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Zuhören lohnt sich - Interview mit Kantor Jörg-Hannes Hahn

STUTTGART-BAD CANNSTATT – Jörg-Hannes Hahn hat für die Saison 2021/2022 ein abwechslungsreiches Konzertprogramm konzipiert. Im Gespräch mit Antje Schmitz erklärt der Kantor und Kirchenmusikdirektor, welche Bach-Werke besonders anspruchsvoll sind, was ihn bei der Planung der Konzerte leitet und warum er dem Publikum dankbar ist.

Kirchenorgel. Foto: nickelbabe, pixabayKirchenorgel. Foto: nickelbabe, pixabay

Herr Hahn, das Konzertleben erwacht wieder. Worauf freuen Sie sich besonders?

Jörg-Hannes Hahn: Das muss man ein bisschen differenziert sehen. Vor sechs Wochen habe ich mich darauf gefreut, dass wir im Herbst wieder ganz normal mit den Chören proben. Jetzt war unsere Bevölkerung ein bisschen unvernünftig, die Inzidenzzahlen steigen. Wie das Chorleben in den nächsten Wochen und Monaten aussehen wird, das wissen wir zur heutigen Stunde nicht. Von daher bin ich nicht mehr so positiv gestimmt, wie ich es vor sechs Wochen war. Aber ich freue mich dennoch sehr auf das Doppelkonzert am 13. und 14. September, bei dem ich die berühmten Orgelsonaten von Bach spiele, und dann auf den Violinisten Kolja Lessing, der am 13. Oktober als Gast kommt.

Sie erwähnen das Doppelkonzert. Was kennzeichnet Bachs Triosonaten? Sie spielen ja für drei Musiker. Verstehe ich das richtig?

Jörg-Hannes Hahn: Sozusagen. In der Barockzeit wurden es zahlreiche Sonaten für drei Instrumente, sagen wir Geige, Oboe und Continuo oder zwei Flöten und Continuo komponiert. Diese Praxis hat Bach auf die Orgel übertragen. Die rechte Hand ist das eine Instrument, die linke Hand stellt das andere Instrument dar und die Füße spielen die Cello-Stimme. Das ist eine technische Herausforderung, bei der die Füße einiges zu tun haben. Man hört ganz genau, ob der Spieler beide Hände gleichermaßen virtuos und musikalisch gestaltet. Mein alter Orgelprofessor sagte: Drei Dinge kann der Mensch gleichzeitig machen, mehr schafft das menschliche Gehirn nicht. Bachs Triosonaten zählen zu den am kompliziertesten zu spielenden Werken der Barockzeit.


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Sie spielen selbst, Sie kuratieren aber auch Konzertreihen, beispielsweise die „Musik am 13.“, die es nun seit einem Vierteljahrhundert gibt. Welcher Gedanke leitet Sie bei der Planung?

Organist und Organisator: Kirchenmusikdirektor Jörg-Hannes Hahn leitet die Konzertreihe „Musik am 13.“.  Foto: Pressebild/ Roberto BulgrinJörg-Hannes Hahn: In jedem Jahr ist das ein kleines bisschen verschieden. Ich schaue, dass ich einerseits Veranstaltungen mit bekannten und zugänglichen Werken plane, bei denen sich jeder Besucher wohlfühlt. Auf der anderen Seite möchte ich unbekanntere Musik zu Gehör bringen, auch Uraufführungen. Es gibt viele Werke abseits des Mainstreams, die meines Erachtens zu selten aufgeführt werden und von denen ich dennoch glaube, dass diese sich für die Zuhörer lohnen. Letztendlich nehme ich meine Hörer an die Hand sage: Schau mal, da gibt es etwas Besonderes und da gibt es noch etwas anderes Interessantes. Das kann zum Beispiel solistische Musik sein mit zwei, drei Instrumenten oder auch die ganz große Besetzung mit Chor und Orchester. Ich spekuliere ein bisschen darauf, dass das Publikum wirklich jedes Konzert besucht, dann übers Jahr von September bis Juli etwas Schönes erlebt und in seiner musikalischen Bildung und auch in der Herzensbildung ein bisschen weiterkommt.

Organist und Organisator: Kirchenmusikdirektor Jörg-Hannes Hahn leitet die Konzertreihe „Musik am 13.“.Foto: Pressebild/ Roberto Bulgrin

Die meisten Konzerte sind kostenlos. Aber Sie müssen ja auch die Auftritte der Gastmusiker finanzieren. Wie ist das möglich?

Jörg-Hannes Hahn: Es ist nur möglich, weil wir viele Spender haben. Das sind die Besucher, die am Schluss eines Konzertes großzügig ein stummes Opfer geben, also kein Klingelgeld. Und es ist möglich, weil die Gemeinden – Stadtkirchen-, Lutherkirchen- und Gesamtkirchengemeinde Bad Cannstatt – das tragen und die Stadt Stuttgart sowie das Land Baden-Württemberg das Programm fördern. Dazu kommen Stiftungen, die uns regelmäßig etwas geben oder die wir projektweise anfragen. Aber besonders möchte ich dem Publikum danken, das solidarisch ist und uns unterstützt. □

◼ Jörg-Hannes Hahn spielt am 13. und 14. September um 20 Uhr in der Stadtkirche Bad Cannstatt Bach.

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