Christliche Themen für jede Altersgruppe

Beschützer und Begleiter - Ein Engel auf Reisen

SULZ AM NECKAR – Michael ist ein Engel auf Reisen. Seine Mission: Er soll Frieden und Versöhnung fördern. Derzeit gastiert die fast drei Meter hohe Skulptur des Dresdner Bildhauers Reinhard Pontius im Kloster Kirchberg.

Bildhauer Reinhard Pontius mit seiner Skulptur auf dem Kirchberg. Der Engel hat goldene Augen. Foto: PressebildUm die Geschichte dieses Engels zu erzählen, muss man ein wenig ausholen. Mitte der 1990er-Jahre entbrannte der sogenannte Dresdner Brückenstreit. Der geplante Bau der Waldschlößchenbrücke war umstritten und spaltete die Stadtgesellschaft. Ein Bürgerentscheid im Jahr 2005 fiel zugunsten des Bau -vorhabens aus, daraufhin verlor das Dresdner Elbtal seinen Titel als Unesco-Welterbe. „Für die neue Brücke“, erzählt Bildhauer Reinhard Pontius, „musste auch eine alte Eichenallee gefällt werden. Viele Menschen hatten sich im Protest an die Stämme gekettet.“

Einer der glühendsten Projektgegner war der Bildhauer Michael Grasemann. Nachdem die über 100 Jahre alten Eichen gefällt waren, kaufte er 13 der Stämme und veranstaltete ein Bildhauersymposium. Zehn Künstler schufen aus den Bäumen Engelsfiguren. Pontius schlug die 500 Kilogramm schwere Skulptur an einem Stück aus dem Stamm.

Zu Ostern 2018 wurden die Skulpturen an einer stark befahrenen Straße in Dresden aufgestellt. „Es war eine Geste der Versöhnung, wir wollten der Stadt etwas zurückgeben“, sagt Reinhard Pontius. Vier Wochen stand Michael mit seinen Engelskollegen in Dresden, dann kam er ins Atelier. Und da stand er nun. „Im letzten Jahr habe ich mir dann gedacht, er muss unter die Leute“, erinnert sich Pontius.

Bildhauer Reinhard Pontius mit seiner Skulptur auf dem Kirchberg. Der Engel hat goldene Augen. Foto: Pressebild

Die Idee vom Engel auf Reisen war geboren. Station machen sollte und soll der Engel überall dort, wo es Michaelskirchen gibt oder wo man sich zum spirituellen Austausch trifft. Erste Station war Erfurt, danach folgten Schwäbisch Hall, Pforzheim und nun das Berneuchener Haus Kloster Kirchberg in Sulz am Neckar. Hier gibt es zwar keine Michaels-, sondern eine Johanniskirche. Aber das ehemalige Dominikanerinnenkloster ist das geistliche Zentrum der Berneuchener Gemeinschaften, zu denen die Evangelische Michaelsbruderschaft und die Gemeinschaft St. Michael gehören. Und es beherbergt ein christlich geprägtes Einkehr- und Tagungshaus. Ein ideales Reiseziel also für den Dresdner Michael.

Rot steht für die Wärme des Herzens

Bis zum 4. Juli macht die Skulptur nun auf dem Kirchberg Station, dort steht sie neben einem Ginkgobaum. Am Fuß ist die Skulptur geschwärzt, nach oben hin wird sie weiß. Die Augen sind golden; diese Farbe findet sich, gemeinsam mit Rot, auch im Glaseinsatz des linken Flügels wieder. Er symbolisiert das Flammenschwert Michaels und leuchtet in der Morgensonne.

Skulptur von Reinhard Pontius auf dem Kirchberg. Foto: PressebildReinhard Pontius hat darauf verzichtet, Michael in charakteristischer Kampfposition darzustellen, mit dem Schwert in der Hand, den Drachen tötend. „Ich wollte die andere Seite Michaels betonen, die des Beschützers und des Begleiters, der zwischen Licht und Schatten steht.“ Im Volksglauben geleitet Michael die Seelen der Verstorbenen ins Jenseits. „Das Rot des rechten Arms steht für die Herzenswärme“, erklärt Reinhard Pontius. Einen linken Arm hat sein Engel nicht.

Fast wäre der Aufenthalt im Kloster am Geld gescheitert. Doch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen sprang ein und übernahm die Reisekosten im Rahmen ihrer Gastspielförderung. Nächstes Reiseziel für Michael, den Bildhauer Reinhard Pontius und seine Frau Tabea wird die Europabrücke in Kehl sein. 2022 geht die Reise dann weiter über den Kanal nach Coventry, in die Partnerstadt Dresdens.

Reinhard Pontius hat darauf verzichtet, Michael in charakteristischer Kampfposition darzustellen, mit dem Schwert in der Hand, den Drachen tötend. „Ich wollte die andere Seite Michaels betonen, die des Beschützers und des Begleiters, der zwischen Licht und Schatten steht.“ Im Volksglauben geleitet Michael die Seelen der Verstorbenen ins Jenseits. „Das Rot des rechten Arms steht für die Herzenswärme“, erklärt Reinhard Pontius. Einen linken Arm hat sein Engel nicht.

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