Christliche Themen für jede Altersgruppe

Eine Heimat für viele - Inklusives Wohnprojekt Johannesforum

WENDLINGEN – Die Kirchengemeinde hat gemeinsam mit der Bruderhausdiakonie einen besonderen Ort mitten in der Stadt geschaffen: Das Johannesforum ist sowohl Gemeindezentrum als auch inklusives Wohnprojekt.

Christian K. freut sich schon auf den Einzug ins Johannesforum. Auch seine Mutter (links) war bei der Eröffnung dabei. Foto: Brigitte JähnigenChristian K. freut sich schon auf den Einzug ins Johannesforum. Auch seine Mutter (links) war bei der Eröffnung dabei. Foto: Brigitte Jähnigen

Mitten im Ort hat nun die evangelische Kirchengemeinde mit dem Johannesforum ein Haus, in dem sich unterschiedliche Menschen treffen und begegnen, in dem „Fragen gestellt werden, gemeinsam nach Antworten gesucht und Inklusion gelebt wird“, sagt Pfarrer Peter Brändle. Mit einem dreitägigen Einweihungswochenende wurde das Haus in Wendlingen kürzlich eröffnet. „Eine Chance für die Ökumene“ sieht Paul Magino im Johannesforum. „Mitten in der Stadt, mitten unter den Menschen“, in der schon immer Ökumene gelebt worden sei, gestalteten Christen die Stadtgesellschaft mit, sagt der katholische Dekan.

Mindestens einmal im Monat wird der Sonntagsgottesdienst im Johannesforum gefeiert werden. „Für Kinderkirche, Horizonte- und Kino-Gottesdienst bieten die Räumlichkeiten und auch die technische Ausstattung des Gebäudes ideale Voraussetzungen“, sagt Pfarrer Peter Brändle. Im Anschluss an Gottesdienste werde gemeinsam gegessen.

Das Johannesforum will Heimat für viele sein: Mitarbeiter der Kirchengemeinde, des sozialdiakonischen Projekts, Sängerinnen und Sänger von Kirchen- und Pop-Gospelchor, Posaunenchor und Jugendkantorei und die musikalischen Jüngsten, die Pfadfinder, für neue Formen der Gruppenarbeit, für private Feste wie Konfirmationen, Hochzeiten und Taufen.

2015 erhielt das Büro „Drei Architekten“ den Auftrag, im Zentrum von Wendlingen am Neckar eine Kirche aus den 1960er-Jahren durch ein gemeinschaftliches Projekt zweier Bauherren zu ersetzen: ein neues Gemeindezentrum, verbunden mit einem Wohnprojekt für Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf.

Johannesforum Wendlingen. Foto: Brigitte JähnigenEntstanden ist ein helles zweigliedriges Gebäude. Die Fassade des Gemeindezentrums mit Turm wurde aus lokalem Gauinger Travertin und 60 Jahre alten Steinen aus Gönninger Kalktuffstein gestaltet. Der Kalktuffstein stammt von der Natursteinfassade der ehemaligen Johanneskirche.

Ein offenes Haus sollte es werden, sowohl für die Kirchengemeinde als auch für die Bewohner. Sie nutzen Haupteingang, Foyer und das zentrale, offene Treppenhaus gemeinsam. Der Saal mit den anliegenden Funktionsräumen kann auch als Ort für Veranstaltungen gemietet werden. Träger für das inklusive Wohnen ist die Bruderhausdiakonie.

„Mit dem Johannesforum und dem Unterstützungszentrum der Bruderhausdiakonie erhält die Stadtmitte zwei Einrichtungen, die zum einen Orte der Begegnung schaffen und zum anderen den Begriff der Inklusion im Herzen unserer Stadt erlebbar werden lassen“, sagt Wendlingens Bürgermeister Steffen Weigel. Und für Dekanin Christiane Kohler-Weiß ist offensichtlich: „Da ist eine Kirche am Werk, die mitten im Leben der Menschen eine Rolle spielen möchte und die Tradition und Aufbruch zusammendenkt.“ Eine Kirche, für die Inklusion eine Herzenssache sei und die keine Berührungsängste habe.

Unübersehbar ist bei so viel Zukunftsoptimismus auch die Freude auf den Gesichtern von Christian K. (48) und seiner Mutter bei der Hausführung. „Jahre haben wir gewartet, dass Christian selbständig, wenn auch mit Unterstützung, leben kann“, sagt die 76-Jährige. Mit Begeisterung lenkt der Sohn seinen Elektrorollstuhl durch die Wohnetagen. Hier wird er Ende des Jahres einziehen. Und ja, er freut sich sehr. Die privaten Zimmer, die Gemeinschaftswohnküchen, die Duschbäder, alles wird inspiziert, und als Christian K. auch die Kurve zu den überdachten Terrassen mit Bravour nimmt, lacht er laut. Schon bei einem früheren Vorstellungsgespräch hat Christian K. die Umgebung erkundet. „Er war rund um den Marktplatz und die damalige Baustelle überall unterwegs“, sagt Mutter K. „Das ist ja das Wunderbare: dass Christians neues Zuhause so mitten im Ort liegt.“

www.evk-wendlingen-neckar.de und www.bruderhausdiakonie.de

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