauf des Strassenmagazins Trott-war geht weiter - Kontaktlos

Trott-war Geschäftsführer Helmut Schmid, Stuttgart. Foto: Dorothee SchöpferDie 25 freien Trott-war-Verkäufer, die derzeit noch arbeiten, haben alle eine Bleibe. Die anderen, die obdachlos sind, stecken in ihren Herkunftsländern Rumänien oder Bulgarien fest. Knapp 30 000 Exemplare wurden monatlich verkauft – vor Corona. Jetzt ist die verkaufte Auflage um ein Drittel gesunken und die Innenstadt leer. „Die Verkäufer stehen vor den Lebensmitteldiscountern und auf Wochenmärkten. Das geht ja noch“, sagt Trott-war-Geschäftsführer Helmut Schmid. Verkauft wird kontaktlos: Der Kunde nimmt sich eine Zeitung vom Stapel und legt das Geld in eine Box. Der Verkäufer hält zwei Meter Abstand. Ein Schwätzchen hält man dabei eher selten.

Die gesunkene Auflage ist das eine. Dazu kommt, dass es kaum noch Pfandflaschen am Flughafen zu sammeln gibt. Die fünf Trott-war-Mitarbeiter, die es mit diesem Job aus Hartz IV geschafft haben, sind jetzt in Kurzarbeit. Noch kann der Verein Trott-war seine Finanzen stemmen, die Spendenbereitschaft war in diesem Jahr überdurchschnittlich hoch. Gestiegen sind aber auch die Ausgaben. „Es wäre höchste Zeit, das die Stadt Stuttgart etwas für uns tut“, sagt Helmut Schmid.

Diesen Artikel jetzt im EVG-ePaper lesen

Das Straßenmagazin Trott-war (www.trott-war.de) wurde 1994 in Stuttgart gegründet.

Die Zeitung, die sich mit sozialen Themen beschäftigt, wird in 30 Städten im Südwesten verkauft.

Eine Ausgabe kostet 2,60 Euro, der Verkäufer behält davon die Hälfte.

Meinungsumfrage

Wollen Sie die Sommer- oder die Winterzeit behalten, wenn es keine Zeitumstellung mehr gibt?

Ergebnis anzeigen