Christliche Themen für jede Altersgruppe

Ein Jugendhaus für Senioren

9STUTTGART-WANGEN – Seit 25 Jahren treffen sich Menschen unterschiedlicher Generationen, Konfessionen und Herkunft in der Wangener Begegnungsstätte. Manches ist geblieben, manches hat sich verändert. Zum Jubiläum ist sogar der einstige Bundesminister Franz Müntefering in das Haus in der  Ulmer Straße gekommen, das für viele eine zweite Heimat ist.

Regine Mischke ist die treibende Kraft der Wangener Begegnungsstätte. (Foto: Markus Heffner)

Die mächtige Kastanie hinter dem Haus wirft wie eh und je ihren kühlenden Schatten über den gepflasterten Platz, auf dem es wieder ein wenig beschaulicher zugeht. Die weißen Festzelte sind abgebaut worden, keiner tobt mehr durch eine bunte Kinderspielstraße und die Cocktails, gemixt von Mitgliedern des Wangener Bezirksbeirats, die gibt es nun auch nicht mehr. „Das war eine heiße und lange Woche“, sagt Regine Mischke.

Schön war sie außerdem, die Jubiläumswoche, zu der sogar der einstige Bundesminister Franz Müntefering in die Wangener Begegnungsstätte in der Ulmer Straße 347 gekommen war, um zum Geburtstag zu gratulieren. „Ich habe einfach bei ihm angefragt und er hat spontan zugesagt“, erzählt Regine Mischke, die seit knapp zehn Jahren Leiterin der Einrichtung ist, in der sich überwiegend ältere Menschen begegnen. Über deren Rolle in einer sich wandelnden Sozialgesellschaft hatte der SPD-Politiker und ehrenamtliche Präsident des Arbeiter-Samariter-Bundes dann auch referiert. Seine Botschaft: „Ältere Menschen müssen integrierter und aktiver Teil der Gesellschaft bleiben und das menschliche Miteinander zukunftssicher machen.“

Das menschliche Miteinander: Genau darum geht es im „Haus 347“, das am 17. März 1990 gleichfalls mit einem Festakt eröffnet wurde. Von Beginn an dabei ist Doris Hetterich, die im Eröffnungsjahr eine Seidenmalergruppe ins Leben gerufen hat, die sich noch heute in der gleichen Besetzung trifft. „Ich sehe den grünen Zettel noch vor mir, auf dem Ehrenamtliche gesucht wurden, die etwas zum Angebot beitragen können“, erzählt die heute 83-jährige Wangenerin.

Manches ist geblieben, wie etwa die Seidenmalerei. Vieles ist dazugekommen in den Jahren, in denen sich die Zeiten geändert haben. Ein großes Anliegen sei  es etwa schon früh gewesen, die Begegnungsstätte für Migranten zu öffnen und Angebote für sie zu machen, sagt Regine Mischke, die selber in Wangen geboren und aufgewachsen ist und an der Fachhochschule Esslingen Sozialpädagogik studiert hat. Es ist ihr wichtig, dass es familiär zugeht und sich hier Menschen unterschiedlicher Generationen, Konfessionen, Nationalitäten und Kulturen treffen können, wie sie betont: „Unsere Begegnungsstätte soll ein offenes Haus sein.“ 

Eine der wichtigen Säulen im Angebot ist der tägliche Mittagstisch, zu dem in der Regel 20 bis 25 Menschen kommen. So mancher, sagt Regine Mischke, „ist so bei uns hängen geblieben“. Dazu können die Besucher aus einem wechselndem Programm wählen, das von der Gymnastik für Männer über Töpferkurse und Musiknachmittage bis hin zu einer Computerwerkstatt und gemeinsamen Ausflügen reicht, etwa einer Fahrt auf die Schwäbische Alb unter dem Motto „Kultur im Ländle“. Immer wieder lädt Regine Mischke auch Vereine und Jugendgruppen ins Haus, um generationsübergreifende Begegnungen zu ermöglichen. Tradition hat dabei etwa das Eiscafé unter der Kastanie, ein gemeinsamer Nachmittag, an dem ein Team vom Aktivspielplatz Krempoli die Besucher mit selbstgemachtem Eis beglückt. Die Einrichtung komme ihm vor wie „ein Jugendhaus für Senioren“, habe einer der jungen Menschen einmal gesagt, erzählt Regine Mischke und lacht. 

Zum Alltag in der Begegnungsstätte gehört  auch Trauerarbeit, wenn Menschen sterben, die das Haus über viele Jahre mit Leben erfüllt haben. Regine Mischke denkt dabei etwa an ihre „Künstler“ aus der Holzwerkstatt, die so manches repariert und gebaut haben, darunter auch ein detailgetreues Modell der Begegnungsstätte selbst. „Viele unserer Besucher leben allein und haben hier ihren Treffpunkt, ihr zweites Zuhause“, sagt sie.

Getragen wird die Einrichtung von der evangelischen Kirchengemeinde, die Stadt Stuttgart beteiligt sich mit einem Zuschuss. Unterstützung unterschiedlicher Art kommt außerdem vom Förder- und Freundeskreis, der momentan knapp 500 Mitglieder zählt. Demnächst steht auch wieder ein Auto vor dem Haus. Von einer Bank gesponsert, um Essen auszufahren und Besucher abzuholen, die nicht mehr so gut zu Fuß unterwegs sind.

Der Aufforderung zum Tanz folgen sie dennoch gerne: in der Rollator-Tanzgruppe, die seit neuestem im Programm ist.