Christliche Themen für jede Altersgruppe

Zum Plaudern aufgelegt - Stuttgarter Plaudertelefon

STUTTGART – Ein Schwätzchen halten, ganz bequem von zuhause aus, einfach über das reden, was einen gerade umtreibt: Mit dem Stuttgarter Plaudertelefon ist das möglich. Hinter dem Angebot für Seniorinnen und Senioren steht die Bürgerstiftung Stuttgart. Zu den Kooperationspartnern gehört auch die Evangelische Gesellschaft.

Immer ein offenes Ohr: Am Plaudertelefon kann man über alles sprechen, was einen gerade bewegt. Foto: adobe stock/ Syda ProductionsImmer ein offenes Ohr: Am Plaudertelefon kann man über alles sprechen, was einen gerade bewegt. Foto: adobe stock/ Syda Productions

Wenn der Ehemann von Gabriele Quandt-Magien seiner Frau mit dem Hinweis „Deine Plaudertasche ist dran“ den Telefonhörer reicht, weiß er, dass die Gattin nun eine Weile beschäftigt sein wird. „Unser Gespräch ist nie unter einer Stunde“, sagt die berentete Kunsttherapeutin. Verwunderung liegt in ihrer warm und vital klingenden Stimme. Und Nora Holinski, die von den Mitarbeitern der Bürgerstiftung ebenjener Seniorin als Plauderfreundin zugewiesen wurde, bekennt: „Sobald sie an den Apparat geht, habe ich ein Grinsen im Gesicht.“ Die beiden Frauen, die eine 24 Jahre jung, die andere im Ruhestand, haben sich noch nie persönlich getroffen. Doch seit einem halben Jahr telefonieren sie Woche für Woche miteinander. Nora Holinski kennt die Kindheitserinnerungen ihrer betagten Freundin, und diese wiederum nimmt Anteil an deren Bachelorarbeit im Fach Sprecherziehung und all den Fragen, die sich zu Beginn des Berufslebens stellen.

Plaudertelefon - Woche für Woche im Gespräch

„Mit dem Plaudertelefon wollten wir der Einsamkeit im Alter etwas entgegensetzen und die Hilfsbereitschaft, die sich im Corona-Lockdown zeigte, weitertragen“, sagt Katja Simon von der Bürgerstiftung Stuttgart. Sie betreut das Projekt mit einem Kollegen und hat schon viele Plauderpaare vermittelt. Dabei zählen nicht nur ähnliche Interessen, sondern auch dasselbe Stadtviertel. Beides bietet Gesprächsstoff. Knapp ein Jahr nach dem Start der Initiative, an der die Stadt Stuttgart, die eva, die Telefonseelsorge wie auch der Treffpunkt 50plus im Rotebühlbau mitwirken, plaudern etwa 100 Paare. Ein Überangebot besteht aktuell bei den Ehrenamtlichen, den sogenannten Plauderfreunden im Alter von 17 bis 80 Jahren, die durch digitale Kurse auf die Telefonbeziehung vorbereitet und engmaschig betreut werden. „Wir haben um die 20 Freiwillige, die auf ihre Schulung warten und mit Älteren sprechen wollen“, berichtet Katja Simon. Doch nicht nur Menschen im Seniorenalter sind aufgerufen. „Alle dürfen teilnehmen.“ Sofern sie in Stuttgart wohnen.

„Bei der digitalen Schulung ging es ums Zuhören und darum, wie man Aufmerksamkeit schenkt, anstatt Ratschläge zu geben“, fasst Nora Holinski zusammen. „Wir sprachen auch über Themen, die im Alter relevant sind: Trauer, Krankheit, Einsamkeit.“ Bei alldem ist das Plaudertelefon keine Konkurrenz zur Telefonseelsorge. „Es ersetzt auch keine therapeutischen Angebote“, stellt Katja Simon klar. Vielmehr geht es um einen Austausch auf Augenhöhe.

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„Durch den Kontakt zu einer fremden Person ist schon jetzt mehr entstanden, als ich erwartet hatte“, sagt Gabriele Quandt-Magien. „Es ist ein bisschen wie im Frühling, wenn man gar nicht mehr weiß, wo man die Tulpenzwiebeln gepflanzt hat, die plötzlich irgendwo sprießen. Ich bin eine Nutznießerin und muss gar nichts dafür tun.“ Ganz ähnlich geht es ihrer Plauderfreundin. Nora Holinski erzählt: „Es ist eine schöne Freundschaft gewachsen, die ich als sehr ausgeglichen empfinde.“ Trotz des Altersunterschieds.

Zuhören statt schlaue Ratschläge

Ein solcher existiert auch zwischen dem 76-jährigen Friedbert Kassel und seiner Telefonpartnerin. Die Mutter zweier kleiner Kinder ist aus Eritrea geflüchtet und nutzt das Angebot, um ihre Deutschkenntnisse zu verbessern. „Im Grunde machen wir eine telefonische Deutschschulung mit persönlicher Note“, beschreibt Friedbert Kassel seinen ehrenamtlichen Einsatz. So korrigiert er die Grammatik, wenn seine Telefonpartnerin von ihrem Heimatland, ihrem Alltag und ihrer Suche nach einem Ausbildungsplatz erzählt. Der Plauderfreund hat ihr und den Kindern sogar schon einmal Unterlagen vorbeigebracht. Zum zeitlichen Aufwand sagt Friedhelm Kassel: „Durch das Lernen sind wir beide schnell müde: Mehr als 30 Minuten sind da selten drin.“

Wer sich jetzt darüber ärgert, dass es das Plaudertelefon nur für Stuttgarter Bürger gibt, der kann ja an seinem eigenen Ort ein ähnliches Angebot aufziehen. Geklappt hat das bereits in Freiburg und in Coburg. □

Wer mehr über das Plaudertelefon wissen will, informiert sich unter www.plaudertelefon-stuttgart.de oder wählt die Rufnummer 0711-20300999. Dort erteilen Mitarbeiter der Bürgerstiftung weitere Auskünfte.

Digitale Anfragen sind möglich unter E-Mail hallo@plaudertelefon-stuttgart.de