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Ganzjährig Weihnachten - Typisches aus dem Erzgebirge

MÖTZINGEN (Dekanat Herrenberg) – Weihnachtliches Flair hat Heinz Köhler aus dem Erzgebirge in die Gemeinde Mötzingen gebracht: Er baut Weihnachtspyramiden, Schwibbögen und Krippen, repariert aber auch Nussknacker, Räuchermännchen und Weihnachtsengel.

Krippe. Holzschnitzerei. Foto: Public Domain Photos, pixabayFoto: Public Domain Photos, pixabay

Eigentlich ist bei Heinz Köhler, von Haus aus Papiermacher und Schlosser, das ganze Jahr Weihnachten. Mittlerweile 80 Jahre alt, steht er immer noch in seiner Werkstatt und ist weit über die Grenzen als „Doktor“ der ganz schwierigen Fälle bekannt. Geht nicht, gibt es bei ihm nicht und so repariert er den kleinen historischen Schubkarren genauso liebevoll wie die schon in die Jahre gekommene große Weihnachtspyramide, die sich einfach nicht mehr bewegt. Wenn Köhler sie dem Besitzer wieder aushändigt, dann dreht sie sich schneller als je zuvor.

In Bärenstein bei Annaberg-Buchholz geboren, ist Köhler ein echter Erzgebirgler, auch wenn er später viele Jahre in Thüringen gelebt hat. Vor 13 Jahren zog er mit seiner Frau zu seinen Kindern nach Mötzingen. Und mit seinem Umzug hat er weihnachtliches Flair nach Mötzingen gebracht und dort unter anderem einen Weihnachtsmarkt angestoßen, auf dem er dann zehn Jahre seinen selbst angefertigten Weihnachtsschmuck ganz im Stile der Erzgebirgskunst den Besuchern anbot. Corona machte dem kleinen Weihnachtsmarkt dann auch in Mötzingen den Garaus.

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Köhler weiß viel über die alte Weihnachtstradition aus dem Erzgebirge. Als der Silberbergbau zu Ende ging, orientierten sich die Arbeiter um, wurden zu Löffelschnitzern, drechselten Reifentiere, stellten Spielzeug her und bauten Krippen und Pyramiden. Was im Schwarzwald Stubengang heißt, nannte sich im Erzgebirge Hutzenabende: Treffen in einer Stube, um Licht und Wärme zu sparen und gemeinsam zu arbeiten.

Heinz Köhler brachte die Erzgebirgskunst ins Gäu. Foto: Bärbel Altendorf-JehleHeinz Köhler brachte die Erzgebirgskunst ins Gäu. Foto: Bärbel Altendorf-Jehle

Schwibbögen, die im Erzgebirge in allen Fenstern zu sehen sind, haben es mittlerweile, wie so vieles andere, bis in den Schwarzwald geschafft. Auch hier wird dieser geschnitzte Lichterbogen gerne aufgestellt. Er ist das Symbol der Bergleute, die nach der Schicht am Heiligenabend sich im Mundloch, dem Eingang zum Stollen, zur Mette trafen, die Grubenlaternen wurden am gebogenen Halleneingang aufgehängt, eben wie beim Schwibbogen.

Die DDR wollte keine Engel haben

Engel und Bergmann sind daneben das wichtigste Weihnachtssymbol im Erzgebirge. Wird ein Mädchen geboren, bekommt es einen Engel, für die Buben gibt es den Bergmann. In der Weihnachtszeit ans Fenster gestellt, weiß jeder, wie viele Kinder in dem Haus leben. Ja und dann natürlich die Räuchermännchen. „Der Weihrauchduft hängt in jedem Haus, ohne diesen Duft ist es kein Weihnachten“, sagt Heinz Köhler und lacht.

In DDR-Zeiten stand man dem ganzen Weihnachtsbrauchtum sehr kritisch gegenüber, erklärt Köhler. Vor allem der Engel war der Partei ein Dorn im Auge. So wurde verfügt, dass er „Jahresendfigur mit Flügel“ genannt werden sollte. „Wir haben uns natürlich nicht daran gehalten“, sagt Köhler und schmunzelt.

Köhler hat sich alles selbst angeeignet, ob schnitzen oder drechseln. In seiner Werkstatt stehen Schwibbögen und noch zu reparierende große Pyramiden. Wenn er auch das ganze Jahr werkelt, so häuft es sich doch in den Wochen vor dem ersten Advent, wenn die aus den Kisten geholten Pyramiden sich nicht drehen oder etwas abgebrochen ist. Das ist die arbeitsreichste Zeit für Köhler, denn am ersten Advent heißt es Pyramiden anschieben.

In den Orten des Erzgebirges werden an diesem Sonntag die ganz großen Pyramiden in der Dorfmitte in Gang gesetzt. Heinz Köhler feiert das im Familienkreis. Bei dem fleißigen Pyramidenbauer gibt es dann so einiges zum Anschieben. □