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Zu Hause bei den Schwestern - Diakonische Schwestern- und Brüderschaft

STUTTGART – In die Schwesternschaft der Diakonissenanstalt werden seit mehr als 40 Jahren keine Diakonissen mehr aufgenommen. Dafür aber diakonische Schwestern und Brüder. Jüngst kam Melanie Scherr dazu. Die 33-Jährige hat sich für diese Entscheidung Zeit gelassen.

 Foto: Design Miss C, pixabayFoto: Design Miss C, pixabay

Zu Hause. So könnte man das beschreiben, was Schwesternschaft der Diakonissenanstalt Stuttgart für Melanie Scherr bedeutet. In diesem Herbst wurde die 33-Jährige als diakonische Schwester aufgenommen, nachdem sie schon länger auf Zeit dabei war. Im Gegensatz zu Diakonissen dürfen diakonische Brüder und Schwestern heiraten. Sie leben nicht im Mutterhaus der Diakonissenanstalt in Stuttgart, sind aber eine geistliche Gemeinschaft von Menschen, die ihren Glauben zusammen im Alltag leben wollen. „Die ganze Atmosphäre, der Zusammenhalt, man wird nicht alleingelassen“ – das ist es, was Melanie Scherr so anzieht. Dass sie einmal Mitglied in einer solchen Gemeinschaft werden würde, war nicht von vornherein klar. So, wie es auch nicht klar war, dass sie irgendwann einmal tatsächlich Krankenschwester werden würde.

Den Berufswunsch hatte sie zwar schon früh – damals, als Kind, als sie selbst mit einer Blinddarm-Entzündung ins Krankenhaus kam. Doch als sie mit 17 die Schule beendet hatte, war sie für die Ausbildung zu jung. So entschied Melanie Scherr sich für eine ganz andere Branche: Sie wurde Reiseverkehrskauffrau, unternahm einige Reisen, einmal sogar nach Asien. Doch so richtig ausgefüllt hat sie der Beruf nie.

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Ihr Vertrag im Reisebüro war befristet. Als der auslief, überlegte sich Melanie Scherr, wie es für sie weitergehen soll. Da erwachte wieder der Wunsch, als Krankenschwester zu arbeiten. Und ein Gedanke: „Entweder mache ich jetzt den großen Schritt oder ich bin innerlich total unzufrieden.“

Mit 29 Jahren hat sie doch umgeschult

Der Schritt war riesig. Immerhin war sie mittlerweile schon 29. Sie würde während der Ausbilung wenig Geld verdienen und sie wäre wohl eine der Ältesten im Kurs. Ob sie das Lernpensum überhaupt schaffen würde? Heute lacht sie über ihre Gedanken von damals, und ihre braunen Augen blitzen schelmisch. „Ich war gar nicht die Älteste im Kurs“, sagt sie. Und mit manchen Themen aus der Ausbildung zur Krankenschwester wäre sie mit 17, 18 Jahren vielleicht auch überfordert gewesen, mit Tod und Sterben beispielsweise. Insofern bereut sie es nicht, erst später ihren Traumberuf ergriffen zu haben. Das Lernen war übrigens auch kein großes Problem. Es habe kaum Unterschiede zwischen ihr und den Jüngeren gegeben – bis auf einen: „Ich war sehr ehrgeizig.“

Melanie Scherr, Diakonische Schwesternschaft Stuttgart. Foto: PressebildMelanie Scherr hatte sich bei unterschiedlichen Krankenhäusern beworben. Angefangen hat sie dann beim Diakonissenkrankenhaus in Stuttgart. „Schon beim Vorstellungsgespräch habe ich diese besondere Atmosphäre gespürt“, sagt sie. Ihre nicht so guten Noten in Physik und Chemie hätten dabei keine große Rolle gespielt, erzählt sie. Als die Zusage kam, war klar: Hier will sie arbeiten. Auch nach ihrer Ausbildung ist sie im Diak tätig und mit Feuereifer dabei.

Während der Ausbildung kam Melanie Scherr in Kontakt mit der Schwesterschaft. Die Gemeinschaft zog sie gleich in ihren Bann. So entschloss sie sich, auf Probe dabei zu sein. Den Zusammenhalt schätzt sie sehr. Auch auf der Station, wo fünf oder sechs diakonische Brüder und diakonische Schwestern arbeiten. Ist das nicht manchmal ein Problem, Kollegen und Kolleginnen auch in der Schwesternschaft zu begegnen? Nein, sagt Melanie Scherr: „Durch den Glauben sind wir miteinander verbunden.“ Und falls es mal Probleme gibt, dann helfe die offene Kommunikation.

Melanie Scherr, Diakonische Schwesternschaft Stuttgart. Foto: Pressebild

In der diakonischen Schwesternschaft sind rund 80 Diakonissen sowie 360 diakonische Schwestern und Brüder. Zentrum ist das Mutterhaus der Evangelischen Diakonissenanstalt Stuttgart. Als Erkennungszeichen tragen die Mitglieder eine Brosche. Als Gemeinschaft möchten sie ihren Glauben im Alltag konkret werden lassen. Internet: www.diak-stuttgart.de