Christliche Themen für jede Altersgruppe

Vesperkirche im Sommer: Miteinander essen & leben

HORB (Dekanat Freudenstadt) – Vesperkirchen im Winter gibt es mittlerweile fast in allen Städten. Horb hat nun auch eine Sommervesperkirche. Das ist einmalig in Württemberg – und ein voller Erfolg. Mitte September besteht noch einmal die Möglichkeit, daran teilzunehmen.  Von Bärbel Altendorf-Jehle

Das Organisationsteam legt Wert darauf, dass Menschen unterschiedlicher Schichten miteinander ins Gespräch kommen.Fotos: Bärbel Altendorf-Jehle

Es ist ein strahlend schöner Sommertag. Über die blumengeschmückte Fußgängerbrücke, die den Neckar überspannt, geht es direkt auf den lauschigen Platz unter den Bäumen am Flößerwasen. Bierzeltgarnituren sind aufgestellt. Auf dem Grill brutzeln die Würste, die Suppe dampft im großen Kessel. Fröhliches Lachen schallt herüber.

Miteinander essen, reden, leben – unter diesem Motto steht die ökumenische Sommervesperkirche in Horb. Dreimal gab es das Angebot schon in diesem Jahr. Die Idee dazu kam von den Besuchern der regulären Vesperkirche. „Warum gibt es die eigentlich nur im Winter?“ Ja, warum eigentlich? Das dachte sich auch Achim Wicker, Dekanatsreferent des katholischen Dekanats Freudenstadt. Zusammen mit der evangelischen Kirche, der Caritas Schwarzwald-Gäu und des Zentrums des Zuhörens in Horb wurde vereinbart: „Wir probieren es.“

Während bei der regulären Vesperkirche großen Wert auf ein vollständiges Essen gelegt wird mit Suppe, Hauptgericht und Nachtisch, geht es bei der Sommerkirche weniger aufwendig zu. Da gibt es Wurst und Wecken in die Hand oder ein gegrilltes Steak mit Brötchen. Auch Kuchen und Obst, gespendet von Mitgliedern der evangelischen und katholischen Kirchengemeinde, ergänzen das Angebot.

Achim Wicker: „Das Essen ist eigentlich nur der Aufhänger. Viel wichtiger ist den Menschen die Teilhabe, das fröhliche Miteinander, die Gesprächsmöglichkeit. „Denn“, sagt Wicker weiter, „ein Würstchen kann sich auch ein Mensch mit einem schmalen Geldbeutel daheim in der Pfanne braten.“
Zu den so genannten „Hocketsen“ sieht Wicker einen großen Unterschied: Während sich die Menschen bei solchen Anlässen stets zu ihren Freunden, Nachbarn und Bekannten setzen, bleiben die Menschen mit kleinem Geldbeutel dort meist allein. Bei der Sommervesperkirche ist es anders. Hier können sie über ihre Sorgen mit Gleichgesinnten sprechen oder aber direkt mit den Verantwortlichen der Sommerkirche. Außerdem kommen bewusst auch Sympathisanten der Vesperkirche und essen gemeinsam mit den Bedürftigen.

Bezahlen muss keiner etwas. Jeder darf aber geben, was er möchte und was er kann. Die Kosten werden dadurch gedeckt. Und wenn mal nicht, „haben wir unsere Sponsoren wie Firmen und Banken im Hintergrund, die uns weiterhelfen“, sagt Wicker.

„Wir haben das Angebot bisher nur auf das Essen und die Gemeinschaft beschränkt. Einen christlichen Impuls gibt es bislang noch nicht“, erklärt Axel Brandauer, Kirchengemeinderat der evangelischen Kirchengemeinde in Horb. Das Ganze sollte in diesem Jahr erst einmal ein Testlauf sein, ob genügend Helfer gefunden werden und es überhaupt angenommen wird.

Bei der Winter-Vesperkirche hat es ganze drei Jahre gebraucht, um die Bedürftigen dazu zu bewegen, das Angebot wahrzunehmen. Zu groß war das Misstrauen. Das war bei der Sommerkirche nicht der Fall. Die Menschen wissen mittlerweile, dass es sich um keine „Gutmensch-Aktion“ handelt und nehmen das Angebot wahr. Die Diakonische Bezirkstelle, die Erlacher Höhe und Caritas sind dabei die großen Brückenbauer. Sie machen ihre Kunden darauf aufmerksam und ermutigen sie, dort hinzugehen. Auch das hat dazu beigetragen, dass die Sommervesperkirche von Anfang an so gut angenommen wurde.
Kirchenpflegerin Elvira Kern aus Horb ist begeistert von der Aktion. Sie hat sich schon jetzt für die Winter-Vesperkirche angemeldet. Will dort aktiv mitarbeiten. Walter Burgbacher, Kirchengemeinderatsvorsitzender der evangelischen Kirche in Horb zitiert auf die Frage, warum die Kirche sich in diesem Bereich so stark macht, aus der Bibel: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ (Matthäus 25,40).

Die Sommervesperkirche wird von den Mitgliedern des Zentrums des Zuhörers geschultert. Ein großes Geschenk für die Vesperkirche ist dabei die Hilfe von Heidi Wendlandt. Sie ist bei der Sommervesperkirche die erste, die kommt und die letzte, die geht. Ihre Motivation: „Es ist so wichtig, den Menschen mit schmalen Geldbeutel eine Teilhabe zu ermöglichen. Die Sommervesperkirche ist ein Platz der Kommunikation – das ist fast wichtiger als das Essen, das wir hier ausgeben.“¦

Die nächste Sommervesperkirche  in Horb findet am 19. September statt. Informationen bei der Kirchengemeinde Horb, Telefon 07451-2264

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