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Integration durch Bildung - Traumapädagogisches Konzept der Paulinenpflege

WINNENDEN – An der Paulinenpflege können Geflüchtete einen Schulabschluss erwerben, als Voraussetzung für einen künftigen Ausbildungsberuf. Ein traumapädagogisches Konzept macht es dabei möglich, ihre besondere Lebenssituation zu verstehen.

Zwei Klassenzimmer hat das sogenannte „VABO“, das zur Sonderberufsschule der Paulinenpflege gehört. Hier sitzen 13 Schülerinnen und Schüler, die mit oder ohne Eltern aus Afghanistan, Syrien, dem Irak oder Somalia geflüchtet sind. „Unser Schwerpunkt in dieser einjährigen Vollzeitschule ist der Erwerb von Deutschkenntnissen. Denn das ist die Voraussetzung für eine gute Integration von Geflüchteten in Deutschland“, sagt Lehrerin Ingrid Wartha-Vassiliadis. Das VABO soll ein Vorqualifizierungsjahr für den folgenden Schulbesuch sein.

Gemalte Bilder vermitteln einen Eindruck von der Lebenssituation der Geflüchteten. Fotos: Matthias KnödlerGemalte Bilder vermitteln einen Eindruck von der Lebenssituation der Geflüchteten. Fotos: Matthias Knödler

„Ich möchte nach dem VABO einen Hauptschulabschluss machen und dann einen Pflegeberuf erlernen“, sagt die 21-jährige Schülerin Efra. Sie ist aus Afghanistan geflüchtet. Dagegen möchte Yusuf aus dem Irak lieber was Technisches machen: „Vielleicht werde ich Zugmechaniker. Dazu brauche ich das Sprachniveau B1.“ Dieser Abschluss kann am Ende des Bildungsgangs in der Paulinenpflege stehen.

Neben Deutsch als Fremdsprache stehen Mathematik, Berufsorientierung, IT und Kunsttherapie auf dem Lehrplan. Das Besondere beim VABO in der Berufsschule der Paulinenpflege Winnenden: Hier gibt es ein traumapädagogisches Konzept, das den Geflüchteten hilft, mit ihren Erlebnissen umzugehen. Gleichzeitig ermöglicht es den Lehrkräften einen anderen Blick auf ihre Schüler. „Unsere Haltung zu unseren Schülerinnen und Schülern ändert sich durch dass Konzept grundlegend. Wir wissen, dass es für jede Verhaltensweise einen guten Grund gibt“, erklärt Ingrid Wartha-Vassiliadis. „Dieses Verhalten drückt sich oft in Unruhe aus, viele Schüler können sich nicht konzentrieren.“

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Daher gehört zum traumapädagogischen Konzept auch ein Ruheraum, in dem sich die Geflüchteten in angespannten Situationen zurückziehen können. Für Yusuf ist der Raum auch aus einem anderen Grund noch wichtig: „Wir wohnen als Familie zu viert in einem Zimmer. Wie kann man da vernünftig lernen und zur Ruhe kommen?“ Efra schätzt an der Vollzeitschule auch den Austausch in der Pause: „Da haben wir viel Spaß und können uns erholen.“

Es gibt aber auch ganz andere Momente: „Ich spüre bei vielen Schülern Trauer und sie sind sprachlos über das, was sie erlebt haben. Eine Schülerin hat zum Beispiel oft mitten im Unterricht laut geschrien.

Traumapädagogik - Weinen ist auch erlaubt

In einer Schule würde man normalerweise sagen: Das geht gar nicht! Wir haben herausgefunden, dass diese Schreie ihre Verteidigung gegen Vergewaltigungsversuche auf der Flucht waren“, berichtet Ingrid Wartha-Vassiliadis über Situationen, in denen Traumapädagogik wichtiger ist als Lerninhalte.

Ingrid Wartha-Vassiliadis im Gespräch mit einem Schüler. Foto: Matthias KnödlerIngrid Wartha-Vassiliadis im Gespräch mit einem Schüler. Foto: Matthias Knödler

Grundlage für die Traumapädaogik ist ein von einem Sonderschullehrer entwickeltes und vom VABO der Paulinenpflege erweitertes „Fenster zum Fallverstehen“. Hier erfassen die Lehrkräfte objektive Informationen wie biografische Daten, die aktuelle Lebenssituation und beobachtetes Verhalten. Genauso geht es in diesem Erfassungsbogen auch um das subjektive Erleben, etwa „Wie geht es mir als Lehrkraft mit dieser Schülerin diesem Schüler?“

Für Gymnasiallehrerin Ingrid Wartha-Vassiliadis sind die Herausforderungen nicht neu, sie hat auch schon in einer Roma-Schule in Griechenland unterrichtet. Dass die Lehrtätigkeit im VABO der Paulinenpflege für sie mehr als ein Job ist, zeigt die Tatsache, dass sie eigentlich schon in Rente ist und trotzdem noch weiter unterrichtet. „Mir liegt dieses Projekt sehr am Herzen.“ □