Christliche Themen für jede Altersgruppe

Jedes Kind will an die Tasten - Wir bauen eine Orgel

FREUDENSTADT – Mit Holzbaukästen werden Türme, Brücken und Häuser errichtet. Doch da geht mehr: Kirchenmusikdirektor Jörg M. Sander aus Freudenstadt baut mit Kindern eine funktionstüchtige Orgel. So will er die Jüngsten für das Orgelspiel begeistern.

Wie klingt das? Jörg M. Sander baut mit Zweitklässlern eine funktionstüchtige Orgel. Foto: Bärbel Altendorf-JehleWie klingt das? Jörg M. Sander baut mit Zweitklässlern eine funktionstüchtige Orgel. Foto: Bärbel Altendorf-Jehle

Zwei schwarze Kisten stehen im Raum. Darum herum tummeln sich Zweitklässler der Theodor-Gerhard-Schule Freudenstadt. In der Kiste sind Holzklötze verschiedener Größe, manche haben Löcher, auf anderen sind Tasten zu erkennen. „Das soll eine Orgel werden?“ Die Kinder schauen sich verstohlen an. Alle von ihnen waren schon einmal in einer Kirche, sie wissen also, dass Orgeln sehr groß sind. Darum ist Skepsis gegenüber diesen kleinen Kisten schon angebracht.

„Was macht man mit einer Flöte?“, fragt Kirchenmusikdirektor Jörg M. Sander. Schon schnellen die Finger in die Höhe: „Luft rein pusten“. „Genau, und was braucht eine Orgel noch?“ „Tasten“, ruft ein Mädchen. „Und wie kommt die Luft in die Pfeifen?“ Das wissen die Kinder nicht, sie haben noch nichts vom Blasebalg gehört.

Jörg M. Sander baut mit Kirchenmusikdirektor Karl Echle von der katholischen Kirchengemeinde erst einmal das Grundgerüst auf. Die beiden haben gemeinsam eine Orgelwoche in Freudenstadt veranstaltet. Hintergrund: Der Deutsche Musikrat hat in diesem Jahr die Orgel als „Instrument des Jahres“ ausgerufen. Da passt das Projekt „Orgelkids“ natürlich bestens. Der Bausatz kann über den Verband für Kirchenmusik der evangelischen Landeskirche geliehen werden.

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Jedes Kind darf einen Pfeife einsetzen. „Wer hat eine ruhige Hand?“, fragt Sander. Die Lehrerin schickt ein Mädchen an den Basteltisch. Gewissenhaft verbindet dieses die Haken mit den Ösen. „Darf ich auch mal?“, fragt ein Junge, auch er meisterte die filigrane Aufgabe.

Begeisterte „Ahs“ und „Ohs“

Dann kommen der Blasebalg und die Tasten – und tatsächlich: Was da Schritt für Schritt von den Kindern gebaut wird, ergibt zum Schluss eine kleine Orgel. Die Kinder sind begeistert.

Foto: Bärbel Altendorf-JehleFoto: Bärbel Altendorf-Jehle

Doch die Enttäuschung ist groß, als beim Druck auf die Tasten kein Ton herauskommt. Sander lässt die Kinder rätseln, woran das wohl liegt. Alles wird auf seine Richtigkeit überprüft. Sander schmunzelt, dann erinnert er die Kinder daran, was sie am Anfang gesagt hatten: Orgeln benötigen Luft. Zwei Kinder dürfen nun den Blasebalg betätigen. Kirchenmusikdirektor Karl Echle greift in die Tasten. Als der erste kraftvolle Ton erklingt, kommen begeisterte „Ahs“ und „Ohs“ aus den Kindermündern. Dann legt Echle los und spielt „Hänschen klein“. Bei den Kindern gibt es kein Halten mehr. Jedes will die Tasten zum Klingen bringen und kräftig auf den Blasebalg drücken.

Die eindrucksvolle Bastelstunde geht zuende. Wer weiß, vielleicht hat das eine oder andere Kind seine Liebe zur Orgel entdeckt. Jörg M. Sander und Karl Echle würde es freuen, denn an Nachwuchs mangelt es. □

◼ Mehr zum Bausatz unter www.orgelkids.nl