Christliche Themen für jede Altersgruppe

Details erzählen die Geschichten

ALPIRSBACH (Dekanat Freudenstadt) – Herzog Christoph ließ 200 Exemplare einer lutherischen Bibelübersetzung mit Holzschnitten ausstatten und versorgte damit die Gemeinden im Land. Einige der Bilder, überdimensional vergrößert, sind nun im Kloster Alpirsbach ausgestellt. 


„Der Turmbau zu Babel“ : Auf den Bildern gibt es immer wieder Neues zu entdecken. (Fotos: Bärbel Altendorf-Jehle)


Sie sehen aus wie die Bilder in den Wimmel-Kinderbüchern, die Holzschnitte, die derzeit im Kapitelsaal des Klosters Alpirsbach ausgestellt sind. Die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg zeigen mit den 20 Reproduktionen einen Meilenstein der Reformation. Das Besondere an der Ausstellung: Die kleinen in der Bibel abgebildeten 10 mal 15 Zentimeter großen Bilder wurden auf 95 mal 125 Zentimeter vergrößert – und dadurch erkennt der Betrachter jedes einzelne Detail des Bildes.

„Es fasziniert mich ungemein“, sagt Pfarrer Horst Schmelzle, „wie der Künstler damals auf so einer minimalen Fläche kleinste Details schaffen konnte.“ Jede Falte im Gesicht und den Gewändern ist zu sehen. Da findet der Betrachter Hühner und zarte Blumen, eine Schnecke, einen Pfau. Aus diesem Grund ist die Ausstellung auch etwas für Familien oder Grundschulkinder auch wenn einige Bilder grausam sind, wie ja manche Geschichten des Alten Testamentes auch.

Mit den 200 Exemplaren, die Herzog Christoph (1550 – 1568) drucken ließ, nahm die Reformation im Herzogtum Württemberg Gestalt an. Denn diese Bibel war die erste gedruckte Lutherbibel in Württemberg und Teil seiner grundlegenden Neuordnung der Kirchenlandschaft im Herzogtum, mit der er die Reformation, die sein Vater Herzog Ulrich eingeführt hatte, fortführte.

Das landeskirchliche Archiv in Stuttgart besitzt eines der 200 Bibelexemplare aus dem Jahr 1564. Nachweislich gibt es nur noch zwei weitere dieser Exemplare. Die Bibel wurde vom Frankfurter Verleger Sigmund Fyerabend gedruckt, und die meisten der 134 Holzschnitte stammen von dem berühmten Nürnberger Zeichner und Kupferstecher Jost Ammann, der nach Vorlagen von Johann Bocksberg arbeitete.  Alle diese Holzschnitte sind aufs Feinste koloriert und illustrieren den Bibeltext. Martin Luthers Bibelübersetzung ins Deutsche sollte es allen Bürgern ermöglichen, selbst die Bibel lesen zu können.

In einem Bild wird oft eine ganze biblische Geschichte, meist in mehreren Einzelszenen erzählt. Horst Schmelzle deutet auf die Arche hin. Da ist rechts Noah gemalt, wie er den Auftrag Gottes erhält, in der Mitte ist die Arche, die Tiere gehen paarweise die Rampe hoch, links davon schon das Wasser, das alles verschlingt und ganz oben am Bildrand die weiße Taube.

Wie genau der Kupferstecher Jost Ammann gearbeitet hat, wird auch beim Turmbau zu Babel deutlich. Da sind die einzelnen Steine und die kleinsten Details zu erkennen. Besonders interessant sind hier die Werkzeuge, die es damals schon gab, beispielsweise die Kräne aus Holz und Stein. Sehr berührend ist das Gleichnis von der wahren und der falschen Mutter, beeindruckend das Bild zur Geschichte von Jona und dem Fisch. Der Besuch der Ausstellung gleicht einem visuellen Spaziergang durch die Bibelgeschichten.

Horst Schmelzle freut sich, dass es gelungen ist, die Ausstellung nach Alpirsbach zu bekommen. Schöner Nebeneffekt solcher Ausstellungen ist es, die Menschen dadurch wieder auf das Alpirsbacher Kloster aufmerksam zu machen, sie in das Kloster zu führen. „Wir möchten auch den schönen Kapitelsaal in der Klosteranlage durch solche Ausstellungen rund um die Bibel und das Christentum in den Blick rücken“, sagt Schmelzle.

Die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg öffnen, bewahren und entwickeln 59 historische Monumente im deutschen Südwesten. 2015 besuchten über 3,8 Millionen Menschen die Originalschauplätze mit ihren Kulturschätzen, darunter Schloss Heidelberg, das Residenzschloss Ludwigsburg, Schloss und Schlossgarten Weikersheim, das Weltkulturerbe Kloster Maulbronn – und eben das Alpirsbacher Kloster.

Information

Die Ausstellung mit dem Titel „Eine Bibel für Württemberg – Bibeln als Glaubenszeugnisse im Zeitalter Herzog Christophs (1550 – 1568)“ kann bis 18. September mit der Eintrittskarte für das Kloster besichtigt werden: montags bis samstags, 10 bis 17.30 Uhr und sonntags von 11 bis 17.30 Uhr. Informationen beim Info-Zentrum/Klosterkasse: Klosterplatz 1 in Alpirsbach, Telefon 07444-51061, E-Mail: kloster.alpirsbach@gmx.de, Internet: www.kloster-alpirsbach.de