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Ein Taufstein kehrt zurück

STUTTGART – Es ist der erste Taufstein überhaupt, den die Hospitalkirche hatte, und er stand mehr als 50 Jahre lang im Wald: Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs wurden viele Trümmer aus Stuttgart anderweitig verbaut. Doch ein Revierförster hatte einen Blick für das besondere Stück. 


Historischer Augenblick: Steinmetze hebeln den Taufstein der Hospitalkirche von seinem Sockel im Wald. Für Pfarrer Eberhard Schwarz (rechts) ein erhebender Moment. (Foto: factum)


Ein Mittwochnachmittag im September im Sindelfinger Wald nahe des Katzenbacher Hofs. Heute ist ein großer Tag für den Pfarrer der Hospitalkirche, Eberhard Schwarz. Der Taufstein von 1809, der vermutlich seit 1958 im Sindelfinger Wald als Denkmal aufgebaut war, wird von seinem Sockel entfernt. Er soll zur Restaurierung in einen Steinmetzbetrieb gehen, damit er am 3. Oktober im Innenhof des Hospitalhofs wieder an seinem ursprünglichen Platz aufgestellt werden kann. Doch der Reihe nach.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs waren nicht nur weite Teile der Stuttgarter Innenstadt zerstört, sondern auch das ehemalige Dominikanerkloster, die heutige Hospitalkirche. Um neu bauen zu können und Platz zu schaffen, wurden viele Trümmer aus der Stadt an andere Orte geschafft, beispielsweise auf den Stuttgarter Birkenkopf, der deshalb im Volksmund auch „Monte Scherbelino“ genannt wird.

Ein weiterer Teil der Trümmer wurde dazu verwendet, ein Wegenetz im Sindelfinger Wald anzulegen. Neben vielen Steinen und Steinresten, die ihm weniger wert schienen, blieb der Blick des damaligen Revierförsters Heinrich Spring an einem verzierten Becken aus Schilfsandstein hängen. Er erkannte darin den Taufstein der Hospitalkirche und setzte diesem Jahre später mitten im Wald ein Denkmal. Auf einen Steinquader Richtung Mitholz-Allee ließ er die Worte einmeißeln „Sic transit gloria mundi“, so vergeht die Herrlichkeit der Welt. Und er ließ Schilder anbringen, die über die Herkunft des Steines Auskunft gaben.

Lange Zeit habe man nicht gewusst, wohin mit dem Taufstein, sagt Pfarrer Eberhard Schwarz. In der Hospitalkirche und dem alten Hospitalhof sei kein Platz dafür gewesen. Die Hospitalkirche war nach dem Krieg nicht wieder komplett aufgebaut worden, nur die Südmauer der Dominikanerkirche steht noch heute. Jetzt, wo der Hospitalhof neu gebaut und sein Innenhof umgestaltet wurde, gibt es Platz für den Taufstein:  Im neuen Innenhof des Hospitalhofs stehen mehrere Bäume – sie deuten an, wo einst die Säulen der mächtigen Kirche standen. Dort, wo das heutige Kirchengebäude zuende ist, wird der Taufstein wieder aufgestellt. Es ist sein angestammter Platz vor dem einstigen Altar, und er liegt heute im Freien. Das soll einen Eindruck davon vermitteln, wie die Kirche einmal ausgesehen hat. Und es soll Symbol sein für die Zerstörungen des Krieges. Zudem passt es in das Konzept, das direkt nach dem Krieg für den Wiederaufbau galt: Die Hospitalkirche sollte seinerzeit aufgebaut werden als „verletzter Ort“, und künftig nicht nur als Kirche, sondern auch als Denkmal dienen.

Die Hospitalkirche selbst wurde bereits 1473 erbaut, doch ihr erster Taufstein stammt von 1809. Das liegt daran, erklärt Pfarrer Schwarz, dass die Hospitalkirche zunächst Klosterkirche der Dominikaner war. 1536 wurde sie evangelisch, war aber bis 1809 nur eine Predigerkirche. Für Taufen war die Stiftskirche zuständig. Erst, als die Hospitalkirche eine Gemeindekirche wurde, bekam sie das Recht, zu taufen und damit auch einen Taufstein.  

Erst im 9. Jahrhundert nach Christus habe es überhaupt Taufsteine gegeben, erklärt Eberhard Schwarz. Davor sei in Flüssen, Bächen und Seen getauft worden. „Vielleicht gibt es ja künftig bei uns auch Taufen im Freien“, hofft Schwarz. Natürlich mit dem Taufstein von 1806.