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Persönliches unterm Dach - Originelle Spendenaktion mit Dachziegeln

GEISLINGEN – Mit einer originellen Spendenaktion treffen Mitglieder der Geislinger Kirchengemeinde den Nerv ihrer Mitmenschen: Sie beschriften Ziegel für das Kirchendach mit persönlichen Widmungen. Einige Spender wollen dabei aber etwas zu viel.

Nicola Ausprung und Tochter Hanna beschriften Dachziegel. Foto: privat/Stefanie RiegertNicola Ausprung und Tochter Hanna beschriften Dachziegel. Foto: privat/Stefanie Riegert

In Geislingen wird das Dach der Stadtkirche saniert. 106 000 Euro der Gesamtsumme von 700 000 Euro muss die Kirchengemeinde über Spenden aufbringen – und das in Zeiten, in denen wegen des Lockdowns nicht auf bewährten Wegen, wie beispielsweise bei Benefizkonzerten, gesammelt werden kann. Da hatte Stefanie Riegert eine Idee: den persönlichen Dachziegel. „Wir beschriften für 25 Euro einen Dachziegel mit Worten und Widmungen, die sich die Leute wünschen“, sagt die Kirchengemeinderätin. Der Dachdecker setzt die Ziegel dann so im Dach ein, dass der Text von innen lesbar bleibt.

Wie es aussieht, hat Stefanie Riegert mit ihrer Idee einen Nerv getroffen: Mehr als 230 Menschen haben inzwischen bei Pfarrer Dietrich Crüsemann angerufen, um einen oder mehrere Ziegel für sich zu reservieren. „Ein Senior hat für alle seine Kinder und Enkel einen Ziegel gekauft und mit einem Zitat oder Bibelspruch versehen“, sagt Stefanie Riegert. Viele Menschen zahlten weit mehr als 25 Euro, um sich an der Dachrenovierung zu beteiligen. „Wir haben einige Meldungen von weit weg, etwa aus den USA. Sie kommen von Leuten, die einen Bezug zur Stadtkirche haben.“

Originelle Spendenaktion mit Dachziegeln

Stefanie Riegert nennt ein Beispiel. Der einstige Geislinger Pfarrer Gunther Bayha starb im vergangenen Jahr in Australien. Seine Tochter möchte ihm mit einem Dachziegel ein Andenken setzen. Berührt hat Riegert auch der einfache Satz, den sich eine ältere Frau gewünscht hat: „Diese Kirche bedeutet mir viel“, steht auf ihrem Ziegel.

Dachziegel mit Widmung, Geislingen evangelische Kirche.Foto: privat/Stefanie RiegertDer größte Teil der gewünschten Widmungen besteht aus Bibelversen oder Taufsprüchen. Die Schreibfläche auf einem Ziegel ist mit 16 Quadratzentimetern allerdings begrenzt, die Wünsche einiger Menschen übersteigen den knappen Platz: „Jemand wollte den Text des Liedes ‚Ode an die Freude‘ samt den Namen des Dichters Schiller und des Komponisten Beethoven – auf einem einzigen Ziegel.“ Da hat es Dekan Martin Elsässer besser gemacht: Er kaufte gleich zehn Ziegel, um auf jedem davon einen Satz des Vaterunsers verewigen zu lassen.

Vier- bis fünfmal haben sich Stefanie Riegert und aktive Mitstreiterinnen wie Nicola Ausprung und ihre Tochter Hanna bisher in kleinen Gruppen im Paulus-Beck-Raum unter der Orgelempore der Stadtkirche getroffen, um die Ziegel mit speziellen Lackstiften zu beschriften. „Man muss sich wahnsinnig konzentrieren, damit nachher keine Fehler drin sind und alles wirklich schön aussieht“, sagt Stefanie Riegert.

Ihr gefällt der Gedanke, dass irgendjemand in 50 oder 100 Jahren die Inschriften entdeckt und „erkennt, wie vielen Menschen die Stadtkirche am Herzen lag, so dass sie sich auf diese Weise dafür eingesetzt haben“. Das gelte übrigens nicht nur für Gemeindemitglieder. Auch andere Geislinger, etwa eine katholische Nachbarin, unterstützten die Idee. „Die Kirche bedeutet doch allen Geislingern viel.“

Stefanie Riegert wird auch einen Ziegel kaufen und beschriften. „Aber“, bekennt sie lachend, „ich weiß immer noch nicht, was ich draufschreiben soll.“

 

◼ Die Aktion läuft noch. Mehr dazu gibt es unter www.kirchenbezirkgeislingen.de

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Die Geislinger Stadtkirche wurde ab 1424 in nur vier Jahren erbaut. Jetzt müssen der Dachfirst und das Dach am Südschiff neu gedeckt werden. Viele der tragenden Balken sind marode. Weil die Ziegel nicht dicht genug übereinander lagen, fanden Feuchtigkeit und Stürme den Weg nach innen, immer wieder wurden Ziegel auf den Kirchplatz geweht. Diese Abstände werden jetzt mit 1600 zusätzlichen Ziegeln verringert.

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