Christliche Themen für jede Altersgruppe

Das Juwel der Dorfkirche

MONAKAM (Dekanat Calw) – Was macht ein Marienaltar in einer evangelischen Kirche? Und wieso um Himmels willen ist er bis heute ein katholisches Wallfahrtsziel? Der Monakamer Altar aus dem Jahre 1497 ist in vielerlei Hinsicht eine Besonderheit und ein Schmuckstück der kleine Kirche bei Bad Liebenzell, das schon Königin Olga ins Herz geschlossen hatte.


Katholische Rarität in evangelischer Kirche: Passions- und Marienaltar in Monakam. (Foto: Gemeindeblatt)

Immer im Mai begrüßt Mesnerin Brunhilde Sackmann eine ganz besondere Besuchergruppe in ihrer evangelischen Kirche in Monakam: Es sind katholische Wallfahrerinnen, Frauen aus dem benachbarten Neuhausen, die sich zu Fuß auf den Weg gemacht haben, um am Marienaltar zu beten.

Heute ist das ein fast ökumenisches Ereignis, eine Begegnung mit alten Bekannten, die ihren Priester mitbringen und eine Andacht abhalten. Vor über 100 Jahren war das ganz anders: Da war die katholische Wallfahrerei den Evangelischen ein Dorn im Auge, verfügte 1892 der Pfarrer, dass der Altar nur noch in Begleitung des Lehrers oder des Mesnerns besucht werden dürfe. Dem „Treiben katholischer Besucher“, die dort wahllos Blumen und Kränze niederlegten, galt es tunlichst Einhalt zu gebieten.

Es gibt viele solcher Geschichten, die sich um den Monakamer Flügelaltar aus dem Jahre 1497 ranken. Aufgeschrieben wurden sie für einen kleinen Kirchenführer, der erstmals 1997, zum 500-jährigen Jubiläum des Altars, herauskam. Jetzt wurde er neu aufgelegt, überarbeitet und von Günter Beck digital fotografiert. Autor ist der Pforzheimer Wissenschaftler Mathias Köhler, der derzeit als Denkmalpfleger in Halle an der Saale tätig ist.


Freuen sich über neu aufgelegten Altar- und  Kirchenführer: Mesnerin Brunhilde Sackmann und Pfarrer Matthias Wegner. (Foto: Gemeidnbelatt)

Zusammen mit Pfarrer Matthias Wegner stellte er den neuen Altar- und Kirchenführer im Rahmen einer Feierstunde vor. Pfarrer Wegner, der erst seit einem Jahr in Mokanam ist, staunt immer wieder über das kunsthistorische Juwel, vor dem er Sonntag für Sonntag predigt: „Das ist schon etwas ganz Besonderes.“

Der Altar zeigt den sterbenden Jesus in der Hand seiner Mutter Maria, umgeben von Maria Magdalena und seinem Lieblingsjünger Johannes. Filigran geschnitzte Figuren in goldenen Gewändern. Außen auf den Flügeln sind die Kreuzigung und die Grablege Christi zu sehen, Karfreitagsmotive, die Passionsgeschichte in bewegenden Farben und Bildern dargestellt.

Nur wenige Altäre dieser Art haben die Reformation überlebt und viele, die es taten, gingen nach der Aufklärung verloren. Der Monakamer Altar trotzte allen Zeiten, viele historische Zufälle halfen ihm dabei, an Ort und Stelle zu bleiben. Heute ist er der einzige dreiflügelige Altar im Landkreis Calw, eine Rarität, die vermutlich aus einer Werkstatt in Weil der Stadt stammt.

Bis 1603 gehörte Monakam zu Baden, das sich erst 1556 zu Luther bekannt hatte. Als es 50 Jahre später württembergisch wurde, war die Bilderstürmerei bereits vorbei – und der Altar stand achtlos in der Ecke einer alten Kapelle, zugeklappt wie ein Schrank, den man dort versehentlich abgestellt hatte.

Bis zur Auflösung des Heiligen Römischen Reiches gehörte der Nachbarort Neuhausen zur katholischen Grafschaft Gemmingen und blieb auch dann vorwiegend katholisch, als er ein Teil Badens wurde. Den Weg zur Maria nach Monakam gehen sie in Neuhausen schon seit Jahrhunderten, eine Wallfahrt zu den Württemberger Nachbarn, denen im 19. Jahrhundert noch jemand anderes die Aufwartung machte: Großfürstin Olga, verheiratet mit dem Thronfolger von Württemberg, hatte sich bei der Kur in Bad Liebenzell ganz offensichtlich in den kleinen Ort Monakam verliebt.

Sie stiftete dort einen Kindergarten und ein Holzkreuz und lernte nebenbei wohl auch den besonderen Altar kennen.

Als Ende des 19. Jahrhunderts seine Renovierung anstand, waren die Bande zum Herrscherhaus offenbar so stark, dass der württembergische König einsprang und die Rechnung bezahlte. Allerdings unter der Bedingung, dass die Gemeinde sich verpflichtete, den Altar nicht zu veräußern.

Gut möglich, dass dieser Passus mitverantwortlich war, dass der Altar bis heute in der evangelischen Kirche in Monakam blieb. Denn landauf, landab kauften damals staatliche Konservatoren Kunstgegenstände in den Kirchen auf und stießen dabei vor allem bei evangelischen Gemeinden auf offene Ohren. Die waren oft froh, wenn sie ein paar ihrer katholischen Überbleibsel loswerden und zu Geld machen konnten.

Seit 1803 stand der Altar in der neuen evangelischen Dorfkirche, die die alte Wallfahrtskapelle ersetzt hatte. Dort wanderte er immer wieder umher und wurde schließlich nach der Erweiterung in den Chorraum versetzt. Hier findet man ihn noch heute, 2,50 Meter hoch und stets geöffnet, so dass er für Besucher immer vollständig sichtbar ist. Seine jetzige Gestalt und Größe erhielt er übrigens erst 1953: Damals kamen der Sockel, die Predella und der Zieraufsatz, das goldene Gesprenge dazu. Es waren die Zeiten, als man es noch nicht ganz so genau nahm mit der Frage, bis zu welchem Grad Originalkunstwerke eigentlich verändert werden dürfen.

Mesnerin Brunhilde Sackmann hütet den Altar wie ihren Augapfel, „vor allem mit den Kerzen“, sagt sie, „muss man vorsichtig sein.“ Er ist längst richtig evangelisch geworden. „Was er zeigt“, sagt Pfarrer Wegner, „steht alles in der Bibel.“ Die gilt ja für beide Konfessionen, auch wenn es mit der Ökumene ganz oben oft viel schwieriger ist als wenn Neuhausen Monakam einen Besuch abstattet.

Informationzur Monakamer Kirche

Die Monakamer Kirche ist von April bis Oktober täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Der Kirchen- und Altarführer kann dort für drei Euro erworben werden. Der Gottesdienst findet jeden Sonntag um 9.15 Uhr (gerade Tage) beziehungsweise um 10.15 Uhr statt (ungerade Tage).