Christliche Themen für jede Altersgruppe

Mitmachen? Ehrensache! - Impuls von Ehrenamtlichen gestaltet

SINDELFINGEN – Mit ihrer 20-minütigen „Atempause“ bietet die Martinsgemeinde geistige Erbauung in Gemeinschaft trotz Corona. Die Liturgie mit Stille, Musik und Gebet wird mit einem persönlichen Impuls von Ehrenamtlichen gestaltet.

Andrea und Karl-Friedrich Zeile, Atempause, Ev. Kirche Sindelfingen. Foto: Julia LutzeyerAndrea und Karl-Friedrich Zeile, Atempause, Ev. Kirche Sindelfingen. Foto: Julia LutzeyerDas Ehepaar Zeile ist schon da. Und nicht nur diese beiden. Sehr viele Stühle, die im Kirchenraum in weitem Abstand zueinander einzeln oder paarweise stehen, sind belegt. Dabei hat die 20-minütige Andacht noch gar nicht begonnen. In der Sindelfinger Martinskirche ist dennoch schon einiges los. Vorne am Altar der romanischen Basilika erklingen die letzten Töne der Gesangsprobe, die Bezirkskantor Daniel Tepper am Klavier leitet. Dann legen die jungen Frauen aus dem Kinder- und Jugendchor ihre Notenblätter beiseite, ziehen ihren Mund-Nasen-Schutz über, begeben sich zu ihren Plätzen oder gehen durch die Seitentür ins Freie.

Atemholen vor der „Atempause“. Auf der Internetseite der Gemeinde wird dieses Format, das seit Februar an jedem Donnerstag um 18 Uhr auf dem Programm steht, so beschrieben: „Ein einfaches spirituelles Angebot zum Feierabend, das zum Innehalten einlädt, in Zeiten, die uns einen langen Atem abverlangen.“

Geminsam schaffen wir das  - Priestertum aller Gläubigen

Damit die Besucher unter der Woche geistige Erbauung finden können, braucht es Menschen, die sich einbringen. Zu denen gehören Andrea Zeile und ihr Mann Karl-Friedrich Zeile. Bereits an Heiligabend waren die beiden für die Gemeinde aktiv. „Statt eines großen Gottesdienstes gab es eine Folge Andachten für eine kleinere Teilnehmerzahl“, erzählt Andrea Zeile. Um den Pfarrer zu entlasten, hat das Ehepaar eine davon gehalten. „Damals war der Impuls schon fertig. Es ging nur ums Vorlesen“, sagt Andrea Zeile. Das ist bei der „Atempause“ anders. „Die Liturgie ist vorgegeben, aber für den Impuls ist die Vorgabe, dass er möglichst persönlich sein soll“, erklärt Andrea Zeile.

Nun also, nach der Stille und dem mehrstimmigen Gesang, ist Karl-Friedrich Zeile an der Reihe. In seinem Impuls spricht er von seinem besten Freund, der ihn seit 35 Jahren begleite, und rezitiert dessen Lieblingsgedicht: „Bitte“ von Hilde Domin. „Die Zeilen passen in die Corona-Zeit: Der Wunsch nach der Landschaft/diesseits der Tränengrenze/taugt nicht, der Wunsch den Blütenfrühling zu halten/der Wunsch verschont zu bleiben/taugt nicht ...“ Beim Zwischenspiel vom Klavier klingen die lyrischen Worte nach. Mit einem Kyrie vom kleinen Chor und einem gemeinsamen Gebet endet die Andacht.

„Wir haben die ,Atempause‘ aufgrund einer erhöhten Nachfrage nach seelischer Stärkung eingeführt“, sagt Jens Junginger, Pfarrer der Martinskirche. Die Resonanz sei gut. „Es sind genügend Menschen bereit mitzuwirken.“ Da sich abzeichnet, dass die Corona-Einschränkungen fortdauern, steht fest: „Wir werden die Reihe über den April hinaus fortführen.“

Ev. Martinskirche Sindelfingen. Foto: Julia LutzeyerEv. Martinskirche Sindelfingen. Foto: Julia Lutzeyer

Das Format biete die Möglichkeit, die „Idee eines Priestertums aller Gläubigen“ zu verwirklichen, sagt Pfarrer Junginger. „Ich halte die ,Atempause‘ für ein zukunftsweisendes geistlich-spirituelles Angebot, bestimmt durc die Gleichförmigkeit der Liturgie und die klare zeitliche Begrenzung." Der zuverlässlihe Ablauf werde on den Besuchern geschätzt und erleichtere den Mitwirkenden die Teilnahme.

Andrea Zeile bestätigt das. "Durch die festgelegte Liturgie und den wiederkehrenden Rahmen geht es letztlich nur darum, den Impuls zu gestalten". Da sei der Aufwand nicht allzu groß. Und es tue gut, als Gemeinde zusammenzuhalten.

"Ganz nach dem Motto: Das stehen wir gemeinsam durch." Was auch bedeutet, die Hauptamtlichen zu unterstützen. "Die Pfarrer und Pfarrerinnen mussten in der Corona-Zeit viel leisten. Gottesdienste digital ermöglichen etwa. vor dieser Mehrarbeit habe ich den größten Respekt."

So gesehen versteht Andrea Zeile ihre Mitwirkung an der "Atempause" auch als Dank. Ihr nächster Einsatz, gemeinsam mit einer Freundin, ist schon geplant. Welches Thema sie in ihrem Impuls aufgreifen will? " Es geht vermutlich um Geduld."

www.martinskirche-sindelfingen.de

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