Christliche Themen für jede Altersgruppe

Hilfe, die ankommt

LOSSBURG (Dekanat Freudenstadt) – Nudeln, Nudeln und nochmals Nudeln. Teigwaren waren eindeutig die Lieblingsspende der einkaufenden Kunden. Einige Konfirmanden aus Loßburg haben an einem Samstagmorgen vor dem großen Treff-Markt in Loßburg für das kleine Stattlädle in Freudenstadt, gesammelt.  Von Bärbel Altendorf-Jehle

Sammelten in Loßburg Waren für das "Statt-Lädle". Von links: Susanne Schwenk, Klara-Marie Groß, Laura Moses, Elisabeth Stückle, Marie Madeleine Kopp und Justin Mertinat. Foto: (Bärbel Altendorf-Jehle)

„Von mir bekommt ihr nichts, gar nichts.“ Ein aufgebrachter Mann wollte wegen der Vorfälle um den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst mit irgendwelchen Sammlungen von Kirchen nichts mehr zu tun haben. Er hat da wohl einiges verwechselt. Aber das war die einzige negative Erfahrung, die die jungen Leute in Loßburg machen mussten. Ansonsten waren die meisten Einkaufenden begeistert von der Idee, die eben nichts mit Bereicherung zu tun hatte. Die Jugendlichen sammelten auch nicht für die Kirche, sondern für das Freudenstädter „Stattlädle“ und damit für die armen Menschen direkt vor der eigenen Haustüre im Kreis Freudenstadt.

Das „Stattlädle“ ist ein Kooperationsprojekt der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde und der Erlacher Höhe Freudenstadt. Es ist für Menschen mit geringem Einkommen, die hier günstig Nahrungsmittel kaufen können. Diese müssen keinen Nachweis einer Bedürftigkeit vorlegen. Die Waren bekommt das „Stattlädle“ von verschiedenen Einkaufsmärkten und Bäckereien aus der Region.

Das Gespendete wird mit dem eigenen Kühlfahrzeug abgeholt, anschließend im „Stattlädle“ sortiert, umgepackt und für die Weitergabe im Laden vorbereitet. Das Team besteht aus Frauen und Männern, deren Beschäftigung durch das Jobcenter beziehungsweise das Sozialamt gefördert wird, sowie aus ehrenamtlichen Mitarbeitern.

Obst und Gemüse haben im „Stattlädle“ Schönheitsfehler, die Lebensmittel sind über dem Mindesthaltbarkeitsdatum, jedoch in der erlaubten Nachfrist für den Verkauf. Das macht denjenigen, die hier einkaufen, nichts aus. Sie sind dankbar, hier ihre Lebensmittel für den täglichen Bedarf zu auch für sie bezahlbaren Preisen zu bekommen.

In den meisten Kirchen im Kreis Freudenstadt stehen zusätzlich sogenannte „Stattlädle“-Kisten, in denen die Gottesdienstbesucher haltbare Lebensmittel oder aber auch andere Dinge des täglichen Lebens hineinlegen können. Vor den Großmärkten Werbung für das „Stattlädle“ zu machen und die Einkaufenden zu bitten, doch ein Produkt mehr zu kaufen und direkt als Spende vor Ort abzugeben, war eine Idee von Renate Braun-Schmid, Geschäftsführerin der diakonischen Bezirksstelle Freudenstadt. Sie probierte das selbst mit Konfirmanden aus und merkte, wie nachhaltig diese Aktion für die Jugendlichen war, die dadurch mit dem Thema Armut konfrontiert wurden – aber auch sofort helfen konnten. Eine wichtige Erfahrung in einer Zeit des Überflusses.

Diese Aktion und ihre Erfahrungen damit brachte Renate Braun-Schmid beim Treffen des Diakoniebeauftragten im Kirchenbezirk vor. Die Idee kam gut an. Für Elisabeth Stückle, Diakoniebeauftragte für die Kirchengemeinde Loßburg, stand fest: „Das mache ich in Loßburg auch“. Pfarrer und Kirchengemeinderat fanden das ebenfalls. Und so fragten sie gleich bei den Konfirmanden an, die in Loßburg generell aufgefordert werden, sechs bis acht Sozialstunden in verschiedenen Bereichen abzuleisten.

Elisabeth Stückel fand in Laura Moses, Susanne Schwenk, Klara-Marie Groß, Justin Mertinat und Marie-Madeleine Kopp eine tatkräftige Truppe. Mit Herzblut waren die jungen Leute dabei, brachten den Mut auf, die Kunden anzusprechen, das Projekt zu erklären und um eine Spende zu bitten.

Das Reizvolle für die Spender: Sie brauchen nicht auf die Bank zu gehen, keine Überweisungen zu tätigen. Das nimmt man sich stets vor, macht es aber dann doch nicht. Vielmehr konnten sie gleich ohne großen Arbeitsaufwand spenden. Zweiter Vorteil: Sie konnten selbst entscheiden, was sie kaufen und spenden wollen. Und als kleines Dankeschön bekamen die Spender einen Einkaufschip auf dem stand: „Hilfe, die ankommt“.

„Ich finde die Aktion einfach nur klasse“ sagte freudestrahlend eine Frau, packte Nudeln, Kaffee und etwas zum Naschen gleich haufenweise in die Kiste. Eine Oma ließ ihr Enkelkind die Gaben überreichen, eine junge Mutter brachte ein Netz Kartoffeln, die nächste hatte Zahnpasta und Zahnbürsten gekauft. „Nehmt ihr das auch?“ fragte ein Mann und streckte den Jugendlichen ein Paket Klopapier den entgegen. „Na klar“ schmunzelten die Konfirmanden, „auch das wird gebraucht“.