Christliche Themen für jede Altersgruppe

Lilie fordert Umdenken - Präsident der Diakonie auf Reisen

BEUTELSBACH/STUTTGART – Ulrich Lilie geht jeden Sommer auf Reisen. Dann besucht der Präsident der Diakonie in Deutschland diakonische Einrichtungen. In diesem Sommer kam er auch in die Region Stuttgart und informierte sich über nachhaltige Projekte. An die Politiker hat er ein paar Forderungen, damit der Klimawandel gelingt.

Ulrich Lilie (von links), Bernhard Schneider und Johannes Enssle vom Naturschutzbund haben ein Apfelbäumchen gepflanzt. Lilie hörte auch in Stetten aufmerksam zu. Foto: Pressebild, Diakonie/Verena MüllerUlrich Lilie (von links), Bernhard Schneider und Johannes Enssle vom Naturschutzbund haben ein Apfelbäumchen gepflanzt. Lilie hörte auch in Stetten aufmerksam zu. Foto: Pressebild, Diakonie/Verena Müller

Seit ein paar Tagen wächst ein Apfelbäumchen im Garten hinter dem Antonia-Kraut-Haus. Er soll ein Zeichen der Hoffnung auf nachhaltigeres Handeln senden. Von dieser Hoffnung getragen ist die fünftägige Sommerreise, die Ulrich Lilie quer durch Deutschland zu diakonischen Einrichtungen führt. „Wir benötigen die soziale und ökologische Transfomation der Gesellschaft“, sagt der Präsident der Diakonie in Deutschland. So schaut er auch bei der Evangelischen Heimstiftung vorbei, dem größten diakonischen Pflegeunternehmen in Baden-Württemberg.

Seit zehn Jahren forciert die Heimstiftung im eigenen Unternehmen unter dem Logo „Grünes Segel“ nachhaltiges Wirtschaften. Mit dem Naturschutzbund hat sie das Projekt „Blühende Gärten“ rund um Pflegeeinrichtungen entwickelt. Und in einem dieser Gärten, eben dem am Stuttgarter Stöckach, wächst nun der Apfelbaum. Viele kleine Schritte ergeben etwas Großes. Bis 2035 soll das Unternehmen klimaneutral sein, sagt Hauptgeschäftsführer Bernhard Schneider.

Die Diakonie mit ihren 31 600 Einrichtungen in Deutschland kann viel bewegen, sagt Ulrich Lilie. „Da geht viel mehr, als wir uns träumen lassen.“ Und es muss sich viel bewegen. Lilie war vor seiner Sommerreise bei Hochwasseropfern in der Eifel. Sie bekommen die verheerenden Folgen des Klimawandels leidvoll zu spüren.

Diesen Artikel jetzt im EVG-ePaper lesen

Bei den Terminen zeigen sich auch einige Bundestagskandidaten aus der Region. Das passt gut, denn Lilie hat den Politikern einiges zu sagen.

Die Ministerien und Verwaltungen sollen die Wagenburgen ihrer Ressorts verlassen und zusammenarbeiten statt gegeneinander. Nur wenn Bau- und Sozialdezernenten an einem Strang ziehen, können nachhaltige Projekte gelingen. Und über Geld muss auch gesprochen werden.

Ein solches Projekt entsteht in Beutelsbach. Dort lässt Dienste für Menschen das Luitgardheim umbauen. Sie errichten ein nachhaltiges, energieeffizentes Pflegeheim. Ulrich Lilie schaut auf der Baustelle vorbei und erfährt, dass schadstoff-freie Baustoffe verwendet werden und dass der Jahresenegiebedarf von 362 000 Kilowattstunden im alten Gebäude auf 63 000 Kilowattstunden sinken wird, also auf ein Sechstel.

Ulrich Lilie, Praesident der Diakonie. Foto: Pressebild, Diakonie, Verena MuellerNachhaltigkeit zieht sich durch – bis hin zu den Säften und dem Obst, die bei Lilies Termin angeboten werden und die aus der Gegend stammen. Für dieses Engagement ist das Luitgardheim von Brot für die Welt als „Faire Einrichtung“ ausgezeichnet worden.

Geschäftsführer Peter Stoll wäre froh, wenn die Politik Engagement für mehr Nachhaltigkeit unterstützen würde. Er finde in den Ministerien jedoch nur schwer Gehör, Anfragen versandeten.

Es sind die Menschen, die den Wandel vorantreiben, in Beutelsbach, in Stuttgart und bei der Diakonie Stetten, Lilies dritter Station in der Region. Dort schaut er eine Holzhackschnitzelanlage an und informiert sich über Investitionshemmnisse durch fehlende Förderprogramme für die Sozialwirtschaft.

Lilie spricht von „Nachhaltigkeit als integralem Bestandteil der gemeinwohlorientierten Sozialwirtschaft“. „Wir müssen lernen, neu zu rechnen!“ – also nicht nur auf kurzfristige Rentabilität zu achten, sondern auch auf die langfristigen Folgen. Daher fordert er, dass Nachhaltigkeit ins Sozialgesetzbuch hineingeschrieben wird. Angesichts des Engagments in den diakonischen Einrichtungen bleibt er zuversichtlich: „Lassen sie uns neue Geschichten des Gelingens schreiben.“ □

◼ Wer mehr von Ulrich Lilie lesen möchte: Er schreibt regelmäßig auf www.praesident.diakonie.de