Christliche Themen für jede Altersgruppe

Um Leben und Tod

NEUENBÜRG – „Kreuz und quer“ heißt eine monatliche Gottesdienstreihe in Neuenbürg. Dabei geht es um aktuelle Fragestellungen aus Leben und Glauben, die auch provokant ausfallen dürfen. Der Titel des Februargottesdienstes lautete: „Ich bin dann mal tot.“ 


Ein Gespräch zwischen Großmutter und Enkelin zum Thema Sterben war ein Element des Gottesdienstes "Ich bin dann mal tot". (Foto: Regina Ganzhorn)


Isabel Wüst ist im täglichen Leben Erzieherin. Jetzt steht sie am Mikrofon in der Kirche und erzählt von einer kürzlich verstorbenen Frau. Sie war die Mutter von acht Kindern, die immer ein Herz für andere hatte. „Jetzt fehlt der Welt eine große Beterin“, sagt Isabel Wüst. Der Konfirmandenspruch der Verstorbenen erklingt als Lied „Fürchte dich nicht.“

Vor dem Altar lassen sich Wilma und Lisa als Großmutter und Enkeltochter in plüschige Sessel sinken. „Du, Oma, du bist doch schon so alt, hast du nicht Angst vor dem Tod?“, fragt die Enkelin. Doch die betagte Dame hat mit dem Sterben offenbar keine Probleme. Die Angst vor dem Tod überlässt sie lieber den anderen.

Die persönlichen Worte der Erzieherin und das Gespräch zwischen Enkelin und Oma waren Bestandteil des Gottesdienstes zum Thema Tod in der Reihe „Kreuz und quer“. Schon im Vorfeld hatte dieser Gottesdienst für Aufregung gesorgt, erzählt Pfarrer Helmut Manz. Kein Wunder, bei dem Titel: „Ich bin dann mal tot.“ Acht dieser besonderen Gottesdienste sind für 2016 geplant. Sie finden jeweils am dritten Sonntag im Monat um 10.30 Uhr statt.

„Es geht uns darum, die Botschaft des Evangeliums in die heutige Zeit zu bringen“, sagt Dekan Joachim Botzenhardt. Für das Evangelium steht das „Kreuz“, „quer“ steht für die Herausforderungen des Lebens. Dafür, dass im Leben halt doch manchmal etwas in die „Quere“ kommt.

In sechs Teams bereiten an die 30 Ehrenamtliche die Gottesdienste vor. Je nach Interesse machen sie sich im Liturgieteam Gedanken über den Inhalt der Predigt oder gestalten im Kreativteam ein Anspiel. Für einen modernen Sound sorgt das Musikteam. Unterstützt werden alle vom Technikteam, das für einen reibungslosen Ablauf beim Handling mit Laptop, Beamer oder Verstärker im Einsatz ist.

Nach den Gottesdiensten verköstigt das Bistroteam alle Gäste. Damit die Gottesdienste überhaupt erst bekannt werden, gestaltet das Werbeteam Plakate. „Unsere Mitarbeiterteams sind keine geschlossene Gesellschaft“, so Christine Buchgraber, Mitarbeiterin beim Liturgieteam. „Wir freuen uns über alle, die sich einbringen.“

Damit die Predigt alltagstauglich wird, nehmen die Teams mit ihren weltlichen Anliegen Einfluss auf das Konzept. Eine Bereicherung für den Pfarrer. Der hat den Platz vor dem Altar nicht bei jedem „Kreuz und quer“-Gottesdienst gepachtet. Immer wieder öffnen Gastredner neue Sichtweisen. So beispielsweise Professor Thomas Schimmel von der Uni Karlsruhe, der am 16. Oktober zum Thema „Der Urknall und die Gottesfrage“ erwartet wird.

Es geht zur Sache bei den Predigten. „Ein Meter achtzig tief, Erde drauf und Schluss! Stimmt das?“ eröffnet Pfarrer Manz seine Ansprache beim „Ich bin dann mal tot“-Gottesdienst. Von Fremdbestimmung in vielen Lebensjahren ist die Rede und von den wenigen freudigen Minuten am Tag, die man zusammenzählen sollte.

Was im Himmel zu erwarten ist, verdeutlicht Manz anhand biblischer Aussagen. Von Jesus Christus, der als Augenzeuge vor seinem Erdendasein bereits dort war, bis zu den Aussagen Paulus‘ in seinem ersten Brief an die Thessalonicher, spannt Manz den Bogen. Und kommt dann wiederum auf völlig abgehetzte Menschen zu sprechen, die alles mitnehmen müssen, denn „für viele kommt danach ja nichts mehr“.

Wie „Kreuz und quer“ angekommen ist? Zu den Gottesdienstbesuchern gehört eine junge syrische Flüchtlingsfau. Sie ist vor sechs Jahren Christin geworden und hat nun in ihren ersten deutschen Gottesdienst besucht. Verstanden hat sie kaum etwas, aber sie ließ sich von der Musik berühren. Etliche Gäste sind gezielt zu diesem Gottesdienst gekommen – auch aus anderen Gemeinden.