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Getanzte Messe - Premiere im Ulmer Münster

ULM – Das Ulmer Münster hat in seiner langen Geschichte viel erlebt. Doch Mitte Juli kommt es zu einer Premiere: Die Kirchenbänke des großen Gotteshauses werden überbaut, damit das Ballett des Theaters Ulm dort Giacomo Puccinis „Messa di Gloria“ aufführen kann. Für die Theaterleute eine ebenso spannende Erfahrung wie für den Münsterkantor.

Die Ballettcompagnie des Theaters Ulm bereitet sich auf den Auftritt im Münster vor. Foto: Pressebild/ Gaëtan ChaillyDie Ballettcompagnie des Theaters Ulm bereitet sich auf den Auftritt im Münster vor. Foto: Pressebild/ Gaëtan Chailly

Kirche und Theater haben unbestreitbar Gemeinsamkeiten – und sie waren einander über Jahrhunderte suspekt, erbitterte Gegner bisweilen. Langsam aber setzt sich die Erkenntnis durch, dass von Kooperationen beide profitieren können, wenn man mit dem Kirchenraum respektvoll umgeht.

Wie gut das gelingen kann, zeigt das Theater Ulm gerade mit seiner „Jedermann“-Aufführung in der Basilika im Ulmer Ortsteil Wiblingen. Nun geht es noch einen Schritt weiter, und das Ulmer Münster beweist Mut: Am Samstag des Ulmer Schwörwochenendes, am 16. Juli, findet im Münster die Premiere einer Ballettchoreografie statt – die Puccini-Messe „Messa di Gloria“, getanzt von der Ballettcompagnie des Theaters. Ein Novum!

Der Chor des Münsters singt dazu

Schwörwochenende in Ulm, das bedeutet ein festes Ritual, auch nach zwei Jahren Corona-Pause: Am Beginn der dreitägigen Feier der im 14. Jahrhundert beschlossenen Stadtverfassung steht immer am Samstagabend ein Konzert im ebenfalls im 14. Jahrhundert begonnenen Ulmer Münster, an das sich die Lichterserenade auf der Donau anschließt. Gesungene Messen gab es als Schwörkonzert schon. Dass Kirchenbänke überbaut werden, damit eine Plattform entsteht, um eine opulente Messe tänzerisch zu interpretieren, ist aber höchst ungewöhnlich.

Zum Schwörkonzert arbeiten Kirche und Theater eng zusammen. Die Uraufführung von Reiner Feistels neuer Ballettchoreografie „Messa di Gloria“ wird gespielt vom Philharmonischen Orchester der Stadt Ulm und gesungen vom Motettenchor des Münsters unter Leitung von Münsterkantor Friedemann Johannes Wieland.

Voraus gingen Begegnungen und begeisterte Impulse aller Beteiligten. Reiner Feistel ließ sich von der 1880 in Lucca uraufgeführten Puccini-Messe zu einer Bewegungskomposition inspirieren, die die Teile der katholischen Messe ernst nimmt und sie interpretiert. Dass die Uraufführung im dichten Zeitplan der Musik am Münster letztlich zum Schwörkonzert wurde, liegt auch daran, dass das Ulmer Münster für die Compagnie des Theaters eigentlich nur im Sommer nutzbar ist – die Temperaturen in Frühjahr und Herbst lägen zu niedrig für Tanz, erzählt Friedemann Johannes Wieland.

Für die Aufführung, die an den Abenden vom 19. bis 22. Juli wiederholt wird und für die jeweils rund 600 Karten zur Verfügung stehen werden, werden etwa zehn Kirchenbänke mit einer Plattform überbaut werden. Eine Feier des Lebens soll es werden, sagt Wieland – gerade jetzt in dieser Zeit und nach den Kontaktbeschränkungen. In dieser Größenordnung und in einem solchen Konzept jedenfalls gab es Derartiges noch nie, berichtet er. Das Schöne aus seiner Sicht ist zudem, dass durch die Kultur auch Kirchenferne zu den Aufführungen kommen werden, die vielleicht im Gotteshaus etwas für sich entdecken.

◼ Karten für die Aufführungen gibt es beim Theater Ulm, Herbert-von-Karajan-Platz 1, 89073 Ulm, Telefon 0731-161-4444, www.theater-ulm.de

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