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1050 Impftermine vermittelt - Jugenddiakoniepreis 2021 Ertingen

ERTINGEN (Dekanat Biberach) – Im ersten Halbjahr 2021 waren Impftermine Mangelware und viele alte Leute fanden sich im komplizierten Vergabeverfahren nicht zurecht. In Ertingen haben Schüler einer Gemeinschaftsschule in ihrer Freizeit für ältere Menschen Impftermine organisiert. Dafür erhielten sie nun den Jugenddiakoniepreis.

Hinten von links Ferdinand Bessei, Niklas Dreher, Sophia Schenk, Vasil Maznokov, Lauretta Nickol, Felix Eberhart, Svenja Hagmann. Vorne Sabrina Sauter, Bürgermeister Jürgen Köhler und Markus Geiselhart. Foto: PrivatHinten von links Ferdinand Bessei, Niklas Dreher, Sophia Schenk, Vasil Maznokov, Lauretta Nickol, Felix Eberhart, Svenja Hagmann. Vorne Sabrina Sauter, Bürgermeister Jürgen Köhler und Markus Geiselhart. Foto: Privat

Sieben Schülerinnen und Schüler der Michel-Buck-Gemeinschaftsschule in Ertingen haben den mit 1000 Euro dotierten ersten Platz in der Kategorie der 13- bis 17-Jährigen beim Jugenddiakoniepreis 2021 gewonnen. Sie setzten sich von Ende Januar bis Juni in ihrer Freizeit viele Stunden dafür ein, dass impfberechtigte Personen einen Corona-Impftermin bekommen. Mit Erfolg: 525 Menschen konnten sie helfen.

Niklas Dreher hatte den Vorgang schon Anfang Januar kennengelernt: „Als wir für meine Großeltern einen Impftermin wollten, waren meine Eltern sehr frustriert über die schwierige Online-Buchung“, erzählt er. Als dann Rektor Markus Geiselhart in die Klassen 10a und 10b kam und nachfragte, wer mit dabei wäre, für Senioren und berechtigte Personen Impftermine zu buchen, meldete er sich gleich. Genauso wie Ferdinand Bessei, Lauretta Nickol, Vasil Maznokov, Sophia Schenk, Felix Eberhart und Svenja Hagmann.

„Zuerst haben wir eine Chat-Gruppe organisiert, weil wir nicht in derselben Klasse waren“, erzählt Lauretta. Damals hatten viele ältere Menschen – die als erste impfberechtigt waren – keine E-Mail-Adresse, kein Handy oder kamen mit dem Aufbau der Onlineplattform nicht zurecht. Telefonisch gab es ebenfalls lange Wartezeiten. „Barrierefrei war es nicht“, sagt die mittlerweile 17-jährige Svenja. „Anfangs war auch für uns das Buchen mit den vielen Daten anstrengend. Doch wir hatten relativ schnell Routine darin“, erinnert sie sich.

Dennoch: Impftermine zu bekommen war wie ein Glücksspiel. „Schlecht fühlte man sich, wenn nichts erreicht wurde“, sagt Svenja. „Ohne den Gruppenchat wäre es schwieriger gewesen. Wir haben uns gegenseitig Mut gemacht, haben uns beglückwünscht, wenn wir für eine ganze Familie die Termine organisiert hatten“, erzählt Lauretta. „Wenn es dann wieder viele Termine gab, hat einen das Fieber gepackt und man wollte weitere Termine gewinnen“, sagt Niklas. Geholfen hat, dass sie sich in der Gruppe absprechen konnten. „Gut war, dass wir mehrere Personen waren“, sagt Svenja. Und Lauretta erklärt: „Die einen versuchten, vor Schulbeginn Termine zu bekommen, die anderen in der Pause im Homeschooling und wieder andere am Abend.“ Die Schüler hatten dabei mehrere Impfzentren im Fokus. Bemerkenswert: Parallel organisierten sie für die älteren Impfberechtigten auch noch Fahrgemeinschaften.

Den größten organisatorischen Aufwand hatte Lehrerin Sabrina Sauter. Sie koordinierte über eine Liste die Daten der Impfwilligen. Farblich markierte sie, wer welches Alter hatte und ob sonst etwas zu beachten war. Sie gab die gebuchten Termine auch an die betreffende Person weiter. Insgesamt waren 1050 Bestätigungs-Mails von Impfterminen.

Als im Juni die Impfstoffmengen größer wurden, die Hausärzte impften und mobile Impfteams hinzukamen, wurde das Projekt beendet. Den Schülern hat das Helfen viel Freude gemacht. Svenja fand den Satz von Rektor Markus Geiselhart passend: „Wir sind eine Gemeinschaftsschule und daher schon geschult, einander zu helfen“.

Übrigens bestand die Chat-Gruppe aus neun Personen. Lehrerin Sabrina Sauter und Rektor Markus Geiselhart waren ebenfalls dabei. Auf Augenhöhe haben sich alle gegenseitig motiviert und gestärkt. „Das war mal ein anderes Erlebnis, seinen Rektor außerhalb der Schule kennenzulernen“, sagt Niklas.

Und die Rückmeldung der Geimpften? Sabrina Sauter hat viele Briefe, Karten und Telefonanrufe von dankbaren Menschen erhalten, die über diese Aktion ihren Termin bekommen hatten. Ein Dank, den sie gerne an die Jugendlichen weitergab. □

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